Brennendes Auto eines Regionalpolitikers ins Basra: Obwohl die Anschläge im Irak weniger werden, bleibt die Sicherheitslage brüchig (Foto: AFP)
Trotz zahlreicher Anschläge am Wochenende geht die Zahl der im Irak getöteten Zivilisten tendenziell zurück. Nach einer Erhebung der regierungsunabhängigen Organisation Iraq Body Count (IBC starben) in diesem Jahr im Durchschnitt 25 Zivilisten pro Tag auf gewaltsame Weise.
Im Jahr 2006 seien es pro Tag 76 gewesen, 2007 im Durchschnitt 67, teilte IBC am Sonntag mit. Die Organisation, die in Großbritannien ansässig ist, listet seit Beginn der Invasion des Irak durch Koalitionstruppen im Jahr 2003 die Zahl der getöteten Zivilisten auf.
Seit dem 1. Januar 2008 fielen im Irak nach Angaben von IBC zwischen 8315 und 9028 Zivilisten der Gewalt zum Opfer. 2006 seien es zwischen 25.774 und 27.599 und im Jahr 2007 zwischen 22.671 und 24.295 gewesen. Seit dem Beginn des Krieges im Frühjahr 2003 wurden laut IBC zwischen 90.133 und 98.399 Zivilisten im Irak getötet.
Weniger Anschläge in Bagdad
IBC verzeichnet die Zahl der getöteten Zivilisten auf der Grundlage der Angaben der verschiedenen Behörden und Medien, was die Spanne zwischen den Zahlen erklärt. Erstmals seit 2003 war laut IBC im Jahr 2008 die Zahl der getöteten Zivilisten in der Hauptstadt Bagdad niedriger als im Rest des Landes.
Viele Anschläge am Wochenende
Auch wenn damit die Zahl der Anschläge im Irak um mehr als 80 Prozent zurückgegangen ist, bleibt die Sicherheitslage nach Einschätzung der US-Streitkräfte weiter brüchig. Am Wochenende wurden im Irak unterdessen mehr als zwei Dutzend Menschen getötet.
22 Tote auf Kleidermarkt
Allein 22 Menschen starben am Samstag, als eine Autobombe auf einem stark besuchten Markt für Second-Hand-Kleidung in Bagdad explodierte. Es war der erste größere Anschlag in der Hauptstadt seit mehr als einer Woche. Weitere 54 Menschen seien bei dem Blutbad im schiitischen Stadtteil Kadhimija verletzt worden, sagte ein irakischer Militärsprecher.
Anschlag auf anti-israelische Demo
In der nordirakischen Metropole Mossul sprengte sich am Sonntag ein Selbstmordattentäter auf einem Fahrrad nahe einer Demonstration in die Luft, die gegen die israelischen Angriffe auf den Gazastreifen gerichtet war. Dabei riss er einen Kundgebungsteilnehmer mit in den Tod, 16 weitere wurden verletzt. Zu der Protestversammlung hatte die sunnitische Irakische Islam-Partei (IIP) aufgerufen.
Autobombe tötet Polizisten
In der westirakischen Stadt Falludscha töteten am selben Tag ein Selbstmordattentäter und ein mit Sprengstoff präpariertes Auto bei zwei verschiedenen Anschlägen insgesamt drei Polizisten, wie die Nachrichtenagentur Aswat al-Irak berichtete.
US-Truppen geben Verantwortung ab
Zum Jahreswechsel übernimmt die irakische Regierung die Verantwortung für die Sicherheit im größten Teil des Landes. Das mit den USA geschlossene Sicherheitsabkommen ersetzt das UN-Mandat für den Einsatz ausländischer Truppen im Irak. Es sieht vor, dass sich die US-Truppen bis Ende Juni aus Bagdad und anderen Städten zurückziehen. Der vollständige Abzug aus dem Irak muss bis 1. Januar 2012 erfolgen.