10.12.2011, 13:40 Uhr
Bei Demonstrationen im ganzen Land forderten die Menschen eine Annulierung der Wahlen vom vergangenen Wochenende und die Freilassung von Gefangenen.
Bei der größten Demonstration von Regierungsgegnern in Russland seit mehr als einem Jahrzehnt protestieren etwa 100.000 Menschen nach Angaben der Organisatoren gegen die von Fälschungsvorwürfen überschattete Parlamentswahl. Der vorgesehene Platz im Zentrum von Moskau sei völlig überfüllt, berichtete ein Korrespondent.
Auch nach dem Beginn der genehmigten Kundgebung strömten bei Schneefall und Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt Tausende zu dem Versammlungsort auf der sogenannten Schokoladen-Insel im Fluss Moskwa. Die Polizei sprach von etwa 25.000 Teilnehmern.
Alle Altersgruppen und Schichten seien vertreten, berichtete ein Reporter. Viele Teilnehmer hatten weiße Schleifen an ihre Kleidung geheftet und trugen weiße Blumen. Auf Schildern forderten sie den Rücktritt von Regierungschef Wladimir Putin und die Freilassung politischer Gefangener wie des Ex-Ölmanagers Michail Chodorkowski.
"Heute ist ein glücklicher Tag", sagte der Regierungskritiker und frühere Regierungschef Michail Kasjanow. "Wenn hier heute 100.000 Menschen sind, sind es morgen eine Million!" Dies könne zu einem Wendepunkt der russischen Politik werden.
Neben roten Fahnen der Kommunisten und schwarz-gold-weißen imperialen Flaggen waren vor allem orangene Fahnen der regierungskritischen Bewegung Solidarnost zu sehen. "Russland ohne Putin" und "Schande", riefen Redner der Menge zu. Auch Ultranationalisten beteiligten sich an den Protesten. Die Demonstranten riefen "Putin ist eine Laus", einige von ihnen hielten ein Banner, auf dem das Wappen von Einiges Russland karikiert wurde. Darauf war zu lesen: "Die Ratten müssen gehen."
Die Opposition forderte Neuwahlen auch in Moskau, wo es bei der Abstimmung am vergangenen Sonntag eklatante Wahlfälschungen gegeben haben soll. Außerdem verlangten Redner wie der bekannte Krimiautor Boris Akunin, dass der Bürgermeister künftig direkt gewählt und nicht mehr vom Präsidenten ernannt werden solle.
Die Organisatoren hatten sich mit den Behörden auf eine Verlegung der Kundgebung geeinigt. Dadurch solle die Sicherheit der Teilnehmer gewährleistet werden, von denen die meisten keine Demonstrationserfahrung hätten, teilte Solidarnost mit.
Kritiker wiesen aber darauf hin, dass der Ort von der Polizei viel einfacher abzusperren sei als der ursprünglich vorgesehene Revolutionsplatz nahe dem Kreml. Dort versammelten sich einige hundert Anhänger der radikalen Opposition um Skandalautor Eduard Limonow. Über Festnahmen gab es zunächst keine Angaben.
Aus Angst vor Provokationen blieben allerdings auch zahlreiche Putin-Gegner zu Hause. Ein Polizeihubschrauber kreiste über dem Platz. Insgesamt waren 52.000 Sicherheitskräfte im Einsatz, die weite Teile von Moskau wie den berühmten Roten Platz absperrten. Die Behörden warnten vor der Überlastung einer der Brücken nahe der Vertretung der Europäischen Union und drohten mit der Räumung.
Führende Oppositionelle wie der Blogger Alexej Nawalny und der Politiker Ilja Jaschin fehlten bei der Kundgebung. Sie waren wegen angeblichen Widerstands gegen die Polizei bei einer nicht genehmigten Demonstration zu 15 Tagen Arrest verurteilt worden.
Die Organisatoren der Massenkundgebung warfen der Polizei Schikane vor. So gebe es an einer Seite des Versammlungsortes nur zwei Metallrahmen, durch die alle Teilnehmer hindurch müssten. Kremltreue Jugendorganisationen wollten für die Regierungspartei Geeintes Russland demonstrieren.
Medienberichten zufolge erklärte das Moskauer Schulsystem den Samstagnachmittag zu einem zusätzlichen Unterrichtstag für die neunten bis elften Klassen. Schüler seien erst am Freitag über die Maßnahme informiert worden, hieß es. Offenbar sollten mit diesem Schritt junge Menschen daran gehindert werden, sich dem Protest in der Hauptstadt anzuschließen.
Landesweit beteiligten sich Tausende an Kundgebungen gegen Wahlfälschungen. In der Pazifik-Stadt Wladiwostok demonstrierten etwa 1000 Menschen, im sibirischen Tomsk waren es nach Medienangaben ungefähr 1500. Insgesamt wurden einige Dutzend Regierungsgegner festgenommen. Darunter waren etwa 30 junge Leute, die sich an einem Flash Mob in Chabarowsk im Fernen Osten beteiligt hatten.
Die linkskonservative Partei Gerechtes Russland nominierte unterdessen ihren Fraktionschef Sergej Mironow als Kandidaten für die Präsidentenwahl am 4. März 2012. Dann will sich Putin, der bereits von 2000 bis 2008 Präsident war, wieder in den Kreml wählen lassen.
Quelle: dapd , dpa
Antidemokrat schrieb:
am 10. Dezember 2011 um 19:37:36
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@agent provocateur
Rußland ist für die deutschen Medien immer noch der Feind.Es wird einseitig,polarisierend und nicht objektiv
berichtet.Obwohl die Partnerschaft mit Rußland lebensnotwendig für D ist. Dein Argument ist der primitivste Knüppel, den man als Argument zu nutzen versucht.Wenn dies Dein Verständnis von Meinungsfreiheit ist, dann tust Du mir echt leid.
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Konstruktiv schrieb:
am 10. Dezember 2011 um 19:33:02
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@Schirinowski
Hi Schirinowski, das ist gelinde ausgedrückt gefährlicher und zynischer Schwachsinn, was sie da sagen. Demokratie muss nicht
erst perfekt sein, damit sie Demokratie genannt werden darf. Es gibt nicht nur schwarz und weiss. 100% und 0%. Alle anderen Staatsformen sind übler als die Demokratie. Demokratie ist so gut und reif, ... wie die Bürger im Land. Daher kann sie sich auch immer weiter verbessern. Ich denke, Sie verzweifeln an ihrem eigenen Leben. Das ist IHRE Verantwortung.
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Kirby schrieb:
am 10. Dezember 2011 um 19:31:06
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Wahlen in Rußland
Die Situation erinnert an das Szenario in der DDR 1989. Haben da etwa wieder "Nicht- Regierungs- Organisationen"
die Hand im Spiel?
Wem nutzt ein instabiles Rußland? Doch nur den Amis. Also ist die organisierende Hand klar. Und die Medien spielen wieder voll mit.War in der Ukraine so, in Georgien überall. Bleibt zu hoffen, daß die Illussionen der einfachen Russen über "Demokratie, Freiheit u. Menschrechte" nicht so naiv sind wie damals in der DDR.
unser
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