Vater beschafft deutscher Polizei Vernehmungsprotokoll
26.02.2009, 10:18 Uhr
Die zwölfjährige Kardelen wurde missbraucht und getötet - dem Verdächtigen wird in der Türkei der Prozess gemacht (Foto: ddp)
Der Vater der ermordeten Kardelen aus Paderborn hat in der Türkei Unterlagen der türkischen Justiz fotokopiert und sie der deutschen Mordkommission übergeben. Das bestätigte Polizeisprecher Michael Biermann aus Paderborn dem "Westfalen-Blatt".
Bei den Unterlagen in türkischer Sprache, die den deutschen Ermittlern seit Dienstag vorliegen, handelt es sich dem Bericht zufolge unter anderem um das Protokoll von der Vernehmung des Tatverdächtigen, der sich in die Türkei abgesetzt hatte.
Zum Inhalt der Dokumente wollte sich Biermann der Zeitung zufolge nicht äußern: "Es sind Fotokopien, die wir nicht direkt von einer türkischen Dienststelle bekommen haben. Deshalb halten wir uns mit Äußerungen zum Inhalt zurück." Nach Informationen des "Westfalen-Blattes" bestätigen die Unterlagen, dass der mordverdächtige Ali K. die Tat bestreitet.
Deutsche werden nicht direkt informiert
Er soll demnach ausgesagt haben, dem Mädchen bei mehreren Gelegenheiten in seiner Wohnung Süßigkeiten geschenkt zu haben. Mit dem Missbrauch und der Ermordung des Nachbarkindes habe er aber nichts zu tun. Die Mordkommission Kardelen ist bisher von der türkischen Justiz nicht über die Vernehmung des Tatverdächtigen informiert worden.
Eltern: Ali K. nicht von Schwiegervater gestellt
Kardelens Eltern traten unterdessen in einem Fernsehinterview diversen Gerüchten über Hintergründe der Tat entgegen. Sie sagten am Mittwochabend bei RTL, nicht der Schwiegervater des mutmaßlichen Täters Ali K. habe diesen in der Türkei festgenommen, sondern die türkische Polizei. Kardelens Vater sagte, er sei selbst in Aydin gewesen und habe dies dort von der Polizei erfahren. Der 29-jährige K. wurde am 10. Februar gefasst.
"Wir glauben an die Gesetze"
Der Vater des Opfers nannte Gerüchte, dass seine Familie an Blutrache gedacht habe, Lügengeschichten. "Wir glauben an die Gesetze und möchten, dass sie angewandt werden", betonte er. Und Kardelens Mutter sagte, sie möchte, dass Ali K. eine lebenslange Haftstrafe erhalte "und dass er leidet".
Gerücht über Schulden zurückgewiesen
Der Vater sagte, es sei ebenfalls unwahr, dass sie Schulden bei der Familie von Ali K. gehabt und nicht bezahlt hätten und dass das Verbrechen eine Art Rache dafür sei. Sie hätten "weder den Mörder noch Angehörige" gekannt. Es sei vielmehr so, wie es die Polizei gesagt habe.
Eltern wollen umziehen
Kardelen sei zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen. "Es könnte auch ein anderes Mädchen gewesen sein." Die Eltern des Opfers wollen so schnell wie möglich in Paderborn umziehen, weil der Tatort in ihrer Nachbarschaft liegt.
Leiche am Möhnesee gefunden
Kardelen war am 12. Januar in der Nähe ihres Elternhauses in Paderborn verschwunden. Drei Tage später wurde ihre Leiche am rund 60 Kilometer entfernten Möhnesee im Sauerland entdeckt. Die Ermittler haben Anhaltspunkte dafür, dass die Achtjährige in der nahen Wohnung des Verdächtigen K. missbraucht und erstickt worden ist.