10.10.2006, 15:45 Uhr | von Daniel Bouhs, dpa
Wie hilfreich biometrische Daten wirklich bei der Suche nach Verdächtigen sind, wird ab sofort in der Praxis getestet. Das Bundeskriminalamt (BKA) prüft seit dieser Woche im Mainzer Hauptbahnhof, ob in der Masse der Reisenden einzelne Personen erkannt werden können - mit Hilfe der so genannten biometrischen Gesichtserkennung. Dabei werden die Gesichter der Menschen aufgenommen und vom Computer mit den in einer Datenbank gespeicherten Gesichtern von Gesuchten verglichen.
Kamera sucht Testpersonen
"Wenn eine Person die Rolltreppe herunterkommt, ist sofort klar, ob diese gesucht wird oder nicht", erläutert Projektleiter Andrew Pretzel die Funktion des Systems. Sollte sich die Technik als brauchbar erweisen, könnten mit der elektronischen Foto-Fahndung etwa Terroristen oder mutmaßliche Gewalttäter gefasst werden. Während der viermonatigen Testphase ist das System jedoch nicht an den üblichen Fahndungsdatenbanken angeschlossen, versichert das BKA. Es werde lediglich nach den etwa 200 freiwilligen Testpersonen gesucht.
Computer erfasst Gesichter
Den Reisenden sehen unweigerlich in die Kameras, wenn sie die Rolltreppe vom Gleisübergang zum Hauptausgang des Mainzer Bahnhofs hinunter fahren. So werden ihre Gesichter von den auf sie gerichteten Linsen erfasst, die 15 Meter entfernt in etwa drei Metern Höhe angebracht sind. Und genau in diesem Moment soll die neue Technik greifen.
Entwicklung neuer Technologie
Abgeglichen werden dabei biometrische Merkmale - also äußere Kennzeichen, die sich nicht ohne weiteres verändern lassen, wie etwa Kieferknochen, Augenhöhlen oder der Mund. Dabei sollten möglichst wenig Verwechslungen auftreten. Die Tester tragen Chipkarten, die sie beim Durchqueren des Bahnhofs registrieren. So lasse sich prüfen, ob die Kameras und das System zuverlässig arbeiten. Eine der Testpersonen ist Martin Werner. Der 53-Jährige pendelt täglich von Bingen nach Mainz zur Arbeit und passiert den Kontrollbereich damit an jedem Werktag. Werner will an der Entwicklung der neuen Technologie mitarbeiten, weil es ihn " stört, dass im 21. Jahrhundert noch mit Fingerabdrücken gearbeitet wird", erklärt er.
"Keine Verwechslung mit Unbeteiligten"
Rund 55.000 Menschen nutzen nach BKA-Angaben werktags den Mainzer Hauptbahnhof. Damit geraten während der Testphase auch viele unbeteiligte Passanten ins Visier der Kameras. Ihre Aufnahmen sollen jedoch nach spätestens 48 Stunden gelöscht werden. "Wir müssen sicherstellen, dass es keine Verwechslungen mit Unbeteiligten gibt", sagte BKA-Vizepräsident Jürgen Stock. Nach seiner Darstellung sind erste Tests mit dem neuen System innerhalb der Behörde "ermutigend gewesen". Unter Laborbedingungen habe die Trefferquote bei 60 bis 80 Prozent gelegen.
Auch für Fahndung nach Vermissten
Die biometrische Erfassung könne aber "nur eine unter vielen Techniken seien", sagte Stock. Die Technik könne auch nur in Innenräumen mit stabilen Lichtverhältnissen eingesetzt werden. Sollte sie nach Projektende im Januar 2007 tatsächlich zum Einsatz kommen, kann sich der BKA-Vize vorstellen, dass sie nicht nur zur Fahndung nach Verbrechern und Verdächtigen, sondern auch für die Suche nach Vermissten und Hooligans genutzt wird. "Soweit sind wir aber noch nicht", sagte Stock. Letztlich müsse über einen Einsatz ohnehin die Politik entscheiden.
Nur registrierte Personen werden erfasst
Einen flächendeckenden Einsatz schloss Stock indes aus: "Die Polizei muss nachweisen, dass ein überwachter Ort ein Brennpunkt ist", erklärte er. Unbeteiligte würden von dem System kaum behelligt: "Wenn eine Person nicht registriert ist, können wir sie natürlich auch nicht erfassen."
Quelle: t-online.de
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