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Zu arm für den Ruhestand: Viele US-Rentner müssen arbeiten

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Zu arm für den Ruhestand

16.11.2010, 17:04 Uhr

Die 75-jährige Rentnerin Janet Busekros muss arbeiten - die steigenden Lebenshaltungskosten fressen ihre Rente auf (Foto: dpa)

Die 75-jährige Rentnerin Janet Busekros muss arbeiten - die steigenden Lebenshaltungskosten fressen ihre Rente auf (Foto: dpa)

Mit 65 Jahren ist Schluss. Dann wird die Arbeitskleidung an den Nagel gehängt, der nächste Winter im sonnigen Süden geplant und das Leben genossen. Diese Vorstellung von der Rente ist längst überholt - vor allem in den USA, wo immer mehr ältere Menschen arbeiten müssen.

Ihr ganzes Leben lang hat Janet Busekros geschuftet, um ihre vier Kinder zu ernähren und ihnen ein gutes Leben zu ermöglichen. Mittlerweile ist sie 75 Jahre alt, und die Kinder sind aus dem Haus - doch anstatt den wohlverdienten Ruhestand zu genießen, muss Busekros immer noch arbeiten. Die staatliche Rente, auf die sie Anspruch hat, reicht hinten und vorne nicht. "Ohne Arbeit wäre ich auf die finanzielle Unterstützung meiner Familie angewiesen", sagt die energische alte Dame.

"Der Wettbewerb ist groß"

Busekros ist nur 1,40 Meter groß, aber eine unermüdliche Kämpferin. 1997 ging sie mit 62 Jahren zunächst in Rente, um sich um ihre Tochter zu kümmern, die an Multipler Sklerose leidet. Als diese 2002 starb, war an Freizeit aber immer noch nicht zu denken. "Ich konnte die steigenden Lebenshaltungskosten einfach nicht mehr bezahlen", erklärt Busekros. Also ging sie mit fast 70 Jahren noch einmal auf Jobsuche. Ihre Lebensfreude und positive Einstellung hat die 75-Jährige dabei aber nie verloren. "Ich bin so froh, gesund zu sein. Das ist in meinem Alter nicht selbstverständlich", sagt sie.

Die Geschichte von Janet Busekros ist kein Einzelfall. "Eine überwältigende Zahl von alten Leuten muss arbeiten", erklärt Phillis Peach von "Experience Works", einer Organisation, die Senioren in den USA bei der Jobsuche hilft. "Für diese Menschen ist es nicht einfach, auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen. Der Wettbewerb ist einfach zu groß", meint Peach. Die älteren Menschen bilden in den USA dennoch einen wachsenden Teil der Arbeiterschaft. Es gibt inzwischen sogar spezielle Jobbörsen für über 50-Jährige.

Zahl der arbeitenden Senioren steigt

Die Organisation AARP, die die Interessen von Millionen Senioren in den USA vertritt, hat ermittelt, dass 17,2 Prozent der über 65-Jährigen arbeiten. "Die Zahl der berufstätigen alten Menschen ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen", sagt ein Sprecher. Nach Angaben der AARP arbeiten in den USA mittlerweile sogar mehr Einwohner im Alter von über 65 als Menschen unter 20.

Der Grund dafür sind vor allem finanzielle Probleme und der Wunsch nach einem höheren Lebensstandard. "Die staatliche Rente reicht hinten und vorne nicht, das ist allgemein bekannt", sagt Phillis Peach. Die Rente liegt bei durchschnittlich 700 bis 800 Dollar (500 bis 570 Euro) im Monat. Wer sich nicht zusätzlich privat abgesichert hat, ist oft arm dran. Die Hälfte der berufstätigen alten Menschen muss nach Angaben von "Experience Works" arbeiten, um finanziell zu überleben.

"Ich mag meinen Job"

Aber auch das persönliche Wohlbefinden und das Gefühl, gebraucht zu werden, spielen eine Rolle. Für Janet Busekros ist das ein positiver Nebeneffekt. "Ich mag meinen Job, er hält mich fit", erzählt sie. Die 75-Jährige arbeitet 19 Stunden in der Woche in einem Büro, hat viel Kundenkontakt.

2018 werden die über 55-Jährigen nach Schätzungen der AARP bereits ein Viertel der Berufstätigen in den USA ausmachen. "Man kann nicht mehr selbstverständlich davon ausgehen, in einem bestimmten Alter in Rente gehen zu können", sagt Phillis Peach. Demnach hatte fast die Hälfte der heute arbeitenden Senioren über 65 geplant, in diesem Alter bereits in Rente zu sein, 38 Prozent mussten nach ihrer Pensionierung wieder einen Job suchen, weil das Geld nicht reichte - so wie Janet Busekros.

Große materielle Ansprüche an die Zukunft hat die Seniorin nicht. Was für sie zählt, sagt sie, ist neben der Gesundheit ein Dach über dem Kopf. Wie viele Arbeitsjahre für sie noch dazu kommen werden, weiß die 75-Jährige nicht. "So lange ich fit bin, arbeite ich."


Quelle: dpa

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Kommentare (56)

zum Forum

Thema: "Zu arm für den Ruhestand: Viele US-Rentner müssen arbeiten"

Roland schrieb: am 16. November 2010 um 18:43:56
(0) (0) Rente
Die Industrie hat´s gewollt - die Politik hat´s gemacht - die 400.- € Jobs. Ein dankbares Futter für Firmen, Zahnärzte, Ärzte,
Supermärkte, Steuerberater, Rechtsanwälte usw. Die Arbeitgeber sparen Sozialversicherung und damit viel Geld. Diese Jobs werden angenommen, weil das Einkommen für das tägliche Überleben bei vielen nicht reicht - sehr traurig. Die Regierung Merkel wehrt sich ja vehement gegen die Mindestlöhne, von denen man nicht leben kann. 10 Jahre noch dann ist die BRD ein Sozialfall.
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Ostrentner schrieb: am 16. November 2010 um 18:22:20
(0) (0) Renten
Was für Amerika gut ist,kann für Deutschland auch nicht schlecht sein. Hier fahren Frührentner mit dicken Autos und Wohnmobilen
durch die Gegend und jammern,wie schlecht doch Ihre Rente ist. Rente soll ein Überleben sichern und nicht für Kreuzfahrten und schicke Autos ausgegeben werden. Aber unsere Regierung arbeitet ja schon daran.
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olihitzfeld schrieb: am 16. November 2010 um 18:13:44
(0) (0) Rente
Gemessen an Hartz 4 Leistungen für eine Person in Höhe von ca. 800 €, inklusive Wohngeld, Heizung und Krankenkasse, hat der
deutsche Durchschnittsmichel für ca. 250,00 € mehr pro Monat, 45 Jahre Beiträge zur RV, KV, AV und Steuern bezahlt. Ich hätte gerne zusätzlich zu meiner Rente, noch die durchschnittlichen Hartz 4 Leistungen, dann wäre ich auch zufrieden. Wann wird endlich dagegen protestiert?
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