Von der Leyen fordert Schutz vor der "Raubritterindustrie"
25.08.2008, 09:41 Uhr
Rebellische Töne von der Familienministerin (Quelle: Reuters)Familienministerin Ursula von der Leyen hat einen besseren Schutz älterer Menschen vor windigen Geschäftemachern gefordert: "Eine ganze Raubritterindustrie" versuche täglich, alte Menschen wie ihren eigenen Vater über Glücksspiele und angebliche Wundermittel auszunehmen, meinte von der Leyen in der "Bild am Sonntag".
"Diese Leute bombardieren Ältere mit Briefen oder Telefonaten, in denen sie ihnen vorgaukeln, dass sie gewonnen hätten; sie bräuchten nur anzurufen." Weil ältere Menschen an sie persönlich adressierte Post sehr ernst nähmen, "rufen sie aus reiner Höflichkeit dort an, wenn sie dazu aufgefordert werden". Mit 0900er-Nummern werde das richtig teuer: "So abzuzocken ist eine richtige Sauerei", sagte die Ministerin.
Illegale Weitergabe von Kundendaten
Als eine "Wurzel des Problems" sieht von der Leyen dabei den Datenmissbrauch: "Es ist unfassbar, welche Dimension der illegalen Weitergabe von Kundendaten sich in diesen Tagen auftut", kritisierte sie in der "Bild am Sonntag". Sie gehe davon aus, dass hier weiter nachgebessert werden müsse, um Gesetzeslücken zu schließen. Im eigenen Haushalt, in dem auch der an Alzheimer erkrankte Vater von der Leyens und ehemalige niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht lebt, habe sie die 0900er-Nummer in der Telefonanlage sperren lassen. Außerdem versuche die Familie, Werbepost von vornherein ins Altpapier zu packen. Es sei aber "unglaublich schwer, als Angehörige einen Riegel vorzuschieben" - schließlich sei sie nicht immer da, wenn das Telefon klingele.
Ministerin rät bei Gebührenerhöhung zum Boykott
Außerdem hat die Familienministerin die Bürger zum Boykott ihrer Krankenkasse aufgerufen, falls die Kasse nach Einführung des Gesundheitsfonds die Beiträge unangemessen erhöht. Sie könne den Familien "nur empfehlen: Schauen Sie Ihrer Krankenkasse genau auf die Finger und wechseln Sie die Kasse, wenn sie mehr Geld von Ihnen verlangt. Die Auswahl ist groß genug", sagte die CDU-Politikerin der "Bild am Sonntag".
Die Ministerin verteidigte den Gesundheitsfonds gegen Kritik auch aus der CSU: "Der Gesundheitsfonds macht nichts teurer. Er schafft Gerechtigkeit." Kassen, die gut wirtschafteten, würden ihren Versicherten Geld zurückgeben können. Kassen, die schlecht wirtschafteten, würden Zuschläge verlangen müssen. "Jede Kasse bekommt denselben Betrag pro Versicherten. Damit hört die Jagd nach den jungen Besserverdienenden auf. Und jede Kasse kann zeigen, was sie mit dem Geld ihrer Versicherten macht", sagte von der Leyen. Der Gesundheitsfonds soll 2009 starten.