Wie im Fadenkreuz wirkt dieser US-Soldat, der auf einer Patrouille im Süden Afghanistan durch ein Nachtsichtgerät fotografiert wurde (Foto: Reuters)
Der Juli ist schon jetzt der Monat mit den bislang größten Verlusten für die internationalen Truppen in Afghanistan. Laut einer Zählung der Nachrichtenagentur AP wurden bis Mitte des Monats mindestens 46 Soldaten getötet, das sind so viele wie in den jeweils gesamten bisher tödlichsten Monaten Juni und August 2008.
Unter den Todesopfern sind 24 US-Soldaten, wie aus den am Mittwoch veröffentlichten Zahlen hervorgeht. Im Schnitt starben etwa drei Soldaten pro Tag.
"Besorgniserregendes Tempo"
Das Verteidigungsministerium in Washington räumte ein, die USA hätten "in besorgniserregendem Tempo" Soldaten in Afghanistan verloren. Zurzeit sind rund 57.000 US-Soldaten am Hindukusch stationiert. Das Weiße Haus will ihre Zahl bis Ende des Jahres auf mindestens 68.000 aufstocken.
Taliban brutaler und besser organisiert
Der Generalstabschef der US-Armee, Michael Mullen, bereitet derweil die Truppen auf "sehr schwierige Kämpfe" vor: Die radikalislamischen Taliban seien in den vergangenen Jahren brutaler geworden und hätten sich gleichzeitig besser organisiert, sagte Mullen am Donnerstag im arabischen Programm des britischen Fernsehsenders BBC. Seit 2006 habe sich die Sicherheitslage in Afghanistan stufenweise verschlechtert. Die Gewalt habe zugenommen, die Afghanen schauten unsicherer in die Zukunft.
Afghanen müssen Taliban "selbst hinauswerfen"
In den kommenden zwölf bis 18 Monaten müssten die ausländischen Truppen daher damit beginnen, "das Blatt zu wenden", sagte der Admiral. Dabei spiele auch die Ausbildung der afghanischen Armee und Polizei eine große Rolle. Denn letztlich müssten die Afghanen die Taliban selbst "hinauswerfen", sagte Mullen.
Großoffensive in Helmand
läuft weiter
Anfang Juli starteten US-Streitkräfte und britische Truppen eine Großoffensive in der südlichen Unruheprovinz Helmand, um Hochburgen der Taliban unter ihre Kontrolle zu bringen. Mit 4000 Soldaten stünden dort genug Truppen zur Verfügung, um eroberte Regionen zu halten, sagte Mullen. Grundsätzlich habe die Operation in Helmand aber gerade erst begonnen.
Clinton will verhandeln
US-Außenministerin Hillary Clinton hat sich offen für Verhandlungen mit gemäßigten Taliban in Afghanistan gezeigt. Die USA und Afghanistan seien bereit, auf Taliban-Anhänger zuzugehen, die nicht mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbündet seien und auch nicht die "extremistische Politik" der Taliban während ihrer Herrschaft in Afghanistan unterstützten, sagte Clinton am Mittwoch in einer Rede in Washington. Im Gegenzug müssten die moderaten Taliban-Anhänger aber bereit sein, sich von Al-Kaida zu trennen, ihre Waffen niederzulegen und sich an einer "freien und offenen Gesellschaft" gemäß der afghanischen Verfassung zu beteiligen, sagte die US-Chefdiplomatin.