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USA: Todesstrafe in Texas umstritten

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Umstrittene Hinrichtung - Justizirrtum in Texas?

13.10.2010, 14:14 Uhr | Von Gabriele Chwallek, dpa

Todesstrafe: Die Todeszelle eines berüchtigten Gefängnisses in Texas (Foto: dpa)

Die Todeszelle eines berüchtigten Gefängnisses in Texas (Foto: dpa)

Auch dieses Jahr lässt sich Texas den Rekord nicht nehmen. Mit bereits 16 Hinrichtungen wird der Bundesstaat 2010 wieder klarer Spitzenreiter bei der Zahl der Hinrichtungen in den USA sein. Das war immer so, seit 1976 die Todesstrafe in den Vereinigten Staaten wiedereingeführt wurde. Doch könnte der von Gegnern der Todesstrafe als geradezu "hinrichtungswütig" angeprangerte Staat bald in eine prekäre Lage kommen: Ein Richter will eine Hinrichtung von 2004 untersuchen und könnte noch im Oktober offiziell bescheinigen, dass ein Unschuldiger exekutiert wurde.

Es wäre bisher einmalig, dass ein US-Staat einen derart schrecklichen Justizirrtum eingestehen muss. Menschenrechtsgruppen sagen, Texas habe mit seinem republikanischen Gouverneur Rick Perry alles Mögliche getan, um zu verhindern, dass es zu einem solchen Offenbarungseid kommt. Tatsächlich wurden gerichtliche und staatliche Untersuchungen des Falls wiederholt verzögert - vielleicht auch deshalb, weil Gouverneurswahlen anstehen und Perry sich erneut bewirbt.

Hinrichtung wegen dreifachen Mordes

Im Mittelpunkt steht Cameron Todd Willingham, der im Februar 2004 wegen dreifachen Mordes hingerichtet wurde. Der damals 23-Jährige soll 1991 sein Haus in Brand gesteckt haben, um seine drei kleinen Töchter - einjährige Zwillinge und eine Zweijährige - loszuwerden. Sie hätten ihn bei seinen Hobbys gestört, Biertrinken und Pfeilewerfen, so die Anklage. Die Mädchen starben, und wie die Staatsanwaltschaft kamen auch die Geschworenen rasch zu dem Schluss: Dieser Mann ist ein Monster.

Noch während Willingham in der Todeszelle saß, den Schuldspruch anfocht, meldeten hochkarätige Experten Zweifel an. Die vermeintlichen Beweise für Brandstiftung beruhten auf Methoden und Ansichten, die längst von der Wissenschaft überholt seien, argumentierten sie. Ein US-weit renommierter Fachmann unterstützte Willinghams Bitte um Begnadigung kurz vor der Hinrichtung mit einem detaillierten Bericht, in dem er praktisch alle im Prozess vorgelegten forensischen Erkenntnisse zerpflückte.

Aber es half nichts. Sowohl der staatliche Begnadigungsausschuss als auch Gouverneur Perry folgten den Argumenten nicht, oder sie ignorierten sie schlicht, wie Kritiker meinen. Perry selbst verteidigte seine harte Haltung damit, der Schuldspruch basiere schließlich auf einer Reihe von nahtlos zusammenpassenden Puzzleteilen.

Töchter verbrannten im Haus

Tatsächlich sagte im Mordprozess ein Gefängnisinsasse aus, Willingham habe ihm während seiner U-Haft die Tat gestanden. Nachbarn gaben außerdem an, der Angeklagte habe sich nicht genügend um die Rettung seiner Töchter aus dem brennenden Haus bemüht, nachdem er selbst ins Freie gerannt war.

Nach eigenen Angaben war Willingham in Abwesenheit seiner Frau von Rufen seiner älteren Tochter geweckt worden, als das Haus schon voller Rauch und Flammen war. Er habe versucht, die Mädchen in Sicherheit zu bringen, sagte er, das dann aber wegen des sich rapide ausbreitenden Feuers nicht mehr gekonnt.

Experten deckten Widersprüche auf

Polizei, Staatsanwaltschaft, die Geschworenen und Perry glaubten ihm nicht, doch bei anderen schrillten nach der Hinrichtung zunehmend die Alarmglocken. Die Zeitung "Chicago Tribune", das Magazin "The New Yorker" und das "Innocence Project" (Projekt Unschuld), eine Organisation zur Aufdeckung von Justizirrtümern, stellten eigene Nachforschungen an. Sie heuerten weitere Brandexperten an, zeigten Widersprüche, Ungereimtheiten und Schwächen in den Aussagen der Nachbarn, des Gefängnisgenossen und anderer Zeugen auf.

Der vor dem Brand mehrfach wegen Diebstahls oder Alkohol am Steuer verknackte Willingham sei beileibe kein Engel gewesen, räumten die Fürsprecher des Hingerichteten ein. Er habe auch wiederholt seine Frau geschlagen, aber das mache einen Menschen noch lange nicht zum Kindermörder.

Auf Druck der beiden Medien und des "Innocence Project" sollen nun in den nächsten Tagen zwei Untersuchungen stattfinden. Ein Richter will eine zweitägige Anhörung durchführen und dann binnen von 14 Tagen entscheiden, und auch eine staatliche wissenschaftliche Expertenkommission will die Beweislage von damals prüfen.

Willingham selbst blieb auch noch in der Hinrichtungskammer dabei, dass er das Verbrechen nicht begangen habe. "Ich bin ein unschuldiger Mann", sagte er, bevor das tödliche Gift in seine Vene gespritzt wurde. "Ich bin zwölf Jahre wegen etwas verfolgt worden, das ich nicht getan habe."



Quelle: dpa

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