Haiti: Helfer der deutschen Hilfsorganisation I.S.A.R suchen nach Überlebenden (Foto: dpa)Auch anderthalb Wochen nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti werden immer noch vereinzelt Überlebende aus den Trümmern eingestürzter Häuser gerettet.
Israelische Rettungskräfte holten am Freitag in der Hauptstadt Port-au-Prince einen 21-Jährigen aus den Trümmern seines Schlafzimmers. Der Zustand des völlig erschöpften Mannes sei stabil. Bereits zuvor am Freitag konnte eine 84 Jahre alte Frau in der Nähe des Fußballstadions lebend geborgen werden. Ihr Zustand sei aber schlecht, sagte ein behandelnder Arzt. Möglicherweise werde die Frau nicht überleben. Sie erhält im Krankenhaus Sauerstoff und Infusionen.
Haitianer auf der Flucht
Die Suche nach Überlebenden ist am Samstag offiziell eingestellt worden. Priorität habe jetzt die Versorgung der Menschen, teilte das UN-Büro für die Nothilfekoordination (OCHA) mit. Hunderttausende Haitianer fliehen derweil mit ihren Familien in Bussen, auf Fähren oder sogar zu Fuß aus der Hauptstadt aufs Land oder in weit entfernte Küstenstädte, wie Mitarbeiter von Hilfsorganisationen mitteilten. Für 400.000 Menschen werden Notunterkünfte vor Port-au-Prince angelegt, die für einen Großteil der Menschen zur dauerhaften Bleibe werden könnten.
Deutsche Helfer zurück
Nach einwöchigem Einsatz in Haiti kehrten am Samstag 31 deutsche Katastrophen-Helfer zurück. Sie landeten am Morgen mit einer Linienmaschine aus der Dominikanischen Republik auf dem Frankfurter Flughafen. Dort begrüßten Familien und Kollegen die übermüdeten und sichtlich erschöpften Helfer mit Applaus und schlossen sie in die Arme. Die Rettungsspezialisten verschiedener Feuerwehren und Hilfsorganisationen hatten im Erdbebengebiet mit Hunden und Sonden nach Verschütteten gesucht.
"Wir konnten aber leider keine Überlebenden mehr orten", sagte Einsatzleiterin Daniela Lesmeister. Ärzte und Sanitäter des Teams hätten jedoch unter schwierigsten Umständen rund 700 Verletzte behandelt. Unter anderem seien viele Amputationen nötig gewesen. Die deutschen Helfer hatten auf Haiti unter dem Schutz bewaffneter Blauhelme gearbeitet. Der Einsatz war von der deutschen Sektion der Hilfsorganisation I.S.A.R. ausgegangen, die auf Suche und Rettung verschütteter Menschen spezialisiert ist. Die Mehrzahl der Helfer kam aus Nordrhein-Westfalen, einige wenige aus Thüringen und Hessen.
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Aktion Deutschland Hilft Stichwort: Erdbeben Haiti Spendenkonto: 10 20 30 Bank für Sozialwirtschaft BLZ: 370 205 00 Spendenhotline: 0900 55 102030 oder www.aktion-deutschland-hilft.de
Deutsches Rotes Kreuz Stichwort: Haiti Spendenkonto: 41 41 41 Bank für Sozialwirtschaft BLZ: 370 205 00 www.drk.de/spenden
Zahlreiche internationale Topstars warben unterdessen bei einer großen, weltweit übertragenen TV-Benefizgala um Spenden für die Opfer der Erdbebenkatastrophe. Die zweistündige Show, die am Samstagfrüh aus New York, London, Los Angeles und Haiti gesendet wurde, stand unter dem Motto "Hope for Haiti Now".
"Lasst uns Haiti wiederaufbauen!"
"Die Menschen in Haiti brauchen unsere Hilfe", erklärte der US-Schauspieler und Organisator der Veranstaltung, George Clooney, zu Beginn. "Sie sollen wissen, dass sie nicht alleine sind. Sie sollen wissen, dass wir uns ums sie kümmern." Zum Abschluss der Show rief der haitianische Musiker Wyclef Jean aus: "Lasst uns Haiti wiederaufbauen!" Mit einer haitianischen Flagge um den Hals sang er das Lied "Rivers of Babylon".
110.000 Tote
Bei dem verheerenden Erdbeben vor zehn Tagen starben bislang über 110.000 Menschen. Wie das Innenministerium am Freitag mitteilte, wurden 111.499 Leichen und 193.000 Verletzte gezählt. Mehr als 609.000 Menschen leben nach der Zerstörung ihrer Wohnungen und Häuser in rund 500 Feldlagern.