
10.01.2012, 08:26 Uhr | Von Marc Pitzke
Mitt Romney, umgeben von seinen Rivalen Ron Paul (l.) und Rick Santorum (r.) bei einer TV-Debatte in Manchester, New Hampshire (Quelle: AFP)
Wer noch Zweifel hat, dass Mitt Romney der kommende Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner wird, der soll sie spätestens in dieser Turnhalle vergessen haben. Tausende Fans sind in die Exeter High School gepilgert, um dem Ex-Gouverneur ihres Nachbarstaats Massachusetts zuzujubeln. Der Andrang ist so enorm, dass die Sicherheitsbeamten Menschen abweisen und eine zweite Halle öffnen müssen.
Sonntagabend in Exeter, einem sonst sehr stillen Ort in New Hampshire: Es ist die bisher größte Kundgebung dieses US-Vorwahlkampfes. Knapp 36 Stunden vor der Stimmabgabe glaubt Romney den Sieg in der Tasche zu haben. Dies ist keine Aufputsch-Sause mehr, dies ist eine enthusiastisch-voreilige Siegesfeier. Eine, wie man sie in Exeter zuletzt fast auf den Tag genau vor vier Jahren erlebt hat, als hier ein Demokraten-Kandidat namens Barack Obama auftrat - in eben dieser Halle.
Es ist eine pikante Parallele, nicht nur, weil Obama New Hampshire dann verlor. Wie damals Obama mobilisiert nun auch Romney mehr Leute als sonst ein Kandidat - und mehr Reporter. Dutzende Kamerateams sind da, Romneys Vorhut hat sie mit Eisengattern abgeschottet. Es gibt ein langes Podium für TV-Stative, Tische für die schreibende Zunft und Stellpositionen für die Live-"Aufsager" der TV-Moderatoren.
Auf der Bühne stehen Claqueure, darunter nicht ein einziger Schwarzer - wie auch im restlichen Saal nicht. Spätestens hier endet die Obama-Parallele. An der Stirnwand hängt ein acht Meter hohes US-Sternenbanner. Rechts prangt eine gigantische Digitaluhr, die die Staatsverschuldung mitzählt, ("134.838 Dollar pro Steuerzahler"), links ein Banner: "Glaube an Amerika." Aus den Boxen scheppert "Born Free", Mitts Wahlkampfsong.
So professionell werden keine provinziellen Vorwahlkämpfe geführt, sondern landesweite Präsidentschaftswahlkämpfe. Romney ist gerüstet für seinen Gegner Obama. Das merkt man auch ihm selbst an, Romney erscheint hemdsärmelig. Die Kommentatoren nennen ihn oft einen Polit-Roboter, doch hier gibt er sich unverkrampft. In den vergangenen Debatten hat er sich gut geschlagen, obwohl am Sonntagfrüh die anderen Möchtegern-Kandidaten über ihn hergefallen sind wie die Piranhas.
"Dies macht so viel Spaß!", ruft Romney. "Und wird bald noch viel mehr Spaß machen!" Dann rasselt er seine gut eingespielte Litanei von der Einzigartigkeit der USA herunter, zitiert die Patriotenhymne "America the Beautiful", schwört gleich dreimal "Ich liebe Amerika!" und schimpft immer wieder auf Obama.
Seine fünf republikanischen Vorwahl-Rivalen erwähnt er dagegen mit keinem Wort.
Romney glaubt, es nicht mehr nötig zu haben; er denkt, dass er längst über den Scharmützeln der Primaries schwebt. Alle Umfragen sehen ihn vorne. Ein glatter Sieg in New Hampshire würde ihn mit Schwung in die kommenden Vorwahlen katapultieren und von da zur Nominierung. Weshalb er schon jetzt in hochfliegender Wahlkampflyrik schwelgt und seinen Schlachtruf für den Herbst ausprobiert: "Dies ist ein Kampf um die Seele Amerikas!"
Als gäbe es die anderen nicht mehr.
Doch so schnell kapitulieren seine Gegner nicht. Plötzlich heißt es: Alle gegen Romney, Romney gegen alle. Oder, wie Newt Gingrich bellt: "Schluss mit dem frömmelnden Quatsch!"
Das passiert vormittags in Concord, New Hampshires Hauptstadt, in einem Theater, in dem ab dieser Woche das Mitsing-Musical "Mamma Mia!" gastiert. Zuvor aber gibt es schräge Dissonanzen, als alle sechs Kandidaten noch einmal auf der Bühne stehen, zur zweiten TV-Debatte innerhalb von nur elf Stunden.
Samstagsdinner und Sonntagsbrunch: Das Debatten-Doppel soll den Wählern die Entscheidung näherbringen. Für fünf der sechs Kandidatenanwärter wiederum ist es die letzte Chance, sich vor Dienstag noch mal zu profilieren - gegeneinander und gegen Überflieger Romney. Zwar verpufft die Samstagsrunde, aber am Sonntagfrüh, unter der Aufsicht des NBC-Weißschopfs David Gregory, geht es zur Sache.
Warum, fragt dieser jeden Rivalen, wäre Romney der falsche Kandidat? Gingrich verhöhnt Romneys "Massachusetts-Kultur" (Codewort für "links") und ätzt: "Sie kandidieren doch seit den neunziger Jahren." Rick Santorum schimpft Romney einen Feigling, Rick Perry nennt ihn einen Insider. Und Jon Huntsman, für den es in dieser Woche um alles geht, echauffiert sich so über Romneys Tiefschlag vom Vorabend, dass seine breiten Lippen beben: "Deshalb ist diese Nation so gespalten - wegen so einer Attitüde".
Romney verschanzt sich hinter Phrasen und hartem Pantomimenlächeln, ballt die Hände in den Hosentaschen, wie immer, wenn er sich attackiert fühlt. Inzwischen steht ihm ein Schweißfilm auf der überschminkten Stirn.
Am härtesten verbeißt sich Gingrich. Mit gutem Grund: Ein Romney nahestehender "Super-PAC" - einer jener berüchtigten, unregulierten Spendengruppen - hat Gingrichs zwischenzeitlichen Vorsprung mit beißenden TV-Spots so zerlegt, dass er sich davon kaum mehr erholen dürfte. "Gouverneur", schäumt er also, "Sie wissen, dass einige dieser Spots nicht wahr sind." Romney heuchelt Ignoranz, kann sich ein süffisantes Schmunzeln aber nicht verkneifen.
Mit harten Bandagen kämpfen ja alle. Doch muss Romney das hier nun erstmals auch am eigenen Leibe erleben, das Schicksal eines jeden Spitzenreiters. Gegen Gingrich rettet ihn nur, dass Gregory fragt, ob man die Super-PAC-Werbung denn nicht ganz beenden sollte. Da schweigt Gingrich schnell, schließlich hat auch er dort noch viel scharfe Munition gelagert.
Der Nahkampf mit dem Wähler und das Klinkenputzen - das reicht längst nicht mehr. "Der landesweite TV-Krieg geht ja jetzt erst los", sagt Alex Talcott, der Gingrichs Polit-Netzwerk in New Hampshire koordiniert. "Wir fangen damit doch gerade mal an."
Talcott steht im Vorraum des mexikanischen Restaurants "Don Quijote" in Manchester. Die Schankstube ist am Sonntagmittag eine weitere Etappe für Gingrich. Er wirbt um die Latino-Gemeinde, auch wenn die hier nur einen verschwindenden Anteil hat, in New Hampshire (2,8 Prozent) wie in Manchester, der größten Stadt des Staates (8,1 Prozent).
Doch Gingrich kämpft zwischen Chips und Salsa um jede Stimme. "Dies ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten", redet er den Immigranten nach dem Mund. Bei vielen im überfüllten Saal kommt das an, von draußen aber trommeln Occupy-Protestler gegen die Fenster, sie verfolgen Gingrich seit Tagen.
Nur Stunden nach der hitzigen Brunch-Debatte erwähnt auch Gingrich keinen Konkurrenten mehr, auch Romney nicht. Das überlässt Gingrich, siehe da, seinem eigenen "Super-PAC".
"Winning Our Future" nennt sich die Gingrich-nahe Gruppe. Ihr erster Anti-Romney-Spot erscheint am Sonntag im Internet: Fast drei Minuten lang ist das Teaser-Video für einen längeren Film. Es knöpft sich Romneys Jahre als Mitbegründer des Private-Equity-Konzerns Bain Capital vor, mit dem dieser einst reich wurde.
"Firmenjäger" Romney habe den "American Dream" zum "Alptraum" gemacht, indem er "bereit war, alles zu tun, um Millionenprofite einzustecken", heißt es da. Im Stil des Aktivisten Michael Moore wird Romneys Slogan konterkariert, er habe "mehr als 100.000 Arbeitsplätze" geschaffen: Romney habe Jobs vernichtet - "skrupelloser als die Wall Street", heißt es in dem Film.
Das verfolgt Romney bis in die abendliche Triumphshow in Exeter: Da schmuggeln sich eine Handvoll Occupy-Demonstranten unter die Menge. Als Romney mit Chris Christie, dem Gouverneur von New Jersey, auf die Bühne tritt, enthüllen sie ein Spruchband ("Romney & Christie, Gangster für die Ein-Prozent") und skandieren: "Mitt killt Jobs! Mitt killt Jobs!"
Dass die linken Protestler mit dem ultrakonservativen Gingrich gegen Romney gemeinsame Sache machen, ist dabei nur eine ungewöhnliche Randnotiz. Schon beginnen Romneys Umfragewerte zu kippen. Ob es reicht, ihn aufzuhalten, bleibt allerdings fraglich. Es könnte bereits zu spät sein.
Von Marc Pitzke
e.m.aue schrieb:
am 9. Januar 2012 um 19:18:19
(29)
(4)
usa
gott schütze die usa vor einem dieser republikanischen präsidentschaftskanditaten.
Kommentar melden
Roland schrieb:
am 9. Januar 2012 um 18:54:26
(37)
(5)
Obama
Man kann über den aktuellen Präsideten denken, wie man will...eins steht fest: kommt einer dieser "radikal-Christen" an die
Macht, dann müssen wir vor keinem radikal-Islamisten mehr Angst haben...das besorgen dann die "Herren" aus dem weißen Haus schon, wer so verbohrte Vorstellungen hat, siehe Biologieunterricht in weiten Teilen der USA, wo die biblische Schöpfungsgeschichte anstatt der darwinistischen gelehrt wird....da bleibt einem als aufgeschlossener Mensch nur noch die
mehr
Kommentar melden
Alex!! schrieb:
am 9. Januar 2012 um 18:41:16
(25)
(4)
Barak Obama
Man muss mal B.O. auf "The Ellen Degeneres Show" sehen. Der ist liebenswürdig und charmand. Dem würde man gern seine
Kinder anvertrauen. Bei den Republikanern habe ich den Verdacht, dass die die Kinder einfach im Keller einschliessen, um ungestort TV zu kucken!!!
mehr
Kommentar melden
Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

Damenmode in den schönsten Sommerfarben - online bestellen und sparen. bei KLiNGEL.de
Modische Multitalente für Business und Freizeit - für Frauen mit jedem Figur-Typ. zum XXL-Special
Höchste Qualität zum sagenhaft günstigen Preis: Hemden, Jacken u.v.m. von Daniel Hechter. mehr