US-Politiker und Rabbiner in Betrugsskandal verstrickt
24.07.2009, 13:50 Uhr
Korruptionsverdacht: Festnahmen in New Jersey (Foto: AP)
Die US-Bundespolizei FBI hat am Donnerstag in einer Großaktion mehr als 29 Politiker und Beamte sowie fünf Rabbiner im Bundesstaat New Jersey und in New York festgenommen. Andere Quellen berichten sogar von mehr als 44 Personen. Sie seien noch am selben Tag wegen Korruption, Geldwäsche in Millionenhöhe oder Organhandel angeklagt worden, teilte das FBI mit.
Demnach nahm die Polizei unter anderem die Bürgermeister von Hoboken, Secaucus und Ridgefield in New Jersey sowie zwei Kongress-Abgeordnete aus dem Staat in Gewahrsam. Zudem befinden sich 15 Mitglieder eines internationalen Geldwäscherings in Untersuchungshaft, darunter die fünf Rabbiner aus syrisch-jüdischen Gemeinden im New Yorker Stadtteil Brooklyn und aus Deal in New Jersey.
"Einfach empörend"
Seit 2001 wurden in New Jersey bereits mehr als 130 Beamte wegen Korruption verurteilt oder haben sich schuldig bekannt. Das Ausmaß an Bestechung "ist einfach empörend und kann nicht hingenommen werden", sagte Gouverneur Jon Corzine. Der Leiter der Korruptionsabteilung der Bundespolizei FBI, Ed Kahrer, erklärte, das Problem in New Jersey sei eines der schlimmsten der ganzen USA.
Anonymer Kronzeuge gibt Informationen
Möglich wurden die Festnahmen dem FBI zufolge durch die Angaben eines anonymen Kronzeugen, der in die Skandale verwickelt war und seit drei Jahren mit der Bundespolizei zusammenarbeitet. Die Ermittlungen hätten ergeben, dass sich New Jerseys Politiker bestechen ließen, um bestimmte Projekte voranzutreiben. "Sie haben sich bereitwillig zum Kauf angeboten", sagte Ralph Marra, Bundesanwalt in New Jersey. "Korruption war für sie eine Lebenseinstellung."
Geldwäsche in großem Stil
Der Geldwäschering, in den die Religionsführer angeblich involviert waren, zeige Verbindungen in die Schweiz und nach Israel auf, hieß es weiter. "Religiöse Führer handelten wie Kriminelle", sagte Marra. Über jüdische Stiftungen, die von Rabbis in New York und New Jersey kontrolliert wurden, sollen Millionen Dollar gewaschen worden sein. Allein in den letzten beiden Jahren hätten die Rabbiner den Ermittlungen zufolge drei Millionen Dollar (2,1 Millionen Euro) gewaschen, die ihnen der Kronzeuge übergeben habe.
Viele gegen Kaution auf freiem Fuß
Der Vorwurf des Handels mit Organen und gefälschten Handtaschen erstrecke sich nicht auf die Politiker, erklärten die Behörden. Die meisten Festgenommenen wurden gegen Kautionszahlungen zwischen 300.000 und drei Millionen Dollar wieder auf freien Fuß gesetzt. In Israel dominierte der Polizeieinsatz am Freitag die Schlagzeilen, und die großen Tageszeitungen veröffentlichten Bilder ultraorthodoxer Juden, die von Ermittlern abgeführt wurden. Die israelische Polizei sei nicht beteiligt gewesen, sagte Sprecher Micky Rosenfeld.