
12.12.2011, 11:03 Uhr | Von Sebastian Fischer
Irgendwo in Iowa: Mitt Romney (links) und Newt Gingrich duellieren sich wohl bis zum Schluss (Quelle: Reuters)
Es war die bisher härteste Debatte der republikanischen Präsidentschaftsbewerber. Aggressiv beharkten sich Mitt Romney und Newt Gingrich in Iowa - bis sie selbst attackiert wurden. Es ging um Untreue, um Krankenversicherungen und eine 10.000-Dollar-Wette.
Es sind gerade mal 24 Tage. Nur noch gut drei Wochen. Dann steht die erste Vorwahl an, oben im Mittleren Westen, im konservativ-ländlichen Iowa. Jetzt zählt jeder Tag, jeder Auftritt, jede Äußerung. Und so brauchen sie am Samstagabend nur eine knappe Viertelstunde, um alle Freundlichkeit fahren zu lassen.
Es wird der härteste Schlagabtausch werden, den sich die Präsidentschaftsbewerber der Republikaner bisher geliefert haben. Sie haben sich zur TV-Debatte in Iowas Hauptstadt Des Moines versammelt. Dort, wo sonst Mais und Kühe die Hauptrolle spielen, stehen nun Newt Gingrich und Mitt Romney im Mittelpunkt. Also los.
Eben noch hat Romney, der Ex-Gouverneur von Massachusetts, sein Standardsprüchlein aufgesagt: Dass er ein Geschäftsmann sei und kein Politiker; dass er wisse, wie man Jobs schafft; dass so einer wie Mitt Romney - er redet jetzt tatsächlich von sich in der dritten Person - deshalb 2012 Präsident werden müsse. Romney tänzelt sich ein bisschen warm.
Heftige Attacke zum Auftakt
Da räuspert sich Newt Gingrich. Der 68-Jährige hat fast sein ganzes Leben in der Politik verbracht, er war mal Sprecher des Repräsentantenhauses, in den Neunzigern war das. Lang ist's her. Aber seit einigen Wochen steht der Mann mit dem Nussknackergesicht und der Quetschstimme ganz oben in den Umfragen. Romneys Leute hat das ziemlich kalt erwischt, so kurz vor dem Caucus in Iowa.
"Der einzige Grund, warum du nicht Politiker geworden bist", ätzt Gingrich und blickt Romney an, "das ist, weil du gegen Ted Kennedy verloren hast." Das sitzt. Tatsächlich bemühte sich Romney 1994 um einen Sitz im Senat, unterlag aber dem Bruder des früheren Präsidenten. Der Saal johlt, Romney flüchtet sich ins Lachen: "Gegen Kennedy zu verlieren war das Beste, was ich tun konnte." So habe er die Erfahrungen in der freien Wirtschaft sammeln können, um nun das Präsidentenamt anzustreben.
Gingrich gegen Romney, Romney gegen Gingrich - und alle anderen gegen diese beiden. Das ist das Schema der Debatte. Michele Bachmann, Rick Perry, Ron Paul, Rick Santorum - sie alle versuchen, die beiden Front-Runner der nationalen Umfragen auszubremsen.
Besonders Bachmann, die Tea-Party-Ikone, die sich Hoffnungen auf einen Sieg in Iowa macht, geht aufs Ganze - und nutzt die gerade bei konservativen Republikanern verhasste Gesundheitsreform des US-Präsidenten als Hebel: Der liebe Newt habe doch länger für die verpflichtende Krankenversicherung gekämpft als Obama. Und Romney, der habe in Massachusetts den Gesundheitssozialismus eingeführt, eine Reform gemacht, die als Vorbild für "Obama-Care" gelten könne.
Beide, Romney und Gingrich, weisen das zurück. Macht aber nichts, jetzt wechselt auch Bachmann in die dritte Person: "Michele Bachmann ist die wahre Konservative, nicht Newt Romney."
Betrunkene Moderatorin?
Oha, Newt Romney. Das hat sie sich hübsch zurechtgelegt. Romney und Gingrich versuchen ein möglichst lautes Lachen: "Wir sind Freunde, aber keine Klone", versucht es Romney. Aber Bachmann sagt den Spruch vom doppelten Lottchen Newt Romney noch ein paar Mal an diesem Abend. Und auf Twitter kommt die Idee so prima an, dass sie rasch die Diskussionen um ABC-Moderatorin Diane Sawyer überlagert. Die stellt derart ausgedehnte und verwinkelte Fragen, dass man ihr im virtuellen Raum kurzerhand Trunkenheit unterstellt.
Wer ist der wahre Konservative? Oder wen halten die Iowaner dafür? Das wird bei der Vorwahl am 3. Januar wohl die entscheidende Frage sein. Klar, dass da Rick Perry auch noch mitmischen will. Genau, Perry, der Mann mit dem Oops-Moment. Im Spätsommer noch der Favorit in allen Umfragen, hat sich der Gouverneur aus Texas in den vergangenen Wochen entschlossen selbst demontiert. Doch kurz vor Weihnachten und in Iowa kommt an diesem Wochenende der Versuch des Comebacks.
Statt wie bisher auf seine vermeintliche Wirtschaftskompetenz setzt Perry nun auf sozialkonservative Klassiker. Eben erst hat er einen Wahlspot veröffentlicht, in dem er darauf hinweist, dass einerseits Schwule offen in der Armee dienen, Kinder aber nicht offen Weihnachten feiern dürften. "Krieg gegen die Religion" nennt er das. In der TV-Debatte knöpft er sich Gingrich vor. Der gilt zwar nicht als homosexuell, ist aber schon zum dritten Mal verheiratet und hat auch die ein oder andere außereheliche Affäre zu bieten.
Gingrichs kontroverses Privatleben
"Wenn man seine Frau betrügt, dann betrügt man auch seine Geschäftspartner", sagt Perry ohne Blickkontakt zu Gingrich - und wartet auf den Einschlag seiner Bombe. Vorher darf aber der stets katholische Rick Santorum noch was sagen ("Charakter zählt, ich bin verheiratet, habe sieben Kinder"); Bachmann weist darauf hin, dass sie Christin ist; Romney sagt, dass er seine Familie, seine Kinder und Amerika liebt; und Ron Paul gibt zu Protokoll, dass er schon seit 54 Jahren verheiratet ist. Was in dieser Runde ohnehin keiner toppen kann.
Und dann, endlich, ist die Reihe an Newt Gingrich. Gespannte Stille im Saal. Ja, sagt er, das sei "ein echtes Thema", natürlich. Er habe Fehler gemacht, sagt Gingrich, und Gott um Vergebung gebeten. Die Regie blendet jetzt, das ist nicht so nett, Gingrichs aktuelle Frau Callista ein. Aber Gingrich selbst macht das nicht schlecht. Ein reuiger Sünder - das kommt an in Amerika, auch in Iowa. Er sei übrigens auch Großvater, sagt er dann noch.
Aber durch ist er damit noch lange nicht. Romney attackiert ihn wegen seiner Idee von der Kinderarbeit: Wenn es nach Gingrich geht, sollen die Gesetze gelockert werden, damit Schüler in Teilzeit arbeiten und etwa den Hausmeisterjob in der Schule machen können. Auch Gingrichs Beurteilung der Palästinenser als "erfundenes Volk" stößt auf Widerspruch. Und dass er zwischenzeitlich ausgerechnet auf der Honorarliste der vom Staat geretteten und von ihm selbst immer wieder kritisierten Hypothekenbank Freddie Mac stand und mindestens 1,6 Millionen Dollar kassiert hat, vergisst Bachmann nicht zu erwähnen.
Doch Gingrich, vermerkt das Polit-Magazin "Politico", "wankte zu keiner Zeit".
Eine entscheidende Spur zu lässig
Und zum Schluss noch ein Schmankerl, einen herrlichen Schlagabtausch zwischen Rick Perry und Mitt Romney. Wieder geht es um die Gesundheitspolitik, um Romneys größtes Problem im Republikaner-Wahlkampf also, insbesondere in Iowa. "Mein Freund, du bist für die verpflichtende Versicherung", stellt Perry grinsend in Richtung Romney fest. So stehe es ja auch in seinem Buch. Darauf Romney: "Ach Rick, das hast du doch schon so oft gesagt ..." Perry: "Es war damals wahr und ist es heute, hehe." Romney: "Wollen wir wetten, 10.000 Dollar?" Ohhh, macht das Publikum. "Ich bin nicht im Wettgeschäft", sagt Perry.
Es ist wohl der erste verbale Schlagabtausch zwischen Romney und Perry, bei dem der Texaner als Sieger hervorgeht. Der Multimillionär Romney war in dieser Situation eine Spur zu lässig fürs konservative Volk von Iowa. Denn 10.000 Dollar, so rechnen sie bei ABC wenige Minuten später vor, das seien ja gleich drei Monatsgehälter eines durchschnittlichen Iowaners.
Quelle: Spiegel Online
doroti schrieb:
am 11. Dezember 2011 um 19:30:09
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US-Wahlen
Obama ist ein guter Präsident. Er hat Augenmass und Charakter. Die us-amerikanische Gesellschaft hat ihn nicht verdient.
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zweifler schrieb:
am 11. Dezember 2011 um 18:11:33
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wahlkampf
Wenn man sich überlegt das solche schwachköpfe bei einem wahlsieg den wohl-waffenmässig-,stärksten staat dieser erde
vorsteht,dann kann man nur hoffen das in deren umfeld leute vorhanden sind die "normal" handeln und denken!!
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Heribert von Sinnen schrieb:
am 11. Dezember 2011 um 15:43:34
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(6)
US-Wahlkampf
Die Republikaner sollen sich nur gegenseitig zermalmen, dann wird wenigstens von denen keiner Präsident.
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