Klimakonferenz: Ein "völliger Fehlschlag", sagt der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber (Foto: dpa)Nach dem Fehlschlag des Klimagipfels steuert die Welt nach Einschätzung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) auf eine Erwärmung von mehr als drei Grad zu. "Das wäre nur schwer beherrschbar". Zwar hatte es auf der Konferenz eine Festlegung gegeben, die Erderwärmung auf weniger als zwei Grad zu begrenzen, es gab jedoch keinerlei feste Emissionsziele, um dies tatsächlich umzusetzen.
Dementsprechend halten die Klimafolgenforscher die am Wochenende zu Ende gegangene Weltklimakonferenz in Kopenhagen für einen "völligen Fehlschlag". "Gemessen an den Erwartungen, die man an diesen Gipfel hatte, liegt ein sehr mageres Ergebnis vor", sagte PIK-Direktor Hans Joachim Schellnhuber der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Er kritisierte insbesondere China und die USA.
China habe mit "brutaler Logik und kühler Strategie" agiert, um die Verbindlichkeit im Rahmen eines internationalen Abkommens zu vermeiden, sagte Schellnhuber. US-Präsident Barack Obama habe auf der Konferenz "vor allem im Sinn der US-Innenpolitik gehandelt". Der PIK-Direktor übte massive Kritik an der Ankündigung der USA, von 2010 bis 2013 lediglich rund 2,3 Milliarden Euro zur Soforthilfe für Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern beizutragen. "Was die USA bieten, ist absolut indiskutabel. Sie legen sozusagen die äquivalenten Ausgaben für wenige Tage Irak-Krieg zur Rettung des Weltklimas auf den Tisch."
Nationale Interessen verhindern globales Abkommen
In Kopenhagen habe sich gezeigt, dass ein globales Problem wie der Klimawandel extrem schwer zu lösen sei, "wenn die nationalen Interessen in den Vordergrund gestellt werden", sagte Schellnhuber, der auch Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen ist. Es könne sein, "dass Kopenhagen der Beginn einer langen Strecke des Niedergangs dieses multilateralen Systems ist". Der Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimaforschung, Ottmar Edenhofer, forderte in der "Berliner Zeitung" eine Reform der Klimakonferenzen. "Die Gipfel müssen schlanker werden", sagte er. "Die Mischung aus Kirchentag-Happening und Verhandlungen ist nicht zielführend."
Arved Fuchs kennt die polaren Regionen durch zahlreiche Expeditionen wie kein Zweiter (Foto: dpa)
Fuchs: "Eine mittlere Katastrophe"
Nach Ansicht des Polarforschers Arved Fuchs war der Klimagipfel eine "mittlere Katastrophe. Man muss eigentlich jetzt umso mehr die Ärmel aufkrempeln", sagte Fuchs im Deutschlandradio Kultur. Er warf den Gipfel-Teilnehmern vor, sie hätten Kleinstaaterei betrieben.
CO2-Ausstoß trotz allem verringern
Die Klimaexpertin des Umweltverbands WWF, Regine Günther, warf dem dänischen Ministerpräsidenten Lars Loekke Rasmussen vor, die Konferenz "in die Katastrophe" geführt zu haben. Rasmussen habe über kein überzeugendes Verhandlungskonzept verfügt. Die WWF-Expertin forderte, Deutschland müsse nun nationale Strategien verfolgen, um eine Verringerung des deutschen CO2-Ausstoßes um 40 Prozent bis 2020 zu erreichen.