19.04.2010, 18:23 Uhr | dpa, AFP, apn
Die riesige Aschewolke hat inzwischen auch Deutschland erreicht (Foto: Reuters)
Nach dem Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull auf Island hat die Aschewolke Deutschland erreicht. Am Morgen wurde der Flughafen Frankfurt am Main geschlossen. Nach Angaben der Deutschen Flugsicherung (DFS) gibt es nur auf vier der 16 internationalen deutschen Flughäfen noch normalen Betrieb - in München, Nürnberg, Stuttgart und Saarbrücken.
Alle anderen Airports sind für Starts und Landungen gesperrt. Hamburg, Bremen, Hannover, Münster-Osnabrück, Düsseldorf, Berlin, Köln-Bonn und Leipzig-Halle waren schon in der Nacht geschlossen worden. Aus meteorologischer Sicht kann auch für die nächsten Tage keine Entwarnung gegeben werden.
In Düsseldorf und Leipzig hieß es, die "vorübergehende Betriebsunterbrechung" werde voraussichtlich bis 14 Uhr dauern. Die Flugsicherung erklärte, es sei überhaupt nicht absehbar, wenn sich die Lage normalisiere. Sie wies darauf hin, dass der ganze europäische Flugverkehr durcheinander geraten sei. Die Umstellung auf Normalbetrieb werde mehrere Tage dauern. Für die Fluglotsen ist es eine Herausforderung. "Es ist eine außergewöhnliche Situation. Die hatten wir noch nie", sagte eine DFS-Sprecherin.
Flugbetrieb lahmgelegt: Was Passagiere jetzt wissen müssen
Bundeskanzlerin Angela Merkel kehrt am Freitag von einer viertägigen USA-Reise zurück. Ihre Landung war ursprünglich für 15.30 Uhr auf dem Flughafen Tegel geplant. "Wenn die Flugsicherung es für erforderlich hält, wird die Flugroute angepasst", sagte ein Regierungssprecher. Spekulationen, wonach der Regierungs-Airbus möglicherweise in München oder gar südlich der Alpen landen müsse, wollte sich der Sprecher nicht anschließen.
Auf dem Flughafen Frankfurt am Main, dem mit Abstand größten Airport in Deutschland, waren schon in der Nacht nur noch Starts in Richtung Süden möglich. Jetzt wird der Flugverkehr komplett ausgesetzt, erklärte ein Sprecher der Betreibergesellschaft Fraport. Passagiere sollten sich so früh wie möglich bei ihrer Fluggesellschaft oder ihrem Reiseveranstalter über die Lage erkundigen. Geschlossen sei auch der Hunsrück-Flughafen Hahn.
Um 8 Uhr morgens trat in Frankfurt eine sogenannte Nullsteuerung in Kraft. Das bedeute, dass bis auf weiteres keine Maschinen aus Europa mehr eine Landegenehmigung erhielten. Auch würden keine Startgenehmigungen mehr erteilt. Bis wann diese Nullsteuerung dauern werde, sei noch offen. Man überprüfe ständig die Lage, so der Sprecher. Flugzeuge mit Ziel Frankfurt, die bereits unterwegs seien, würden umgeleitet, vornehmlich nach München.
Lava-Asche ist gefährlich für Düsentriebwerke und die Außenhaut der Flieger. Außerdem ist die Sicht beeinträchtigt. Wolken aus Vulkanasche werden von Piloten tunlichst gemieden. "Das ist sehr gefährlich", sagte der Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, Jörg Handwerg. Wenn ein Pilot versehentlich in eine solche Wolke gerate, "heißt es um 180 Grad wenden und nichts wie raus." Fluggesellschaften mussten schon am Donnerstag rund ein Viertel der täglich etwa 28.000 Verbindungen absagen, erklärte die Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol in Brüssel. "Es ist das erste Mal in der europäischen Luftfahrtgeschichte, dass wir mit einem solchen Phänomen umgehen müssen", sagte einer der Leiter der Behörde. Auch am Freitag sei mit ähnlich vielen Ausfällen zu rechnen. EU-Verkehrskommissar Siim Kallas nannte die Aschewolke "eine große Bedrohung für die Sicherheit der Luftfahrt".
Auch in Frankreich war ein Großteil des Luftraums betroffen. Die beiden Pariser Großflughäfen Charles-de-Gaulle und Orly wurden ab 23 Uhr geschlossen. Landesweit sollen zudem 23 weitere Flughäfen nach Angaben des Amts für Flugsicherheit mindestens bis Freitag um 14 Uhr geschlossen bleiben. In London Heathrow, der wichtigsten Drehscheibe des europäischen Flugverkehrs und einem der wichtigsten Flughäfen der Welt mit täglich 1300 Flügen und 180.000 Passagieren, lief gar nichts mehr.
Wegen der Vulkan-Aschewolke aus Island bleiben die meisten britischen Flughäfen noch bis Freitagabend dicht. Die britische Flugüberwachung verlängerte die Sperrung am frühen Morgen um mehrere Stunden bis 20 Uhr Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ). Die Situation habe sich nicht verbessert, hieß es. Nur Flüge zwischen Nordirland und den westlichen Schottischen Inseln und den schottischen Flughäfen Glasgow und Prestwick seien bis zum frühen Nachmittag im Einzelfall möglich. Außerdem könnten in dieser Zeitspanne auch Flüge im Nordatlantik-Verkehr von und nach Glasgow, Prestwick und Belfast genehmigt werden.
Mit Ausnahme der Flughäfen Krakau und Rzeszow ist auch der Luftraum über Polen gesperrt. Am Wochenende werden zahlreiche Delegationen zur Beisetzung des bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommenen Präsidenten Lech Kaczynski erwartet. Selbst die Verschiebung der Beisetzung sei eine "ernsthafte Option", teilte die polnische Präsidentschaft mit. In Dänemark drohen die Feiern zum 70. Geburtstag von Königin Margrethe am Freitag gestört zu werden. Mehrere Gäste konnten wegen der gestrichenen Flüge nicht zu einer Gala am Donnerstagabend im königlichen Theater in Kopenhagen kommen.
Acht Länder hatten am Donnerstag nach und nach ihren Luftraum komplett gesperrt: Großbritannien und Irland, die Niederlande und Belgien sowie Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden. Am späten Abend wurden im Westen Irlands die ersten beiden Flughäfen wieder freigegeben. Wie die irische Flugbehörde mitteilte, ist die Sperrung der Airports Shannon und Cork aufgehoben, weil sich die Aschewolke in Richtung Osten und Süden bewege. Der Flughafen in Dublin bleibt weiter gesperrt.
Schweden will seinen Luftraum im Laufe des Tages teilweise wieder öffnen. Zunächst werde der Flugverkehr im Norden des Landes freigegeben, teilte die zuständige Behörde mit. Anschließend soll die Sperrung nach und nach auch in den anderen Landesteilen aufgehoben werden.
Durch die gestrichenen Flüge strandeten weltweit Passagiere auf Flughäfen. Tausende Reisende saßen in Hongkong fest, von wo sie nach Dublin in Irland fliegen wollten. In Australien und Neuseeland kündigten die Fluglinien Qantas und Air New Zealand an, dass Europa-Flüge in Richtung London und Frankfurt gestrichen werden müssten.
Am Donnerstag waren zudem Hunderte Einwohner aus der Umgebung des Vulkans wegen der Gefahr einer Flutwelle evakuiert worden. Die Evakuierung wurde von den Behörden inzwischen aber wieder aufgehoben. Die Gefahr akuter Überschwemmungen durch geschmolzenes Gletschereis sei vorerst gebannt. Fast alle der 800 Betroffenen konnten wieder in ihrer Häuser zurückkehren.
Experten erklärten derweil, dass die Aschewolke kein Gesundheitsrisiko sei. Umweltwissenschaftler betonten zudem, dass die Wolke von der Erde aus wohl nicht zu sehen sei. Der Sender BBC berichtete, dass Menschen in Schottland schon Schwefel gerochen hätten.
Der Vulkan im Süden von Island stößt weiterhin eine große Wolke aus Lava-Asche und Rauch in die Atmosphäre. Fachleute vermuten, dass diese Aktivität in den kommenden Tagen weiter anhält. Vulkanexperten in Reykjavik erklärten, dass der letzte Ausbruch am Eyjafjalla-Gletscher im Jahr 1821 erst nach zwei Jahren endete. Islands Ministerpräsidentin Jóhanna Sigurdardóttir sagte im Fernsehen: "Wir können nur hoffen, dass sich die Lage beruhigt, tun können wir aber nichts. Der Schaden ist schon jetzt erheblich."
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Quelle: dpa , dapd , AFP , t-online.de
Kurt Faust-30453 Hannover schrieb:
am 20. April 2010 um 12:26:07
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Startverbot Frankfurt Airport
Mein Urlaubsflug nach S.o.Asien-Singapur,wurde wochenlang bei Arbeitgeber
angemeldet und ab:23.o4.2010
genehmigt!Flug mit Singapur Airline am:23.o4.10Hoffentlich enschließen sich die Verantwortlichen,den Flughafen
Frankfurt für Start und Landungen wieder frei zu geben!Mir sind schon jetzt
erhebliche Nebenkosten-Telefonate,usw.entstanden!Wer haftet für Schaden?
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Olaf schrieb:
am 17. April 2010 um 21:37:56
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Flugverbot
Find ich gut, die Flughafenanwohner werden`s danken. Ausserdem haben wir zig-tausend Liter Kerosin gespart und somit indirekt auch
noch der Umwelt geholfen-dank Vulkanasche. Soll übrigens in kleinen Vulkanasche Mengen auch ein sehr guter Dünger für Feld und Wald sein.
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wsa schrieb:
am 16. April 2010 um 18:49:27
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;-)
na ob versicherungen hierfür wirklich aufkommen,, hierbei handelt es sich um 'Naturgewalten" ..
der Schaden liegt denke ich mal nur bei
den Fluggesellschaften, umbuchen, stornieren, etc.
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