20.10.2010, 17:22 Uhr
Christian Wulff hält als erster Bundespräsident eine Rede im türkischen Parlament (Foto: dapd)
Nach seinen umstrittenen Thesen zur Rolle des Islam in Deutschland hat sich Bundespräsident Christian Wulff in der Türkei für den Schutz der christlichen Minderheit eingesetzt. "Das Christentum gehört zweifelsfrei zur Türkei", sagte Wulff in seiner mit Spannung erwarteten Rede vor dem Parlament in Ankara.
"Muslime können in Deutschland ihren Glauben in würdigem Rahmen praktizieren. Die zunehmende Zahl neuer Moscheen ist dafür ein deutliches Symbol", sagte Wulff, der bereits in seiner Rede zu Deutschen Einheit betont hatte, dass auch der Islam zu Deutschland gehört. "Gleichzeitig erwarten wir, dass Christen in islamischen Ländern das gleiche Recht haben, ihren Glauben öffentlich zu leben, theologischen Nachwuchs auszubilden und Kirchen zu bauen", fügte der Bundespräsident hinzu.
In der Türkei habe das Christentum eine lange Tradition. Im Land seien "Stimmen zu hören, die mehr Kirchen für Gottesdienste öffnen wollen. Zu dieser Entwicklung möchte ich Sie nachhaltig ermutigen", betonte Wulff, der als erstes deutsches Staatsoberhaupt eine Rede vor dem türkischen Parlament hielt. 99 Prozent der über 70 Millionen Türken sind Muslime, nur rund 100.000 bekennen sich zum christlichen Glauben.
Die Türkei nähere sich mit ihren jüngsten Verfassungsreformen erneut ein Stück den europäischen Standards an. "Ich möchte Sie ausdrücklich ermuntern, auf diesem Weg fortzuschreiten", sagte Wulff mit Blick auf die langwierigen EU-Beitrittsverhandlungen des Landes. Diese müssten "in einer fairen und ergebnisoffenen Weise" geführt werden.
Zur deutschen Integrationsdebatte sagte Wulff in seiner 22-minütigen, vom nur halb besetzten Plenum mit freundlichem Beifall bedachten Rede, viele Menschen türkischer Herkunft hätten inzwischen in der Bundesrepublik eine Heimat gefunden, viele seien auch deutsche Staatsbürger geworden. "Sie sind bei uns nicht wegzudenken." Es sei aber auch wichtig, die Probleme klar zu benennen: "Dazu gehören das Verharren in Staatshilfe, Kriminalitätsraten, Machogehabe, Bildungs- und Leistungsverweigerung."
In Deutschland müssten die Werte des Grundgesetzes eingehalten werden, "zu allererst die Menschenwürde, aber auch die freie Meinungsäußerung, die Gleichberechtigung von Mann und Frau und der religiös und weltanschaulich neutrale Staat", sagte Wulff. Außerdem gehe es darum, die deutsche Sprache zu lernen. "Wer bei uns leben will, muss sich an diese geltenden Regeln halten und unsere Art zu leben akzeptieren", verlangte das deutsche Staatsoberhaupt.
In seiner Rede unterstrich Wulff außerdem das Existenzrecht Israels: Die Sicherheit des Staates Israel sei vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte "für uns nicht verhandelbar", sagte der Bundespräsident. Langfristig sei diese Sicherheit aber nur durch die Schaffung eines demokratischen und lebensfähigen palästinensischen Staates zu gewährleisten. Deshalb setze Deutschland seine Hoffnungen auf einen Erfolg der laufenden Friedensgespräche.
Kritik äußerte Wulff am Atomprogramm des Irans. Deutschland habe weiterhin Zweifel an dessen ausschließlich friedlichem Charakter. Vor den Abgeordneten sagte er, die Türkei sehe sich in besonderer Weise den Ambitionen Irans im Nuklearbereich gegenüber. Deutschland teile die Sorge der Türkei, dass es zu einem nuklearen Wettlauf im Nahen und Mittleren Osten komme, wenn nicht gegengesteuert werde. Zugleich verteidigte Wulff die vom UN-Sicherheitsrat verhängten verschärften Sanktionen gegen den Iran, falls Teheran die Forderungen der internationalen Gemeinschaft nicht erfülle.
Zum Auftakt seines viertägigen Staatsbesuches in der Türkei hatte Wulff in Ankara zuvor Gespräche mit seinem Amtskollegen Abdullah Gül und mit Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan geführt. Gül sagte nach seinem Treffen mit Wulff, auch er sei gleichermaßen der Präsident der christlichen und der jüdischen Türken. "Ich glaube nicht, dass hier ein Problem vorhanden ist." Zugleich forderte er seine türkischen Landsleute in der Bundesrepublik erneut auf, die deutsche Sprache zu lernen.
Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Jürgen Trittin lobte Wulff für seine Rede: "Der Bundespräsident hat Recht", sagte Trittin. Auch wegen der gemeinsamen Geschichte Deutschlands und der Türkei sei ein fairer und offener EU-Beitrittsprozess im deutschen Interesse. "Der Beitrag türkischer Zuwanderer für Deutschland ist nicht wegzudenken, und wir sind ihnen zu Dank verpflichtet", sagte Trittin weiter. Der Religionsfreiheit gehöre die Zukunft. "Damit hat er dem unseligen Gerede von Leitkultur eine deutliche Absage erteilt."
Quelle: dapd
Mannix schrieb:
am 19. Oktober 2010 um 17:27:36
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Warum wird Trittin immer wieder zitiert
Das kann man sich doch wirklich sparen. Seine Meinung steht doch fest wie ein Betonklotz
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san andres schrieb:
am 19. Oktober 2010 um 17:25:29
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Wulff
Bloß weg mit diesem unserem Bundespräsidenten.
Der Mann ist einfach nur peinlich.
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Trichter schrieb:
am 19. Oktober 2010 um 17:24:00
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Geschichte
"Auch wegen der gemeinsamen Geschichte Deutschlands und der Türkei sei ein fairer und offener EU-Beitrittsprozess im deutschen
Interesse. "
Herr Trettin, Deutschland und die Türkei waren im 1.Weltkrieg Verbündet und haben gegen die Engländer gekämpft, meinen sie diese gemeinsame Geschichte?
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