Barack Obama will wieder in die Offensive gehen (Quelle: Reuters)Die Wähler in den US-Bundesstaaten North Carolina und Indiana fällen an diesem Dienstag die nächste Entscheidung im Duell der demokratischen Präsidentschaftsbewerber Barack Obama und Hillary Clinton. Den Vorwahlen dort kommt noch einmal eine besondere Bedeutung zu, weil sie die letzten Abstimmungen in größeren Bundesstaaten mit nennenswertem Delegiertenkontingent für den Wahlparteitag im August sind. In North Carolina werden 115 Delegierte für den Wahlparteitag bestimmt, in Indiana 72 Delegierte.
In der Gesamtwertung führt immer noch Barack Obama, sein Vorsprung schwindet aber. Er hat bei den bisher mehr als 40 Vorwahlen mehr Siege als Clinton davongetragen und sich dadurch mehr Delegierte für den Wahlparteitag gesichert, der im August den Kandidaten küren wird. Allerdings hat Clinton Obamas Führung durch ihre jüngsten Siege in Pennsylvania, Ohio und Texas verringert. Letzte Umfragen sagen Obama für Dienstag einen Sieg in North Carolina voraus, während sich in Indiana ein knappes Rennen abzeichnet. Demnach kommt Obama in North Carolina, wo viele Schwarze leben, auf 50 Prozent, Clinton lediglich auf 42 Prozent der Stimmen. In Indiana könnten beide jeweils 45 Prozent erreichen, berichtete CNN.
Nach mehreren Niederlagen gegen Clinton möchte Obama mit Siegen in Indiana und North Carolina Zweifel an seiner Zugkraft unter demokratischen Wählern zerstreuen. In den jüngsten Vorwahlen hatten vor allem Arbeiter und Geringverdiener, eine Kernklientel der Demokraten, in der großen Mehrheit Clinton den Vorzug gegeben. Auch die Kontroverse um die umstrittenen Äußerungen seines früheren Pastors Jeremiah Wright, die viele Wähler als radikal und rassistisch empfanden, brachte Obama zuletzt in die Defensive.
Die Senatorin will durch weitere Siege ihren Anspruch untermauern, die stärkste Kandidatin für die Präsidentschaft zu sein. Ihr hart geführter Wahlkampf zielt darauf ab, Obama als unerfahren und elitär hinzustellen. Clintons Rückstand an gewählten Delegierten für den Parteitag lässt sich aber mathematisch nicht mehr aufholen. Sie hofft darauf, durch ein gutes Abschneiden am Dienstag die Zweifel an Obamas Siegeschancen zu mehren, um mit den Stimmen der "Super-Delegierten", die auf dem Parteitag das Parteiestablishment repräsentieren, doch noch zur Spitzenkandidatin nominiert zu werden.
Am Stammklientel verhaftet
Die Unterschiede zwischen Clinton und Obama liegen weniger in den politischen Positionen als in der Zusammensetzung ihrer Anhängerschaft. Beide konnten bei den bisherigen Wahlen hauptsächlich ihre Stammklientel mobilisieren - und scheiterten beim Versuch, im Wähler-Reservoir des Gegners zu wildern. Clinton bekam viele Stimmen von Frauen, Arbeitern, Geringverdienern und Latinos. Obama konnte sich auf Afroamerikaner, Besserverdiener, jüngere Wähler und parteiungebundene Wähler verlassen. Beide Kontingente halten sich bislang in etwa die Waage. Sollte es keinem der beiden gelingen, Stammwähler des anderen in großer Zahl abzuwerben, dürfte das Rennen knapp bleiben.
Richtungsweisende Wahl
Die endgültige Entscheidung für einen der beiden Bewerber fällt wohl erst in einigen Wochen. Ein denkbares Szenario wäre es, dass Clinton nach einer Niederlage in beiden Bundesstaaten ihren Verzicht erklärt und Obama das Feld überlässt. Bei einem gespaltenem Ergebnis - also etwa einem Sieg Clintons in Indiana und Obamas in North Carolina - dürfte die Senatorin mindestens bis zur letzten Vorwahl am 3. Juni im Rennen bleiben, vielleicht auch bis zum Wahlparteitag Ende August in Denver. Sollte Obama in beiden Staaten verlieren, hätte er zwar immer noch einen Vorsprung in der Gesamtwertung - seine Strahlkraft würde aber weiter verblassen.