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US-Wahl: Gingrich kann auf Sieg in South Carolina hoffen

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Gingrich kann auf Sieg in South Carolina hoffen

21.01.2012, 14:23 Uhr | Von Sebastian Fischer

US-Republikaner Newt Gingrich. (Foto: Reuters) US-Wahl: South Carolina könnte Trend setzen

Nach den Negativschlagzeilen von Mitt Romney kann der Republikaner Newt Gingrich auf einen Sieg im US-Bundesstaat South Carolina hoffen.

Attacken gegen die Medien, Kuschelbilder aus der Kinderklinik - Newt Gingrich liegt bei Umfragen zur wichtigen Vorwahl in South Carolina überraschend vorn. Ein Sieg des früheren Kongressabgeordneten würde vor allem die Zerrissenheit der Republikaner belegen.

Newt Gingrich hält sich zurück. Nur wenige Stunden sind es noch bis zur Vorwahl in South Carolina, und jüngsten Umfragen zufolge ist plötzlich er der neue Spitzenreiter bei der Kandidatenkür der Republikaner. Er will der nächste Präsident der USA werden, ein Sieg in South Carolina brächte ihn seinem Ziel ein gutes Stück näher - doch jetzt ist erstmal seine Frau dran.

Die beiden besuchen die Kinderklinik von Charleston. Und seine Frau Callista liest den kranken Kindern aus dem Bilderbuch vor, dass sie verfasst hat. Gleich neben ihr sitzt ein schwitzender Mensch im Ellis-Elefantenkostüm. Ellis ist der Held aus ihrem Buch. Die Kinder finden das ganz lustig.

Gingrich schaut auf den Elefanten, lächelt. Nur die Journalisten, die sich ihm nähern und Fragen stellen, ignoriert er.

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Eine Viertelstunde später. Newt strebt dem Ausgang entgegen. Doch Callista erblickt ein Neugeborenes im Arm einer Krankenschwester. Rasch schiebt sie ihren Mann in Position. Die Kameras knipsen. "Mister Gingrich?" Wieder keine Reaktion. Nächste Ecke: Callista muss mal aufs Klo. Gingrich steht jetzt ein bisschen verloren da, ein kleiner Junge schenkt ihm eine Baseball-Kappe, Gingrich schaut zum Gang mit den Toiletten und ist sichtlich erleichtert, als Callista zurückkehrt. Dann sind sie weg.

"Jetzt wird Gingrich South Carolina gewinnen"

Es ist die Inszenierung des guten Newt. Liebenswürdig zu den Menschen, abwehrend gegen die Medien. Einen Tag zuvor haben die Menschen mitverfolgen können, wie der 64-Jährige frühere Kongressabgeordnete den CNN-Moderator John King heruntermachte. Der hatte ihm eine unbequeme Frage gestellt: Was er, Gingrich, denn zu den Vorwürfen seiner Ex-Frau Marianne zu sagen habe, dass er von ihr die Lizenz zum Fremdgehen eingefordert habe? "Destruktiv, boshaft, negativ", sei diese Frage, polterte Gingrich.

Die bösen Medien. Das zieht. Gingrich erntete Standing Ovations vom Publikum.

Die Affäre Marianne - sie scheint ihm nicht zu schaden. Im Gegenteil: Die konservative Basis in South Carolina steht nach der TV-Debatte hinter ihm. Diesen Zustand will Gingrich konservieren. Und weil jeder weitere Satz zu den Medien die Wirkung aus der TV-Debatte nur abschwächen würde, beschränkt sich der Mann, der sich selbst sehr schätzt ("Ich bin ein ziemlich guter Stratege") darauf, Kuschelbilder aus der Kinderklinik zu liefern.

Die Taktik funktioniert. In den beiden letzten Umfragen vor der Abstimmung liegt Gingrich (32 beziehungsweise 35 Prozent) vor Mitt Romney (26/29) und Rick Santorum (9/15) sowie Ron Paul (11/15). Bis vor wenigen Tagen noch lag Romney zweistellig vorn. "Am Montag begann sich die Lage zu drehen", sagt Ari Fleischer, einst Pressesprecher von Präsident George W. Bush: "Jetzt wird Gingrich South Carolina gewinnen."

Auch am Montag war es eine TV-Debatte, die Gingrich nutzte. Dort verhedderte sich Romney in der Diskussion um seine Einkommensverhältnisse. Sein Steuersatz liege nur bei etwa 15 Prozent, musste der Multi-Millionär am Ende eingestehen. Gingrich seinerseits ließ seine Einkünfte einige Tage später ins Internet stellen.

Drei Vorwahlen, drei Sieger?

"Wenn ich Samstag gewinne", sagt Gingrich nun selbstgewiss, "dann werde ich die Nominierung bekommen." Tatsächlich wäre im Falle eines Gingrich-Siegs in South Carolina das Rennen der Republikaner wieder offen. Romney galt seit Monaten als nicht zu stoppen, in seinem Wahlkampfteam träumten sie von einem Durchmarsch: Iowa, New Hampshire, South Carolina. Wer hätte dem Ex-Gouverneur von Massachusetts die Kandidatur dann noch streitig machen können?

Doch urplötzlich sieht die Lage ganz anders aus: In Iowa haben sie die Stimmen noch einmal nachgezählt, seit Freitagnacht ist offiziell der Erzkonservative Santorum der Sieger; in New Hampshire hat Romney zwar mit Abstand gewinnen können, doch jetzt kippt das sicher geglaubte South Carolina. Möglicherweise werden die ersten drei Vorwahlen des Jahres drei verschiedene Sieger bekommen. Das würde die Zerrissenheit der republikanischen Partei nur zu gut widerspiegeln.

Der als politischer Wendehals gebrandmarkte Romney hat alles versucht, um die nach rechts gerückte Basis der Republikaner zu erreichen, um sich als Hardliner zu inszenieren: Soziale Hilfen will er kürzen, illegalen Immigranten kein Pardon mehr geben und Geringverdienern die Steuervergünstigungen zusammenstreichen.

Ein Riss in der Tea Party South Carolinas

Unterstützung bekam er dabei von Nikki Haley. Die 40-jährige Gouverneurin von South Carolina, mit Hilfe der Tea Party ins Amt gekommen, hat in den vergangenen Wochen massiv für Romney geworben. Doch jetzt, wo sich das Pendel zugunsten Gingrichs neigt, zeigt sich deutlich: Romneys Akzeptanz ist dadurch nicht gestiegen, stattdessen geht ein Riss durch die Tea Party von South Carolina.

Gingrich derweil denkt längst über South Carolina hinaus. Er hat die kommenden Abstimmungen im großen Florida und in Nevada im Blick. Selbst wenn Romney in South Carolina doch noch siegen sollte - der Vorsprung wäre wohl nicht groß genug, um Gingrich alle Chancen auf die Kandidatur zu nehmen.

Aber selbst im Falle eines Sieges hat Gingrich ein Problem: das gespaltene Abstimmungsverhalten der Konservativen. Zwar ist Texas-Gouverneur Rick Perry ausgeschieden und hat seinen Anhängern eine Wahl Gingrichs empfohlen; aber Rick Santorum, der Überraschungssieger von Iowa, lässt sich davon nicht beeindrucken.

Im Gegenteil: Santorum hat in South Carolina eine zunehmend aggressive Kampagne gegen Gingrich gefahren. Der Zweikampf um die Position des Anti-Romney hat die beiden entfremdet. Vor Wochen noch sahen manche in Santorum Gingrichs künftigen Vize, sollte Gingrich die Nominierung gewinnen. Nur: Damals dümpelte Santorum noch am unteren Ende der Umfrage-Skala.

Der nächste Ronald Reagan?

Jetzt aber traut sich der 51-Jährige Santorum alles zu. In nahezu jeder seiner Reden vergleicht er sich mit Ronald Reagan. Der habe schließlich 1980 auch als konservativer Außenseiter in South Carolina siegen können. Gleichzeitig sind selbst Anhänger verwundert, wie wenig Santorum aus dem positiven Trend gemacht hat: Zwar wählten ihn am vergangenen Wochenende gut hundert evangelikale Anführer in Texas zu ihrem Konsenskandidaten - doch der Effekt ist inzwischen mehr oder weniger verpufft.

Interessant macht die Wahl zudem ein Kandidat, der eigentlich schon längst aus dem Rennen ausgestiegen ist: Ex-Pizza-Chef Herman Cain. Dessen Name steht in South Carolina noch immer auf der Wahlliste - und das hat das Interesse des TV-Komikers Stephen Colbert erweckt. Der nämlich wäre selbst gern angetreten.

Und so inszenieren die beiden am Freitag ein Spektakel vor dem Uni-Hauptgebäude und gut 5000 Zuhörern. Colbert hat Marschmusik, Cheerleader, einen Gospelchor bestellt. "Ich glaube an Cain, Ihr glaubt an mich, also wählt Cain", ruft Colbert der jubelnden Menge zu. Cain selbst spielt mit. "Ich habe etwas, das er nicht hat", sagt er: "Einen Bus mit meinem Gesicht drauf - und einen Platz auf der Liste."

Bleibt also am Samstagabend nicht allein die Frage, ob Gingrich tatsächlich über Romney triumphieren kann - sondern auch: Wie viele Stimmen erhält Nicht-Kandidat Cain?


Von Sebastian Fischer  

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