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Vega-Rakete startet erfolgreich ins All

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Vega-Rakete startet erfolgreich ins All

14.02.2012, 11:59 Uhr

Europas Raketenfamilie hat Nachwuchs: Die kleine Vega startete zu ihrem Jungfernflug.

Europas Raketenfamilie hat Nachwuchs: Die kleine Vega startete zu ihrem Jungfernflug. (Quelle: dpa)

Kourou (dpa) - Zum ersten Mal seit 16 Jahren hat die Europäische Raumfahrtorganisation Esa eine völlig neu entwickelte Trägerrakete gestartet.

Die 30 Meter hohe Vega hob am Montagmorgen problemlos vom Weltraumbahnhof Kourou im südamerikanischen Französisch-Guayana ab und setzte rund eine Stunde später neun Satelliten im All aus. Sie wurde vor allem in Italien gebaut.

Das Programm kostete die beteiligten Esa-Länder und die Industrie rund 790 Millionen Euro. Deutschland gab bislang kein Geld, will eine Beteiligung nun aber noch einmal prüfen. "Ein erfolgreicher Start ist eine gute Grundlage für Diskussionen", sagte Johann-Dietrich Wörner, Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), der Nachrichtenagentur dpa. In den nächsten Wochen werde eine Entscheidung gefällt. Die deutsche Industrie könnte künftig die Oberstufe der Rakete bauen. Der dort eingebaute Flüssigkeitsantrieb zum Steuern der Rakete im All kommt derzeit aus russisch-ukrainischer Produktion.

Die Vega komplettiert die europäische Raketenfamilie, die bislang aus der mehr als 50 Meter hohen Ariane 5 und der mittelgroßen, von Russland zugekauften Sojus besteht. Der jüngste Träger kann je nach Art und Höhe der gewünschten Umlaufbahn Lasten mit einer Masse zwischen 300 und 2500 Kilogramm ins All bringen.

"Es gibt nun keinen europäischen Satelliten mehr, der nicht von uns ins All gebracht werden könnte", sagte Esa-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain in Kourou. "Das ist ein großer Tag für die Esa und besonders für Italien, wo die Vega geboren wurde." Rund 1000 Menschen und 40 Unternehmen seien an der Entwicklung beteiligt gewesen.

An Bord der ersten Vega waren acht Kleinstsatelliten von europäischen Universitäten sowie als Hauptlast der rund 400 Kilo schwere italienische Forschungssatellit "Lares". Der wegen seiner runden Form mit 92 glänzenden Spiegeln an eine große Discokugel erinnernde Flugkörper soll eine bessere Erforschung der "mitwirbelnden Raumzeit" ermöglichen. Der sogenannte Lense-Thirring-Effekt ergibt sich aus Albert Einsteins Relativitätstheorie und bewirkt zum Beispiel, dass die Rotationen von Satelliten von der Anziehungskraft der Erde verändert werden.

"Die Spiegel werden Laserstrahlen reflektieren, die wir von einer Bodenstation auf den Satelliten richten", erklärte Alessandro Gabrielli von der italienischen Weltraumbehörde Asi. "Indem man mit hoher Genauigkeit den Weg des Strahls vermisst, haben wir die Möglichkeit, den Effekt zu erforschen."

Die Kleinstsatelliten in Form von Würfeln mit gerade mal zehn Zentimetern Kantenlänge wurden maßgeblich von europäischen Studenten entwickelt. Mit ihnen sollen beispielsweise Solartechnologien getestet oder Strahlungsmessungen vorgenommen werden. Zwei der Satelliten kommen aus Rumänien und Ungarn. Für die beiden Länder sind es die ersten eigenen Satelliten im All.

"Lares" wurde von der beim Start 137 Tonnen schweren Vega nach 55 Minuten Flug in einer 1450 Kilometer hohen Kreisbahn über der Erde ausgesetzt. Die anderen Satelliten folgten 15 Minuten später. Sie werden die Erde in einer elliptischen Bahn umkreisen.

Der bisher letzte Start einer völlig neu entwickelten europäischen Rakete war der der ersten Ariane 5. Sie hob am 4. Juni 1996 in Kourou ab - kam aber kurz nach dem Start vom Kurs ab und musste über dem Meer gesprengt werden. Mittlerweile ist das Ariane-5-Programm allerdings eine Erfolgsgeschichte. 60 Raketen starteten bereits von Kourou aus ins All.

Als künftiger Vega-Betreiber ist Arianespace für den Startbetrieb verantwortlich. Die europäische Gesellschaft hat für dieses Jahr insgesamt elf Starts in Kourou angesetzt. Neben sieben Schwerlast-Raketen vom Typ Ariane 5 sollen noch drei der in Russland eingekauften Sojus abheben. Sie gehören seit dem vergangenen Jahr offiziell zur europäischen Raketenfamilie.


Quelle: dpa

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