05.03.2010, 08:03 Uhr | dpa
FDP-Chef Westerwelle will nicht mehr zum Starkbieranstich eingeladen werden (Foto: ddp)
Der FDP-Chef will nach dem Eklat um die satirische Derblecken-Rede beim Starkbieranstich nicht mehr zu der traditionsreichen Veranstaltung auf dem Münchner Nockherberg eingeladen werden. Der Kabarettist Michael Lerchenberg hatte Guido Westerwelle in seiner Rede mit Worten verhöhnt, die als KZ-Anspielung verstanden worden waren. Auch der Zentralrat der Juden ist empört.
"Mit einem KZ-Wächter verglichen zu werden, geht zu weit", schrieb Westerwelle in einem Brief an die Brauerei, die den Anstich mit der satirischen Rede veranstaltet. "Sie haben mich all die Jahre zum Salvator-Anstich eingeladen. Mehrfach habe ich gern teilgenommen. Für die Zukunft bitte ich, von Einladungen an meine Person abzusehen", heißt es in dem Brief.
Der als Bußprediger auftretende Lerchenberg hatte in seiner Rede über Westerwelle gesagt: "Alle Hartz-IV-Empfänger versammelt er in den leeren, verblühten Landschaften zwischen Usedom und dem Riesengebirge, drumrum ein großer Zaun." Über dem Eingangstor werde "in großen eisernen Lettern" stehen: "Leistung muss sich wieder lohnen." Über dem Tor zum KZ Auschwitz hatte in eisernen Lettern gestanden: "Arbeit macht frei".
Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, sagte, einen derartigen Ausrutscher unter die Gürtellinie habe sie bislang noch nicht erlebt. "Scherze, die das Leid der Opfer in den Konzentrationslagern verharmlosen oder gar der Lächerlichkeit preisgeben, sind eine Schande für die ansonsten gelungene Veranstaltung."
Der Schauspieler verteidigte sich für seinen Auftritt als "Bruder Barnabas": "Eine Fastenpredigt ist keine Lachparade", sagte Lerchenberg der "Passauer Neuen Presse". Ihm sei klar gewesen, dass "ein paar Sachen, die der Bruder Barnabas in seiner Predigt sagt, heute Anlass zur Diskussion geben werden. Aber die Themen erfinde ich doch nicht, die liegen auf der Straße." Beim sogenannten Derblecken auf dem Münchner Nockherberg wird alljährlich die politische Führung mit Hohn und Spott bedacht.
Quelle: dpa
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