Tritt im Januar möglicherweise nicht mehr an: Andrea Ypsilanti (Foto: dpa)Die gescheiterte SPD-Spitzenkandidatin in Hessen, Andrea Ypsilanti, wird nach Zeitungsinformationen bei der Neuwahl im Januar nicht wieder antreten. Das ist nach einem Bericht der "Leipziger Volkszeitung" von Samstag das Ergebnis ihrer internen Beratungen mit SPD-Spitzengremien im Land und im Bund. Danach will Ypsilanti Parteichefin in Hessen bleiben, aber ihren Stellvertreter Manfred Schaub als Herausforderer von Ministerpräsident Roland Koch (CDU) vorschlagen. Die hessische SPD dementierte die Berichte umgehend: "Eine solche Entscheidung ist nicht gefallen", sagte am Freitag ein Fraktionssprecher in Wiesbaden.
Parteikreise hatten die Meldung zuvor nicht bestätig, jedoch nicht ausgeschlossen, dass es so kommen könnte. In der Vorabmeldung von Freitag heißt es, alle maßgeblichen Sozialdemokraten gingen davon aus, dass Ypsilanti bei der Sitzung des Parteirats der Hessen-SPD am Samstag einen entsprechenden Vorschlag unterbreiten werde.
Derweil begrüßt eine Mehrheit der Deutschen das Scheitern Ypsilantis beim Vorhaben, sich mit den Stimmen der Linken zur Ministerpräsidentin wählen zu lassen. Dem am Freitag veröffentlichten ZDF-Politbarometer zufolge finden es 51 Prozent der Bürger gut, dass die Pläne der hessischen SPD-Chefin fehlschlugen. 26 Prozent gaben an, die Vorgänge um Ypsilanti seien ihnen egal, und lediglich 19 Prozent bedauerten das Scheitern der SPD-Politikerin.
Die meisten Deutschen wollen Neuwahlen
Selbst unter den SPD-Anhängern begrüßten 40 Prozent das Scheitern Ypsilantis, 25 Prozent war es egal, und nur 26 Prozent hätten die SPD-Landeschefin lieber als Ministerpräsidentin an der Spitze einer rot-grünen Minderheitsregierung unter Tolerierung der Linken gesehen. Die nun bevorstehende Neuwahl in Hessen stieß auf Zustimmung bei 72 Prozent der bundesweit 1171 befragten Wahlberechtigten. Lediglich 20 Prozent fänden es besser, wenn die Parteien versuchen würden, ohne eine neue Abstimmung über den Landtag auszukommen.
Am Donnerstag waren nacheinander CDU und SPD auf eine baldige Neuwahl eingeschwenkt. FDP, Grüne und die Linkspartei hatten sich schon vorher für eine vorgezogene Wahl ausgesprochen. Der Landtag soll in der nächsten Plenarwoche aufgelöst werden, voraussichtlich am 19. November.
Mit einer neuen Offenheit gehen die hessischen Parteien in die Landtagsneuwahl Anfang kommenden Jahres. Sowohl die Grünen als auch die SPD wollen diesmal keine Koalitionsoption völlig ausschließen. Im ZDF-Morgenmagazin ließ Grünen-Landeschef Tarek Al-Wazir am Freitag auch die Möglichkeit einer Jamaika-Koalition mit CDU und FDP offen. Der stellvertretende SPD-Landesvorsitzende Manfred Schaub rückte im Deutschlandradio Kultur seinerseits vom kategorischen Nein der Partei zu einer Großen Koalition ab und schloss keinen potenziellen Regierungspartner mehr völlig aus.