11. November 1989: Demonstranten reichen einem DDR-Grenzposten eine Kanne Kaffee auf die Mauer (Foto: ddp)
Der Westen hat die Spitze der DDR bei der Vorbereitung der Grenzöffnung beraten. Das berichtet die "Tageszeitung" unter Berufung auf eigene Recherchen.
So habe das damalige SED-Politbüromitglied Günter Schabowski dem früheren Regierenden Bürgermeister Walter Momper am 29. Oktober 1989 angedeutet, dass es eine Reiseregelung geben werde, "die den Namen verdient". Dies habe den Westen auf den Plan gerufen. Der damalige Leiter der Westberliner Senatskanzlei, Dieter Schröder, habe deshalb Schabowski gewarnt, dass eine derart großzügige Reiseregelung mit den wenigen Grenzübergängen nicht funktionieren werde, berichtet die "Taz".
Auf Wunsch Schabowskis habe Schröder diesem eine Liste mit Vorschlägen für zusätzliche Grenzübergänge zukommen lassen - "am Beamtenapparat vorbei". Das unbürokratische Vorgehen habe dazu geführt, dass der damalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher die genehmigte Liste mit den neuen Grenzübergängen schon am Tag nach dem Mauerfall vor dem Rathaus Schöneberg unter dem Jubel der Menge verlesen konnte, schreibt die "Taz".
Auch der Westen schätzte die Lage falsch ein
Auch der Westen habe sich Anfang November auf die Grenzöffnung vorbereitet - aber auch hier sei die Menge der Ausreisewilligen falsch eingeschätzt worden. So habe eine Task-Force zwar organisiert, dass das Begrüßungsgeld von 100 D-Mark pro Kopf ausgegeben werden konnte. Die Beamten hätten sich jedoch verkalkuliert: "Sie hatten mit 500.000 DDR-Bürgern gerechnet. Doch in den ersten Tagen kamen vier Mal so viele."