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Wikileaks-Aussteiger stellt Buch vor: Blogger befürchten Schlammschlacht

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(Grafik: dpa/t-online.de)

"Schlammschlacht" um Wikileaks: Aussteiger zieht Bilanz

11.02.2011, 17:02 Uhr | Von Peter Zschunke, dpa

Beginn einer Schlammschlacht? Wikileaks-Aussteiger Daniel Domscheit-Berg bei der Vorstellung seines Buches "Inside WikiLeaks" (Foto: dapd)

Beginn einer Schlammschlacht? Wikileaks-Aussteiger Daniel Domscheit-Berg bei der Vorstellung seines Buches "Inside WikiLeaks" (Foto: dapd)

Ein Aussteiger setzt die Enthüllungsplattform Wikileaks mit sehr persönlichen Enthüllungen unter Druck: Begleitet von heftigen Vorwürfen gegen den Gründer Julian Assange und rechtlichen Schritten stellte Daniel Domscheit-Berg am Donnerstag in Berlin sein Buch "Inside WikiLeaks" vor.

Das Projekt habe "nicht mehr die Ziele verfolgt, die wir gehabt hatten", sagte der Autor und ehemalige Sprecher der Enthüllungsplattform. Wikileaks habe sich nicht schnell genug als Organisation etabliert, in der es Transparenz gebe. Vielmehr seien Entscheidungsprozesse allein von Assange abhängig. Blogger werteten die Auseinandersetzung der beiden Kontrahenten als "Schlammschlacht".

Kein Vertrauen mehr in Assange

Domscheit-Berg rechtfertigte die Entwendung von etwa 3500 bisher unveröffentlichten Dokumenten, weil sich Assange nicht um die Sicherheit dieser Informationen gekümmert habe. Auch Techniker von Wikileaks hätten kein Vertrauen mehr in Assange gehabt. "Das ist der Grund, warum einige Komponenten dem System entzogen wurden." Dabei geht es um eine Technik, um vertrauliche Dokumente anonym einreichen zu können. Wikileaks hat dem ehemaligen Sprecher Sabotage vorgeworfen und rechtliche Schritte angekündigt.

"Julian ist zu dem geworden, was er immer verachtet hat", sagte Domscheit-Berg. Indem Assange etwa seinen Kritikern mit juristischen Folgen drohe, widerspreche er der Wikileaks-Idee vom offenen, demokratischen Umgang miteinander.

Domscheit-Berg bekräftigte, dass die Enthüllung von gesellschaftlich relevanten Dokumenten eine wichtige Aufgabe für mehr Transparenz sei. "Wir waren irgendwann ein neutrales Werkzeug, das nicht versucht hat, mit den Inhalten Politik zu machen. Heute reagiere Wikileaks auf aktuelle politische Ereignisse. "Das bringt dieses neutrale Werkzeug weg von dem, was es einmal war."

Höchst private Bilanz

Fünf Monate lang hat sich Wikileaks-Aussteiger Daniel Domscheit-Berg zurückgehalten. Jetzt packt der Informatiker aus, enthüllt höchst private Dinge über Projektgründer Assange. "Es ist kein Abrechnungsbuch", sagt Domscheit-Berg. Aber was er auf 300 Seiten ausbreitet, ist eine höchst private Bilanz von drei Jahren an der Seite von Julian Assange.

Das Ausmaß der in dieser Zeit erfahrenen persönlichen Verletzungen offenbart der Autor in kleinen belanglosen Anekdoten: "Gab es vier Scheiben Leberkäse, aß er drei und ließ mir nur eine, wenn ich zu langsam war". Auf die Frage, warum er auf solche Details eingehe, antwortete der Autor: "Das vermittelt ein Bild, was aus meiner Sicht wichtig ist."

"Dieser verrückte Australier"

Assange, "dieser verrückte Australier", habe sich in einem ständigen Kampf um Dominanz befunden, schreibt Domscheit-Berg. Davon sei nicht einmal sein Kater verschont geblieben: "Seit Julian bei mir in Wiesbaden gewohnt hat, leidet er unter einer Psychose." Dabei haben beide Wikileaks-Aktivisten, so schreibt der Autor, am Anfang ihres Projekts von einer Welt ohne Chefs und Hierarchien geträumt.

Was Domscheit-Berg erzählt, ist vor allem seine eigene Geschichte des Scheiterns einer Freundschaft, die bis zum Schluss ambivalent bleibt. Einerseits bekennt der Autor, dass er Assange manchmal hasse. Andererseits führt er ihn in den Danksagungen auf. Einerseits klagt er, für Assange "meinen Job aufgegeben, meine Freundin, die Familie und Freunde vernachlässigt" zu haben. Andererseits bekennt er, "dass ich die vergangenen Jahre gegen nichts in der Welt zurücktauschen würde".

"Zwei große Kinder mit zu großem Ego"

Die Netzgemeinde schaut zu und reibt sich verwundert die Augen. "Wir stehen gerade am Anfang einer umfangreichen Schlammschlacht", schrieb Frank Rieger vom Chaos Computer Club in einem Blog-Beitrag. "Der Gegner ist offensichtlich primär der einstige Freund." Und im Blog von Fefe heißt es: "Wir haben zwei große Kinder mit zu großem Ego."

Zu Assanges Verhältnis gegenüber Frauen, das auch die in Schweden laufenden Ermittlungen wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung und der sexuellen Nötigung beschäftigt, meint Domscheit-Berg zunächst, dieses sei nicht so plump gewesen, wie in den Medien dargestellt werde - nur um kurz darauf anzumerken: "Für Julian war das Kriterium, das eine Frau in seinen Augen begehrenswert machte, recht einfach: 22. Sie sollte jung sein. Und ihm war wichtig, dass sie ihn nicht in Frage stellte."

Zu Wikileaks selbst sagt Domscheit-Berg, er glaube auch heute noch an die dahinter stehende Idee. Das Projekt war "vielleicht nur zu genial, um beim ersten Anlauf bereits zu funktionieren". Der Aussteiger hat unter dem Namen Openleaks schon ein neues Projekt auf den Weg gebracht, das Dokumente nicht mehr selbst veröffentlichen, sondern nur als Briefkasten für Enthüllungen dienen will. Voraussichtlich im April kann Julian Assange seine Sicht der Dinge ausbreiten, da soll seine Autobiografie erscheinen.


Quelle: dapd , dpa

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Kommentare (17)

zum Forum

Thema: "Wikileaks-Aussteiger stellt Buch vor: Blogger befürchten Schlammschlacht"

Wiki-Bewunderer schrieb: am 11. Februar 2011 um 13:46:59
(0) (0) Aussteiger-Buch
Sein EGO hat er selbst ruiniert und es ist fatal und gefährlich mit so einem Charakter zusammenzuarbeiten. Eine gute Idee
wurde ihm nicht übertragen. Eine Physiognomie und dann noch der Schriftausfall sagt alles-das Buch wird nicht kaufbar zu empfehlen sein. Verrat ????? NE NE NE
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Sigi schrieb: am 11. Februar 2011 um 12:00:17
(0) (0) Schlammlawine v. Kolkrabe
Richtig verglichen mit Wallraff, in den USA gibt es einen M. Moore. Es muss solche Menschen geben, die öffentlichwirksam die Lemminge wecken!

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M schrieb: am 11. Februar 2011 um 11:31:53
(0) (0) Wikileaks
Soll er Assange doch einfach seine Arbeit machen lassen und verletztes Ehrgefühl hintenanstellen. Solche Enthüllungsplattformen
haben doch genug Gegner in aller Welt, warum machen sie sich jetzt selbst das Leben durch solch unnötige Aktionen, wie dieses Buch zu schreiben, schwer? An "Wühlmaus": Ein Verbrecher ist nicht der, der die Wahrheit verbreitet, sondern der, der sie vertuscht!
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