07.02.2012, 16:57 Uhr
Verbissen: Rick Santorum bei einem Wahlkampfauftritt in Rochester, Minnesota. Dort könnte er die Vorwahl gewinnen (Quelle: AP)
Die US-Republikaner stellen in drei weiteren Vorwahlen die Weichen für ihren Präsidentschaftskandidaten. Gleich in drei Staaten stimmen die Konservativen in der Nacht auf Mittwoch darüber ab, wen sie am 6. November gegen Präsident Barack Obama ins Rennen schicken wollen. In Colorado hat der moderate Mormone Mitt Romney in Umfragen die Nase klar vorn. Aber in Minnesota und Missouri könnte der christlich-konservative Rick Santorum ein Comeback feiern.
Noch wetteifern vier Kandidaten um die Nominierung: Romney konnte bislang die meisten Delegierten hinter sich versammeln (79), ihm folgt der Sieger von South Carolina, Newt Gingrich (29). Dahinter, abgeschlagen, Santorum (9) und Ron Paul (8). Um zu gewinnen, muss ein Kandidat 1144 Delegierte hinter sich versammeln.
Romney, der ehemalige Gouverneur von Massachusetts, will seine Siegesserie fortsetzen und seinen Vorsprung gegenüber Gingrich ausbauen. Die Vorzeichen sind vielversprechend: Romney hatte bei den Vorwahlen der Republikaner im Jahre 2008 in Colorado den Sieg eingeheimst.
Es könnte aber ein großer Tag werden für Rick Santorum, glaubt man der jüngsten PPP-Umfrage (Public-Policy-Polling). Denn der ehemalige Senator von Pennsylvania könnte in Colorado immerhin Zweiter hinter Romney werden, dem 40 Prozent der Stimmen vorhergesagt werden. Santorum könnte 26 Prozent der Stimmen erreichen, Gingrich 18 Prozent und Paul 12 Prozent.
In Minnesota hat Santorum sogar Siegchancen: Er führt die Umfrage mit 29 Prozent an, allerdings dicht gefolgt von Romney mit 27 Prozent. Gingrich liegt bei 22, Paul bei 19 Prozent. In Missouri führte Santorum bei der PPP-Umfrage sogar mit 45 Prozent vor Romney mit 34 Prozent. Allerdings ist diese Umfrage schon eine Woche alt und das PPP-Institut schätzt, dass sich diese Werte mit Romneys Erdrutschsieg in Nevada am Samstag zu dessen Gunsten angeglichen haben könnten. Dennoch, der "Jesuskrieger", wie Santorum von den Medien getauft wurde, habe eine echte Chance, in Minnesota und Missouri zu punkten.
Sehr konservative Republikaner beäugen Romney nach wie vor mit Argwohn, weil er früher moderate Ansichten zu Abtreibung und Homosexuellenrechten vertrat. Santorum präsentiert sich dagegen als Hardliner. Um seine Chancen in Colorado und Minnesota zu erhöhen, verzichtete Santorum auf einen umfangreichen Wahlkampf in Florida und Nevada.
Was die PPP-Umfragen auf jeden Fall zeigten, so das Institut, sei der massive Absturz von Newt Gingrich. In Colorado hatten die Meinungsforscher Gingrich einst auf Platz eins mit einem Vorsprung von 19 Prozent gesehen. Ähnlich stark sei der Rückgang der Zustimmung für Gingrich in Minnesota gewesen, dort sei er von 36 auf 22 Prozent gestürzt. In Missouri tritt Gingrich erst gar nicht an.
Alle drei Vorwahlen gelten jedoch als symbolisch. Zwar können die Wahlsieger in Colorado und Minnesota Delegierte für den Parteitag gewinnen. Diese müssen sich jedoch im Fall des Falles nicht an ihr Votum bei den Vorwahlen halten. Bei der Abstimmung in Missouri sind von vornherein keine Delegiertenstimmen zu holen.
Die jüngsten Umfragewerte für Rick Santorum "darf man nicht zu hoch bewerten", sagt Politik-Professor Andreas Falke von der Universität Erlangen-Nürnberg im Gespräch mit t-online.de. "Er ist einfach nicht konkurrenzfähig. Er kann höchstens einen Achtungserfolg in sehr konservativen Staaten erzielen", schätzt Falke. Santorum könne Romney nicht richtig gefährlich werden, das könne nur Newt Gingrich. "Aber Ressourcen spielen auch eine Rolle", verweist Falke auf die bessere finanzielle Ausstattung des Millionärs Romney.
Ron Paul hat wie Santorum keine Chance auf die Nominierung, stellt der Wissenschaftler klar. "Das weiß Paul aber auch selbst. Er ist aber ein 'True Believer', ein Libertärer, der seine Wertvorstellungen in der republikanischen Partei einfach stärker verankern will." Paul sei gegen jede Einmischung des Staates und lehne Kriege ab. Er habe viele Unterstützer, auch viele jüngere Amerikaner. Mit Romney sei er privat sogar gut befreundet, und auch im Rennen um die Nominierung schätzt Favorit Romney den "True Believer" - weil er den anderen Kandidaten Stimmen wegnimmt, solange er nicht aussteigt.
Auf ihrem Parteitag Ende August entscheiden die Republikaner dann endgültig, wer im November gegen Obama antritt. Eine erste echte Vorentscheidung dürfte am 6. März, dem "Super-Tuesday", fallen, wenn in zehn Bundesstaaten abgestimmt wird. "Dann müsste endgültig feststehen, dass es Romney wird", sagt Falke. "Aber es hat schon viele Überraschungen gegeben", räumt der Politikwissenschaftler ein.
Als republikanischer Präsidentschaftskandidat könne Romney sehr gefährlich für Obama werden, ist Professor Falke überzeugt. Umfragen belegten, dass Obama sowohl Gingrich als auch Santorum locker schlagen würde. Aber gegen den Mormonen stünden die Chancen des derzeitigen Präsidenten schlechter. "Da kommt es auf die zwölf Swingstates an", so Falke. Das sind Staaten, die nicht schon vorab festgelegt sind, ob sie demokratisch oder republikanisch stimmen. Zu diesen Staaten gehören Pennsylvania, Florida, Colorado und vor allem Ohio, so Falke.
Nach einer aktuellen Umfrage von ABC News und "Washington Post" allerdings würde Präsident Obama bei der Wahl über Romney als Herausforderer der Konservativen siegen. Würde heute gewählt, würden demnach 51 Prozent der Wähler für den amtierenden Präsidenten stimmen. 45 Prozent sprachen sich in der Umfrage für den ehemaligen Gouverneur von Massachusetts aus.
Unterdessen wurde bekannt, dass aus der Familie eines in den USA gesuchten mexikanischen Casino-Bosses erhebliche Spendenbeträge an das Wahlkampfteam von Präsident Barack Obama geflossen waren. Wie die "New York Times" online berichtete, sammelten zwei Brüder des berüchtigten Casino-Betreibers Juan Jose Cardona alias Pepe mehrere Hunderttausend Dollar für den Wahlkampf Obamas und seine Demokratische Partei. Das Wahlkampfbüro des Präsidenten bestätigte der Zeitung, dass das von der Cardona-Familie gesammelte Geld zurückgezahlt werde, insgesamt mehr als 200.000 Dollar (etwa 152.000 Euro). Von dem Bruder in Mexiko habe man nichts gewusst, hieß es.
Pikant ist der Fall auch deshalb, weil der im Zusammenhang mit Betrugs- und Drogendelikten aus den USA geflohene Cardona dem Bericht zufolge in den vergangenen Jahren mehrfach versucht hat, eine Begnadigung zu erreichen, um wieder zurückkehren zu können.
Quelle: tbo , t-online.de , dpa
Niemand schrieb:
am 7. Februar 2012 um 18:33:44
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Wahlkampf in den USA
Jeder kann glauben, woran er will, so lange er andere damit in Ruhe lässt. Dem ist aber in den USA nicht so. Wer sich
dort als Atheist outet, hat keine Chance mehr egal, was er vorhat. Die Gründerväter der USA würden sich im Grabe herumdrehen, wenn sie das sehen würden. Statt zur Trennung von Staat und Kirche zu stehen, wie sie es wollten, gefällt sich jeder Präsidentschaftskandidat im Missionieren. Sie sind in ihrem Denken nicht besser als die Taliban, denen sie Fundamentalismus vorwerfen.
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Luc16 schrieb:
am 7. Februar 2012 um 17:26:21
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US-Wahlen
So fromm wie diese Kandidaten auch tun, abscheulich fromm - ich sage nur: Bewahre uns Gott vor einem dieser Männer. Da ist
wirklich keiner als Leiter eines der mächtigsten Länder geeignet. Bei den meisten spricht reine Menschenverachtung gegenüber Schwächeren aus ihren Worten.
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Opa schrieb:
am 7. Februar 2012 um 17:16:29
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US-Vorwahl
Die Hälfte der Kandidaten lebt doch noch im Mittelalter oder sind Sektenguros.
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