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Fall Dennis: Was verbirgt der "Maskenmann" auf seinem Computer?

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Was verbirgt der "Maskenmann" auf seinem Computer?

10.10.2011, 17:39 Uhr

Bei den Ermittlungen gegen den Mann mit der Maske soll es mehrere Pannen gegeben haben (Quelle: dpa)

Bei den Ermittlungen gegen den Mann mit der Maske soll es mehrere Pannen gegeben haben (Quelle: dpa)

In Stade hat der Prozess gegen den mutmaßlichen Kinderschänder Martin N. begonnen. Der "Maskenmann" soll zwischen 1992 und 2001 drei Jungen getötet und etliche weitere missbraucht haben. Unmittelbar vor dem Prozessauftakt hatten Medien über schwere Pannen bei den Ermittlungen berichtet. Unter anderem sei es der Polizei bis heute nicht gelungen, das Passwort des Computers des mutmaßlichen Kinderschänders zu knacken.

Wie die "Welt am Sonntag" schreibt, wurde der Computer bei der Durchsuchung der Wohnung im April 2011 sichergestellt. Spezialisten des Landeskriminalamtes in Hannover versuchten seit Monaten, den Code zu knacken - ohne Erfolg. Martin N. wolle das Passwort den Fahndern nicht verraten. Auf dem Computer sei "nichts über schlimme Taten von mir zu finden", zitiert die Zeitung aus den Vernehmungsprotokollen.

Bei einer früheren Hausdurchsuchung im Jahr 2006 wurde bereits ein anderer Computer bei dem 40-Jährigen sichergestellt, auf ihm fanden sich mehrere Tausend kinderpornografische Bilder. Unter den Bildern waren auch Fotos von Kindern, die er gequält hatte. Die Staatsanwaltschaft Stade hält es für "möglich", dass sich beim Auswerten der Festplatte "weitere Ermittlungsansätze" ergeben.

Akten vorzeitig vernichtet

Der NDR berichtet in seiner Dokumentation "Der schwarze Maskenmann" am Montag (21 Uhr) zudem, Polizei und Staatsanwaltschaft hätten bei der Suche nach dem "Maskenmann" in Bremen und Bremervörde Akten vernichtet, obwohl die entsprechenden Taten zu dem Zeitpunkt noch nicht verjährt gewesen seien. Die vorzeitige Aktenvernichtung betrifft mindestens zwei Fälle. Demnach hatte der "Schwarze Mann" 1992 einen Zehnjährigen im Schullandheim Zeven-Badenstedt sexuell missbraucht. Ermittelt hatte damals das Polizeikommissariat Bremervörde.

Als die "Soko Dennis" im Jahr 2001 die Akten anforderte, bekamen die Beamten zu hören, dass der Vorgang "nicht mehr existent" sei. Nicht einmal das Aktenzeichen der zuständigen Staatsanwaltschaft Stade konnte dem Bericht zufolge ausfindig gemacht werden, da die Unterlagen angeblich "mittlerweile vernichtet" worden waren.

Ähnlich soll es der Soko in einem Bremer Fall ergangen sein. Dort war ein Junge zu Hause in seinem Kinderzimmer mehrfach missbraucht worden. Als die Ermittler einige Jahre später die Akten einsehen wollten war es zu spät: Der damalige Leitende Oberstaatsanwalt Jan Frischmuth bestätigte persönlich in einem Brief an die "Soko Dennis" 2001 zu "seinem Bedauern" die Vernichtung. Die Inhalte mussten die Ermittler aufwendig aus anderen Polizeiakten rekonstruieren.

Beweisstücke verschwunden

Verschwunden sind auch die Schuhe eines Opfers, die Beamte der Kriminalpolizei Bremen als Beweisstücke beschlagnahmt hatten. Als der Vater des Opfers die Schuhe zwei Jahre später zurückforderte, konnte die Polizei sie nicht mehr auffinden. Für den zuständigen Beamten sei diese Panne offenbar kein Problem, berichtet der NDR. Er notierte, dass "die Schuhe dem jetzt 13-jährigen Sebastian längst zu klein geworden" sein dürften.

Derselbe Beamte habe auch ablehnend auf den Wunsch zweier Opferfamilien reagiert, mit einer Presseveröffentlichung Eltern mit Kindern in ihrem Bremer Wohngebiet Horn-Lehe zu warnen. Dort waren innerhalb von zwei Jahren sieben Mal Jungen missbraucht worden. Doch das Polizeipräsidium lehnte ab, unter anderem mit der Begründung, die Information der Öffentlichkeit dürfte "eine nicht zu verantwortende Verunsicherung in der Bevölkerung" verursachen.

Der gebürtige Bremer Martin N. war im April 2011 in Hamburg festgenommen worden. Kurz darauf gestand er drei Morde und 40 Missbrauchsfälle. Die Ermittler schließen allerdings nicht aus, dass der "Maskenmann" noch weitere Morde begangen hat.

Angeklagter offenbar nicht rückfallgefährdet

Nach einem Gutachten des Münchner Psychiaters Norbert Nedopil könnte der 40-Jährige voll schuldfähig sein. Der Mediziner hält Martin N. aber nicht für rückfallgefährdet, weil es ihm seit 2001 gelungen sei, "sich weitgehend von pädophilen Übergriffen zurückzuhalten", berichtet der "Focus" unter Berufung auf die Expertise des Psychiaters.


Quelle: t-online.de , dpa , dapd

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