
03.05.2010, 10:20 Uhr
Die Zahl der Bienenvölker in den USA hat sich seit 2007 stark verringert (Foto: ddp)
Sterben sie durch Pestizide, Parasiten, Stress? In den USA sind im Winter im großen Stil Bienenvölker verendet, schon das vierte Jahr in Folge - das belegen nun veröffentlichte Zählungen. Experten warnen vor schweren Schäden in der Landwirtschaft, da die Insekten nicht mehr genug Blüten bestäuben.
Im Winter sterben Bienen - das ist für Imker nicht neu. Ungewöhnlich ist allerdings, was Bienenzüchter schon seit mehreren Jahren in den USA - aber nicht nur dort - beobachten. Ganze Völker verschwinden, tote Insekten finden sich jedoch nicht. Colony Collapse Disorder (CCD) haben Forscher das mysteriöse Phänomen genannt, das die Zahl der Bienenvölker seit etwa 2007 stark dezimiert.
Nun liegen die Ergebnisse der neuesten Bienenzählung vor - und auch in diesem Winter hat die Colony Collapse Disorder in den USA viele Opfer gefordert. 33,8 Prozent aller Bienenvölker sind im Vergleich zum Herbst 2009 in den USA gestorben oder verschwunden, berichtet der Agricultural Research Service des US-Gesundheitsministeriums. Die Zahl ist fast genauso groß wie im Winter 2007/08 (35,8 Prozent) und deutlich größer als 2008/09 (28,6 Prozent).
Basis der Statistik ist eine Umfrage zu 22,4 Prozent der rund 2,5 Millionen Bienenvölker der USA. Jeffrey Pettis vom Bee Research Laboratory des Agricultural Research Service in Beltsville betonte, dass bei der Befragung CCD-Fälle und andere Gründe, die zum Verschwinden von ganzen Völkern geführt haben könnten, nicht unterschieden werden können. Zudem werden in der Studie keine Verluste erfasst, die im Sommer auftreten.
Nicht nur in den USA, auch in Deutschland sind in den vergangenen Jahren massenhaft Bienen gestorben. Obwohl Wissenschaftler schon seit Jahren das Phänomen CCD erforschen, kennen sie bislang keine eindeutige Erklärung dafür. Als mögliche Ursachen gelten Pestizide, Parasiten- oder Virenbefall und Stress, der das Immunsystem der Tiere angreift. Als Auslöser kommen auch Kombinationen dieser Gründe in Frage.
Im Sommer 2009 hatten US-Forscher berichtet, dass bei den betroffenen Bienen die Eiweiß-Synthese offenbar gestört ist. Ein Grund dafür könnten Viren sein, vermuten die Wissenschaftler um May Berenbaum und Reed Johnson von der University of Illinois in Urbana-Champaign. Auch der Einsatz von Chemie in der Landwirtschaft könnte die Tiere belasten. Im März 2010 hatten Wissenschaftler in Pollen, Wachs und dem Körper von Bienen 121 verschiedene Pestizide nachgewiesen.
Was auch immer die Ursache von CCD ist - das massenhafte Sterben von Bienenvölkern ist in den USA kein neues Phänomen. Um 1880 trat es ebenso auf wie 1920 und in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Gründe für den Bienentod fanden Forscher auch damals keine. Die Hypothese, dass Mobilfunkstrahlung Schuld an CCD sein könnte, gilt längst als widerlegt.
Sorgen macht den Experten vom Agricultural Research Service vor allem, dass Bienen eine große wirtschaftliche Bedeutung in der Landwirtschaft haben. Es geht nach Angaben der Behörde immerhin um Früchte und Pflanzen im Wert von etwa 15 Milliarden US-Dollar, die von der Bestäubung durch Bienen abhängig sind.
hda
Quelle: Spiegel Online
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