22.06.2011, 09:11 Uhr
Jon Huntsman, US-Republikaner, steigt ins Rennen um die Präsidentschaftskandidatur ein (Foto: Reuters) (Quelle: Reuters)
Das Bewerberfeld der US-Republikaner um die Präsidentschaftskandidatur wächst weiter: Jon Huntsman, früherer Gouverneur des Bundesstaats Utah und Ex-Botschafter in China, steigt offiziell in das Rennen ein. Vor dem Hintergrund der New Yorker Freiheitsstatue und der Skyline von Manhattan warnte Huntsman vor einem Niedergang der USA im 21. Jahrhundert.
Huntsman prangerte an, dass Amerika in den vergangenen Jahren "weniger mächtig und weniger wettbewerbsfähig" geworden sei. Trotz harter Arbeit gebe es für viele Menschen weniger Perspektiven. "Das ist unamerikanisch", sagte der 51-Jährige. "Das ist nicht akzeptabel."
Der Republikaner, den Obama als Botschafter nach Peking entsandt hatte, kritisierte die Wirtschaftspolitik seines früheren Chefs scharf. "Wir brauchen mehr als nur Hoffnung", sagte er in Anspielung auf Obamas Wahlkampfslogan vor vier Jahren. Huntsman forderte eine Steuerreform und einen Abbau von Regulierungen, um die Schaffung von Arbeitsplätzen zu beschleunigen.
Bei Wählern ist Huntsman landesweit relativ unbekannt und liegt in parteiinternen Umfragen klar hinter dem favorisierten Ex-Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney. In Utah war er 2008 aber mit 78 Prozent der Stimmen als Gouverneur wiedergewählt worden, ehe ihn Obama zum Botschafter machte. Huntsman spricht fließend Mandarin, eines seiner sieben Kinder ist eine Adoptivtochter aus China. Unter den republikanischen Aspiranten gilt der Mormone als der Kandidat mit der größten außenpolitischen Erfahrung.
Er gilt insgesamt als gemäßigter Republikaner und dürfte bei der rechtspopulistischen Tea-Party-Bewegung innerhalb der Partei einen schweren Stand haben. Insbesondere in seiner Zeit als Gouverneur von Utah (2004 bis 2009) hatte Huntsman Positionen vertreten, die von denen der meisten seiner Parteikollegen im Kongress und vieler konservativer Wähler abweichen. So unterstützte er etwa eingetragene Lebenspartnerschaften für homosexuelle Paare und einen Emissionshandel zur Begrenzung der Treibhausgase.
Außerdem akzeptierte er zur Arbeitsplatz-Förderung in seinem Staat Gelder aus dem Konjunkturprogramm der Washingtoner Regierung, dem bei der Verabschiedung im Kongress 2009 nur insgesamt drei Republikaner zugestimmt hatten. In mehreren Punkten hat sich Huntsman mittlerweile aber angepasst und ist stärker nach rechts gerückt. Die Sozialkonservativen in der Partei sind jedoch misstrauisch, dass es sich dabei nur um "Tünche" handelt.
Ein anderer Stolperstein könnte auch die Tatsache sein, dass Huntsman Mormone ist. So hatte eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup herausgefunden, dass einer von fünf Amerikanern nicht für den von seiner Partei nominierten Kandidaten stimmen würde, wenn dieser Mormone ist.
Weitere Bewerber der Republikaner für 2012 sind unter anderen der frühere Chef des Repräsentantenhauses, Newt Gingrich, und der Ex-Gouverneur von Minnesota, Tim Pawlenty. Zuletzt stiegen auch der aus Pennsylvania stammende Ex-Senator Rick Santorum sowie die Kongressabgeordnete Michele Bachman aus Minnesota ins Rennen ein.
Ein Fragzeichen steht noch hinter der Bewerbung der erzkonservativen Ex-Gouverneurin von Alaska, Sarah Palin, die 2008 an der Seite von John McCain als Vizekandidatin angetreten war. Bei den Demokraten ist Obama unangefochten. Anfang April erklärte er, eine Wiederwahl anzustreben.
Quelle: dapd , dpa , AFP
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