07.10.2011, 12:23 Uhr
US-Marines stehen in der umkämpften afghanischen Provinz Helmland unter Feuer der Taliban. Sehen Sie in unserer Foto-Serie die bewegendsten Bilder des Afghanistan-Krieges (Quelle: Reuters)
In Manhattan türmten sich noch die Trümmer des World Trade Center, als die USA mit Kampfflugzeugen und Marschflugkörpern Ziele in Afghanistan bombardierten. Die Luftangriffe am 7. Oktober 2001, vor genau zehn Jahren, markierten den Beginn eines Militäreinsatzes, der eigentlich mit dem Sturz der Taliban schnell beendet sein sollte. Doch ein Jahrzehnt später befinden sich die USA und ihre Verbündeten noch immer am Hindukusch im Krieg. Die spektakulärsten Bilder des Afghanistan-Krieges sehen Sie in unserer Foto-Serie.
Seit mehr als drei Jahrzehnten gehören Krieg und Gewalt zum afghanischen Alltag. In den 80er Jahren kämpften die Afghanen gegen die Sowjetunion, nach deren Abzug versank das Land in den 90er Jahren im Bürgerkrieg und erlebte den Aufstieg der radikalislamischen Taliban.
Dann rückten die Anschläge vom 11. September Afghanistan schlagartig in den Fokus der USA: Mit dem Wohlwollen der Taliban betrieb das Terrornetzwerk Al-Kaida dort Ausbildungslager, die auch die 9/11-Attentäter durchlaufen hatten.
Unterstützt von der US-Armee brachten die afghanischen Kämpfer der Nordallianz die Taliban noch vor Ende 2001 zu Fall. Zu Beginn des Einsatzes hatte der damalige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in einem Vermerk deutlich gemacht, dass der Aufbau eines afghanischen Musterstaates nicht das "vorrangige strategische Ziel" sei. Dennoch schmiedete die internationale Gemeinschaft auf dem Petersberg bei Bonn große Pläne für ein friedlicheres Afghanistan.
Der Beginn des Einsatzes am Hindukusch jährt sich zum zehnten Mal. Zum Jahrestag kam es in Kabul und anderen Städten zu Protesten. zum Video
Wie der "Spiegel" kürzlich berichtete, setzte sich dabei gerade die rot-grüne Bundesregierung für ein von ausländischen Truppen begleitetes "Nation Building" ein. Die Aufbruchstimmung war aber schnell verflogen: Während die USA im März 2003 im Irak eine zweite Front eröffneten, kehrten die Taliban aus ihren Unterschlüpfen in den pakistanischen Stammesgebieten zurück.
Nach Ansicht von Seth Jones, Afghanistan-Experte an der Denkfabrik RAND Corporation, haben die USA zwei große Fehler begangen, die den Konflikt in die Länge gezogen haben. Zunächst hätten sich die Taliban in ihren Rückzugsgebieten ungestört auf ihre Offensive vorbereiten können. Außerdem sei den Afghanen eine Zentralregierung aufgedrängt worden.
"Die Machtstruktur in Afghanistan ist sehr ländlich und basiert auf Stämmen und Clans", sagt Jones. Gerade die paschtunischen Stämme, aus deren Reihen die Taliban stammen, seien viel zu lange vernachlässigt worden.
"Im Irak machen wir, was wir müssen. In Afghanistan, was wir können", fasste der frühere US-Generalstabschef Mike Mullen 2007 den Umgang der Regierung von Ex-Präsident George W. Bush mit den beiden Einsätzen zusammen.
Bushs Nachfolger Barack Obama erklärte dann Afghanistan zum wichtigsten Schlachtfeld und erhöhte die Zahl der dort stationierten US-Soldaten von 35.000 auf 100.000. Zugleich unterstützten die USA den Versuch der afghanischen Regierung, sich mit den Aufständischen auszusöhnen.
Bis Ende 2014, das ist das Ziel der NATO, soll der Kampfeinsatz am Hindukusch beendet sein. Seit Juli reduzieren die USA ihre Truppenstärke wieder, alleine bis kommenden Sommer sollen 33.000 Soldaten heimkehren. Angesichts erdrückender Staatsschulden kann sich Washington teure Militäreinsätze in anderen Weltregionen immer weniger leisten.
Das Engagement am Hindukusch dürfte für die USA aber noch lange nicht vorbei sein. Leslie Gelb von der Denkfabrik Council of Foreign Relations in Washington etwa schätzt, dass bis zu 15.000 Soldaten zur Ausbildung und Unterstützung der afghanischen Armee nach dem offiziellen Abzugsdatum verbleiben könnten.
In der US-Bevölkerung hat der Afghanistan-Einsatz stetig an Zustimmung verloren. Mit der Tötung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden im Mai ist für viele der Kriegsgrund endgültig entfallen.
Auch in der US-Armee wachsen die Zweifel. Bei einer aktuellen Umfrage des Pew-Instituts unter Soldaten, die nach den Anschlägen vom 11. September gedient haben, gab nur die Hälfte an, dass Afghanistan den Kampf wert gewesen sei.
Quelle: AFP
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