Clinton (links) und Obama beim Wahlkampf in Ohio (Foto: dpa)Die demokratischen Wähler in Ohio, Rhode Island, vor allem aber im riesigen Texas haben allen Spekulationen um ein baldiges Ende der Kandidatur Hillary Clintons vorläufig den Boden entzogen. Das Duell zwischen der ersten Frau und dem ersten Schwarzen, die echte Chancen auf den Einzug ins Weiße Haus haben, geht damit weiter. Das nächste wichtige Schlachtfeld heißt Pennsylvania. In dem Bundesstaat mit 12,4 Millionen Einwohnern könnte bei den Vorwahlen am 22. April die Entscheidung fallen.
Die Unterschiede zwischen Clinton und Obama liegen weniger in den politischen Positionen als in der Zusammensetzung ihrer Anhängerschaft. Beide konnten am Dienstag wieder ihre Stamm-Klientel mobilisieren - und scheiterten beim Versuch, im Wähler-Reservoir des Gegners zu wildern. Clinton bekam viele Stimmen von Frauen, Arbeitern, Geringverdienern und Latinos. Obama konnte sich auf Afroamerikaner, Besserverdiener, jüngere Wähler und parteiungebundene Wähler verlassen. Beide Kontingente halten sich bislang in etwa die Waage. Sollte es keinem der beiden gelingen, Stammwähler des anderen in großer Zahl abzuwerben, dürfte das Rennen knapp bleiben.
Beide setzen auf Wirtschaftsthemen
Die Kontrahenten müssen bei all dem auch ihren republikanischen Gegner John McCain im Auge behalten. Der wird versuchen, die Sicherheitspolitik in den Mittelpunkt des Wahlkampfs zu stellen. Sollte die derzeitige Schwäche der US-Wirtschaft das große Thema werden, dürfte dies eher den Demokraten nutzen, denen in diesem Bereich mehr Kompetenz zugebilligt wird. Sowohl Clintons als auch Obamas Programm zielt auf die Unterstützung der Mittelschicht ab, die sich durch Konjunkturflaute und steigende Preise bedroht sieht. Beide wollen die von Bush durchgesetzten Steuererleichterungen für Spitzenverdiener rückgängig machen. McCain will Bushs Steuerpolitik fortführen und visiert sogar weitere Steuererleichterungen an. Sein im Wahlkampf freimütig geäußertes Geständnis, wenig von Wirtschaft zu verstehen, könnte ihm in der weiteren Auseinandersetzung schaden.
Obama gerät ins Visier der Kritiker
Obama wird in den kommenden Wochen seinen Kampfgeist unter Beweis stellen und der Prüfung durch die kritischer werdenden Medien und das gegnerische Lager standhalten müssen. Clinton wird alles daran setzen, den Publikumsliebling als unerfahrenen Aufsteiger zu entzaubern. Finanziell hat Obama einen längeren Atem als Clinton. Er treibt deutlich mehr Spenden ein.
Demokraten werden ungeduldig
Obama hat nach wie vor einen Vorsprung in der Zahl der Parteitagsdelegierten, den Clinton nur durch zweistellige Siege bei den restlichen Vorwahlen aufholen könnte. Die Demokraten werden zunehmend ungeduldig und drängen auf eine Entscheidung der Kandidatenfrage. Denkbar ist, dass Forderungen nach einem freiwilligen Verzicht jenes Kandidaten laut werden, der in der Delegiertenzahl hinten liegt.
Strategischer Vorsprung der Republikaner
Sollte nämlich weder in Pennsylvania, noch am 6. Mai im ebenfalls bevölkerungsreichen North Dakota, einem der Kandidaten ein K.-o.-Schlag gelingen, so könnte die nervenzehrende Hängepartie bis zum Nominierungsparteitag der Demokraten im September weitergehen. Spätestens dann - knapp zwei Monate vor der eigentlichen Präsidentenwahl - werden die rund 700 "Super-Delegierten" aus dem Partei-Establishment einem der beiden zur Kandidatur verhelfen. Reichlich spät, wenn man bedenkt, dass die Republikaner mit John McCain bereits einen festen Kandidaten präsentieren können.