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Vatikan: Papst Benedikt XVI. kritisiert in zweiter Enzyklika Fortschrittsglauben

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Papst erteilt Fortschrittsglauben eine Absage

30.11.2007, 14:40 Uhr

Papst Benedikt XVI. unterschreibt sein neues Werk (Quelle: Reuters) Papst Benedikt XVI. unterschreibt sein neues Werk (Quelle: Reuters)Papst Benedikt XVI. hat in seiner zweiten Enzyklika dem technischen Fortschrittsglauben und materialistischen Weltanschauungen eine deutliche Absage erteilt: Den Weg aus der Sinnleere der heutigen Welt weise einzig die christliche Hoffnung, schreibt der Papst in dem am Freitag veröffentlichten Lehrschreiben "Spe salvi" (Gerettet durch Hoffnung). "Eine Welt ohne Gott ist eine Welt ohne Hoffnung." Der Mensch brauche Gott. "Nicht die Wissenschaft erlöst den Menschen", sondern die Liebe. Die Vernunft müsse sich öffnen für "die rettenden Kräfte des Glaubens", für die Unterscheidung von Gut und Böse, schreibt das katholische Kirchenoberhaupt. Seine erste Enzyklika "Deus Caritas Est" hatte der Papst vor zwei Jahren dem Thema Liebe gewidmet.

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"Gott ist die Hoffnung"
Das 80 Seiten lange Dokument wendet sich gegen Ideologien, Wissenschaft, Politik und Fortschrittsglauben als Ersatz für christliche Hoffnung auf das ewige Leben. "Wir alle sind Zeugen geworden, wie Fortschritt in den falschen Händen zum grausamen Fortschritt im Bösen werden kann und geworden ist", erklärt Benedikt. Der deutsche Papst erinnert die Christen an "die große Hoffnung, die alles andere überschreiten muss" - und diese Hoffnung sei Gott.


Papst rechnet mit Marx ab
In seiner Abrechnung mit Ideologien geht der Papst vor allem mit Karl Marx hart ins Gericht: "Er hat vergessen, dass der Mensch immer ein Mensch bleibt. Er hat den Menschen vergessen, und er hat seine Freiheit vergessen." Auch dem Renaissance-Philosophen Francis Bacon wirft Benedikt einen schwerwiegenden Irrtum vor: Bacon und "die ihm folgende Strömung der Neuzeit irrten, wenn sie glaubten, der Mensch werde durch die Wissenschaft erlöst." Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, würdigte die neue Enzyklika als "großes und eindrucksvolles Dokument des katholischen und weithin auch des christlichen Verständnisses über die Hoffnung".


"Eine Welt ohne Hoffnung"
"Anmaßend und von innen her unwahr" ist nach den Worten des Papstes der Anspruch, die Menschheit selbst könne und müsse nun das tun, "was kein Gott tut und tun kann". Aus einem solchen "Protest gegen Gott angesichts der Leiden dieser Welt" folgten die größten Grausamkeiten und Zerstörungen des Rechts: "Eine Welt, die sich selbst Gerechtigkeit schaffen muss, ist eine Welt ohne Hoffnung." Gerade derzeit zeige sich aber wieder, "dass da keine positive Weltgestaltung gedeihen kann, wo die Seelen verwildern".

"Eher Verdammnis als Geschenk"
Die Hoffnung auf das ewige Leben sei für viele heute gar nicht mehr erstrebenswert, schreibt Benedikt: "Weiterleben scheint eher Verdammnis als ein Geschenk zu sein." Dem hält der Papst entgegen, dass Ewigkeit jedoch keineswegs eine "Abfolge von Kalendertagen" sei, sondern vielmehr der Augenblick der Erfüllung: "Es wäre der Augenblick des Eintauchens in den Ozean der unendlichen Liebe, in dem es keine Zeit, kein Vor- und Nachher mehr gibt", bringt er die christliche Hoffnung auf den Punkt. Die Gegenwart, "auch mühsame Gegenwart", könne gelebt und angenommen werden, "wenn sie auf ein Ziel zuführt und wenn wir dieses Ziels gewiss sein können".


Kritik lässt nicht lange auf sich warten
Die katholische Reformbewegung "Wir sind Kirche" bezeichnete die zweite Enzyklika des Papstes als "eindrucksvolles Dokument". Benedikt müsse sich aber fragen lassen, "welche konkreten Hoffnungen diese Enzyklika für das Leben der Gläubigen in der römisch-katholischen Kirche bringen wird". Seine Aussage, Strukturen seien wichtig und notwendig, dürften aber die Freiheit des Menschen nicht außer Kraft setzen, könne nicht nur für politische Systeme gelten. Die "Liste der Maßregelungen und Einschüchterungen unter Joseph Ratzinger als langjährigem Präfekten der Glaubenskongregation ist - leider - lang", kritisierte die Organisation.


Quelle: AFP , dpa

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