15.12.2007, 12:32 Uhr
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono (Quelle: Reuters)Die Weltklimakonferenz hat am Samstag eine Einigung erzielt. In einer dramatischen Schlusssitzung verständigten sich die 180 Teilnehmer auf ein Verhandlungsmandat für ein neues Klimaschutzabkommen. Zuvor hatte die Konferenz noch einmal kurz vor dem Scheitern gestanden: Industrie- und Entwicklungsländer stritten über einen Passus im Mandatstext, der die Aufgaben zwischen den Ländern verteilt. Die Einigung kam erst zustande, nachdem die Anforderungen an die Entwicklungsländer deutlich abgeschwächt wurden. Der beschlossene Mandatstext enthält nun keine konkreten Zielvorgaben für die Absenkung von Emissionen. Er verweist aber auf die Empfehlungen im Bericht des Weltklimarats (IPCC), der solche Reduktionsziele vorsieht.
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Konferenz dauerte länger
Das neue Klimaschutzabkommen soll bis 2009 ausgehandelt werden und danach das Kyoto-Protokoll ablösen, das 2012 ausläuft. Die Beschlussvorlage für das Mandat war erst in der Nacht zuvor nach langem Ringen in einer Arbeitsgruppe auf Ministerebene erarbeitet worden. Ursprünglich hatte die Klimakonferenz bereits am Vortag um 18 Uhr Ortszeit enden sollen. Im Plenum erhoben dann Delegierte aus mehreren Schwellen- und Entwicklungsländern, darunter Indien und Bangladesch, Einspruch gegen eine Passage, die auch weniger entwickelte Länder zu "messbaren und nachprüfbaren Maßnahmen" verpflichten sollte.
Buhrufe für die USA
Die USA sprachen sich dagegen aus, die Pflichten der Entwicklungsländer abzuschwächen. Delegationsleiterin Paula Dobriansky sagte, sie sehe die Ausgewogenheit des Mandats gefährdet. Nach heftigen Attacken aus mehreren Entwicklungsländern und Buhrufen aus dem Plenum verzichtete Dobriansky aber darauf, gegen den zugunsten der Entwicklungsländer geänderten Text Einspruch zu erheben. Das zuvor angekündigte Veto der USA hätte einen Beschluss über das Mandat verhindert.
"Gehen Sie aus dem Weg"
"Sie sind nicht in der Lage, die Führung zu übernehmen. Gehen Sie aus dem Weg", griff der Vertreter Papua-Neuguineas die USA direkt an. Dobriansky sagte ihrerseits, sie habe auf Bali "viele starke Worte aus allen wichtigen Entwicklungsländern" zum Klimaschutz gehört. Die nun getroffene Entscheidung spiegele dies jedoch nicht wider. Während der Beratungen erlitt der Leiter des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer, einen Zusammenbruch und musste den Saal vorübergehend verlassen.
Keine konkreten Angaben
Die USA hatten ihrerseits zuvor durchgesetzt, dass in dem Text konkrete Emissionsziele nur indirekt genannt werden. Entgegen dem Wunsch der EU und vieler Entwicklungsländer enthält das Mandat selbst keinerlei Angaben in welchem Maße CO2-Emissionen verringert werden sollen. Die Teilnehmerstaaten erkennen lediglich an, "dass starke Verringerungen der weltweiten Emissionen von Treibhausgasen erforderlich sind", um den Klimawandel zu bekämpfen.
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In dem Beschluss wird allerdings auf die "dringende Notwendigkeit" hingewiesen, der Erderwärmung in einer Weise zu begegnen, wie es der vierte Bericht des Weltklimarats für geboten hält. Den Erkenntnissen des IPCC-Berichts zufolge müssen die Treibhausgasemissionen bis 2050 um mehr als 50 Prozent reduziert werden, wenn die Erderwärmung auf rund zwei Grad begrenzt werden soll. Auch sollen die Emissionen nur noch bis 2015 ansteigen und danach zurückgehen. Für die Industrieländer wird in diesem Szenario für 2020 eine Reduzierung um 25 bis 40 Prozent für erforderlich gehalten. Allerdings enthält der IPCC-Bericht auch weniger ehrgeizige Szenarien, die eine stärkere Erderwärmung in Kauf nehmen.
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Quelle: AFP
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