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US-Wahlkampf: Republikaner bereiten sich auf Niederlage von McCain vor

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Republikaner bereiten sich auf Niederlage McCains vor

27.10.2008, 10:36 Uhr | Von Peter Wütherich, AFP

Vor dem Aus? Republikanerkandidat McCain beim Wahlkampf in Pennsylvania (Foto: Reuters) Vor dem Aus? Republikanerkandidat McCain beim Wahlkampf in Pennsylvania (Foto: Reuters)Eine Woche vor der Präsidentschaftswahl in den USA wird es einsam um John McCain. Als der republikanische Kandidat am Wochenende zu einer Kundgebung in New Mexico geladen hatte, verloren sich nur wenige hundert Besucher auf einem Messegelände. Nicht weit entfernt, im US-Staat Colorado, verfolgten etwa 100.000 Fans den Auftritt des Demokraten Barack Obama.

Bekannte republikanische Politiker gehen öffentlich auf Distanz zu McCain. Innerhalb seines Beraterteams hat bereits die Suche nach den Schuldigen für die drohende Wahlniederlage begonnen. Nach acht Jahren im Weißen Haus ist die Partei ausgezehrt, ihr droht ein Kampf um die künftige Richtung.

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McCain vor halbleeren Hallen

Die Republikaner gehen in düsterer Stimmung in die letzte Wahlkampfwoche. Immer wieder tritt McCain vor halbleeren Hallen auf. Seine Berater reagieren mit einer Mischung aus Galgenhumor und Trotz. "Wenn die Zahl der Besucher für Sieg oder Niederlage bei der Wahl den Ausschlag geben würde, wäre Obama mit seinen 200.000 Zuhörern in Berlin schon längst zum deutschen Bundeskanzler gewählt worden", spottet sein Sprecher Tucker Bounds. McCains mangelnde Zugkraft spiegelt sich freilich schmerzhaft in den Umfragen wider: Die "Washington Post" sah ihn bei 45 Prozent, Obama bei 52 Prozent.

Bush-Mitarbeiter schreibt bitteren Nachruf

Der konservative Vordenker David Frum, ein früherer Redenschreiber von Präsident George W. Bush, hat bereits einen bitteren Nachruf auf McCains Kampagne verfasst. "Es gibt viele Arten, eine Präsidentschaftswahl zu verlieren", schrieb Frum am Sonntag in der "Washington Post". "John McCain verliert sie auf eine Art, die die ganze Republikanische Partei mit nach unten reißen könnte."

"Wähler der Mitte abgeschreckt"

Frum kritisiert McCains sprunghafte Reaktion auf die Finanzkrise und seine wenig glaubhaften Versuche, den Gegner Obama mal als Terroristenfreund und mal als Sozialisten hinzustellen: "Diese Strategie hat die Basis der Republikaner mobilisiert, aber die Wähler der Mitte abgeschreckt, und nur dort kann die Wahl gewonnen werden."

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Zum DurchklickenObamas politische Standpunkte
Zum DurchklickenMcCains politische Standpunkte

Viele Republikaner brachen mit McCain

Was Frum als "McCains schreckliche Kampagne" geißelt, lässt auch andere Republikaner auf Distanz gehen. Ex-Außenminister Colin Powell und Bushs früherer Sprecher Scott McClellan erklärten öffentlich, Obama wählen zu wollen. Sie beklagen den aggressiven Ton von McCains Kampagne und ihre Verengung auf die konservative Kernwählerschaft. McCain, der mit dem Anspruch ideologischer Unabhängigkeit angetreten war, habe den Rechtsruck nicht aufgehalten. Zuletzt brachen die republikanischen Ex-Gouverneure von Massachusetts und Minnesota mit McCain. Sie zeigten sich enttäuscht über dessen Wahlkampf und würdigten Obama als Ausnahmekandidaten, der das Zeug zum großen Präsidenten habe.

Obama punktet mit Pragmatismus und Rhetorik

McCain hat es mit einer ungewöhnlichen Kombination widriger Umstände zu tun. Zum einen reicht der Unmut über die Bilanz von Präsident Bush tief hinein in die eigene Partei. Die Wirtschaftskrise und das astronomische Haushaltsdefizit nagen am Selbstverständnis der Republikaner, die doch mit dem Anspruch fiskalischen Sachverstands angetreten waren. Zum anderen steht McCain mit Obama ein charismatischer Rivale gegenüber, dessen Anziehungskraft bis ins konservative Lager reicht. Namhafte Republikaner finden in Obama das, was sie in der eigenen Partei vermissen: Pragmatismus, die Bereitschaft zum Abwägen, die Gabe zur rhetorischen Aufmunterung einer verunsicherten Nation.

Palin wird für vieles verantwortlich gemacht

Bei Suche nach dem Schuldigen für das Umfragen-Debakel avancierte in den vergangenen Tagen besonders eine Person zur Zielscheibe: Sarah Palin. Die Vorwürfe gegen sie sind vielfältig. Immer wieder wurde ihr fehlender Sachverstand auf allen Gebieten vorgeworfen, besonders in der Außenpolitik. Dann wurde eine Untersuchung gegen sie wegen Amtsmissbrauchs eingeleitet. Sie hatte offenbar versucht, den Ex-Mann ihrer Schwester, einen Polizisten, feuern zu lassen. Als dessen Chef sich weigerte, entließ sie stattdessen ihn. Dazu kam heraus. dass sie in der Vergangenheit mehreren Schulfreunden hochdotierte Posten verschafft hatte.

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Sogar Zeitung in Alaska nicht mehr für Palin

In der vergangenen Woche blamierte sie sich dann mit einem steifen Auftritt in der beliebten Comedy-Sendung "Saturday Night Life", in der sie seit ihrer Nominierung zum Lieblingsopfer der Imitatoren geworden war. Zuletzt machte die Vizekandidatin Schlagzeilen, weil sie im Wahlkampf Unsummen für Schminke, Frisuren und Kleidung ausgegeben hatte. Die Zustimmung für die Gouverneurin von Alaska scheint nun sogar in ihrem erzkonservativen Heimatstaat zu schwinden. Die "Anchorage Daily News", größte Zeitung in Alaska, sprach sich - nach zahlreichen überregionalen Medien - am Montag nun auch für Obama als Präsidenten aus.

"Financial Times" für Obama

Doch es liegt mit Sicherheit nicht nur an McCains umstrittener Vizekandidatin. Am gleichen Tag forderte auch die Wirtschaftszeitung "Financial Times" Obama als Präsidenten. Der Demokrat habe mehr wirtschaftpolitischen Sachverstand bewiesen als sein republikanischer Konkurrent, schrieb das Blatt.

Wahlkampf-Helfer haben resigniert

In McCains Team hätten nun bereits die "Dolchstöße und Schuldzuweisungen" begonnen, sagte McCains früherer Berater Mark McKinnon dem Onlinemagazin "Politico". McKinnon hatte das Team verlassen, weil er die aggressive Wahlkampfstrategie nicht mittragen wollte. "Jetzt kämpft jeder nur noch für sich", beschrieb ein anderer McCain-Mitarbeiter anonym die Stimmung im Wahlkampfstab. "Jetzt hat jene Phase angefangen, in der man mit dem Finger aufeinander zeigt und sich für die eigene Zukunft positioniert."


Von Peter Wütherich, AFP  

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