Hohe Symbolkraft: Obama kommt nach Kopenhagen (Foto: Reuters)Neue Hoffnung auf ein gutes Klimaabkommen und plötzlich ein Hauch von "Yes we can" über Kopenhagen: Kaum hat US-Präsident Barack Obama verkündet, dass er nun doch persönlich zur entscheidenden Schlussphase der Mammutkonferenz nach Dänemark reisen will, überbieten sich selbst skeptische Klimaaktivisten mit überschwänglichem Lob.
Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy verkündete, er sei "begeistert" von den geänderten Reiseplänen Obamas, der zunächst nur eine unverbindliche Rede in der Auftaktphase in Kopenhagen halten wollte. Der gastgebende dänische Regierungschef Lars Løkke Rasmussen freute sich über eine "beispiellose Entschlossenheit zum Bremsen der globalen Klimaerwärmung" bei Obama und den anderen 102 angemeldeten Staats- und Regierungschefs.
Merkel appellierte an Obama
Die Umweltorganisation Greenpeace sieht durch Obamas Anwesenheit am entscheidenden letzten Verhandlungstag "alle Voraussetzungen für ein historisches Weltklimaabkommen" erfüllt. Und lobte im Überschwang auch den Erfolg des "persönlichen Engagements" von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Diese hatte Obama am Telefon bearbeitet, doch wie die anderen Staats- und Regierungschefs auch persönlich Verantwortung durch das Aushandeln der Schlussvereinbarung zu übernehmen.
"Jetzt wird Präsident Obama am richtigen Platz zur richtigen Zeit mit den richtigen Leuten sein", freut sich die britische Entwicklungshilfe-Organisation Oxfam. Schnell vergessen schien, dass Obama viel zu lange gezögert hatte, um für sich den "richtigen Platz" und den richtigen Zeitpunkt zu finden. Auch gelten bisher die im Vergleich zur EU wahrlich bescheidenen klimapolitischen Ankündigungen Washingtons nicht als ausreichend, um die Entwicklungsländer vom Willen der reichen Industriestaaten zu überzeugen, dass sie ihrer Verantwortung als Hauptsünder beim drohenden Klimakollaps wirklich gerecht werden wollen.
Obama nur auf der Durchreise
Als klimapolitische Beerdigung erster Klasse wurde auch Obamas wochenlang verkündeter Plan verstanden, auf der Durchreise zum Empfang des Friedensnobelpreises in Oslo mal eben in Kopenhagen zwischenzulanden, um eine sicher schöne Rede zu halten. Noch am selben Tag wollte er mit der Air Force One ins benachbarte Norwegen weiterreisen, um dort den Friedensnobelpreis in Empfang zu nehmen.
Diskrete Absprachen im Hintergrund
Kurz vor der Eröffnung des Klimagipfels im Kopenhagener "Bella Center" aber dämmerte wohl auch dem Stab des Präsidenten, dass dies ganz und gar nicht zu dem von Obama immer wieder verkündeten neuen Willen der USA zu weltweiter Partnerschaft passen würde. Ob der Schwenk in letzter Minute tatsächlich substanzielle Verbesserungen für das angestrebte Klimaabkommen mit sich bringen wird, weiß niemand. Als ausgemacht galt in Kopenhagen am Wochenende aber, dass Obama sich bei diskreten Kontakten mit Kolleginnen und Kollegen einer gemeinsamen Linie für ein präsentables Resultat beim Konferenz-Showdown kurz vor Weihnachten vergewissert hat.
Das "Yes we can"-Gefühl
Dass unmittelbar nach der Ankündigung Obamas - zumindest in den westlichen Ländern - plötzlich wieder großer Optimismus mit dem Obama-Grundgefühl "Yes we can" verbreitet wurde, schien in verblüffender Weise die norwegischen Juroren für den Friedensnobelpreis zu bestätigen. Die hatten im Oktober ihre Entscheidung für den Präsidenten nach gerade mal einem Dreivierteljahr im Amt damit begründet, dass Obama "ein neues Klima in der internationalen Politik geschaffen hat".