12.01.2012, 21:18 Uhr
Nach dem Auftauchen eines Videos, in dem US-Marineinfanteristen angeblich auf die Leichen von Taliban-Kämpfern urinieren, sind zwei der vier Soldaten, die darin zu sehen sind, identifiziert worden. Sie seien auf der Militärbasis Camp Lejeune im US-Staat North Carolina stationiert, sagte ein Vertreter der Marineinfanterie. Laut einem Medienbericht hält das Pentagon das Video offenbar für echt.
In dem Clip sind vier Marines zu sehen, die über den blutigen Leichen von Aufständischen zu urinieren scheinen und dabei Witze reißen. Laut "Spiegel Online" geht man im US-Verteidigungsministerium nicht davon aus, dass es sich bei dem Video um eine Fälschung handelt.
"Diejenigen, die sich daran beteiligt haben, werden sich dafür in vollem Ausmaß verantworten müssen", wird Verteidigungsminister Leon Panetta zitiert. "Es könnte nicht ernster sein", sagte ein hochrangiger Ministeriumsmitarbeiter gegenüber US-Medien. Die Marineinfanteristen vom Stützpunkt Camp Lejeune im Bundesstaat North Carolina waren zwischen Februar und Oktober 2011 vorwiegend in der afghanischen Provinz Helmand im Einsatz.
Noch bevor überhaupt Klarheit über die Echtheit des Videos bestand, begann der Versuch der Schadensbegrenzung. Ein Team der hochkarätigen NCIS, der aus der gleichnamigen Fernsehserie bekannten Strafverfolgungsbehörde der Navy, leitete Ermittlungen ein.
Vier mutmaßliche Marineinfanteristen sorgen für einen neuen Skandal. zum Video
Schon das allein deutet nach Angaben von Militärexperten darauf hin, dass der afghanische Präsident Hamid Karsai seine prompte Forderung sehr wohl erfüllt bekommen könnte. Im Fall der Echtheit des Videos sollen die Übeltäter so schwer bestraft werden, wie es nur möglich ist.
Besonders bitter für das US-Militär und die Regierung: Der Zeitpunkt für einen derartigen Skandal hätte kaum schlechter sein können. Der Wahlkampf in den USA läuft bereits auf Hochtouren, US-Präsident Barack Obama muss sich gegen den republikanischen Vorwurf verteidigen, dass sein Zeitplan für den Truppenabzug aus Afghanistan riskant und voreilig ist. Da könne er sich keine zusätzliche Belastung der ohnehin stark angespannten Beziehungen zu Afghanistan erlauben, kommentierten Politanalysten im US-Fernsehen.
Erst im November war ein anderes unrühmliches Kapitel im amerikanischen Afghanistan-Einsatz abgeschlossen worden. Der Rädelsführer einer Gruppe von US-Soldaten wurde für mehrere Jahre hinter Gitter geschickt. Die Bande hatte aus reinem Spaß mit den Leichen von afghanischen Zivilisten posiert und abgetrennte Körperteile als Trophäen mitgenommen. Zuletzt feierte die US-Nation die zum Jahresende aus dem Irak heimkehrenden US-Soldaten als Helden und als Vorbilder. Und jetzt das.
Nun klingt in den Reaktionen wieder vieles so wie nach dem Skandal von Abu Ghraib, den Gefangenen-Misshandlungen durch US-Soldaten, die zu einem Symbol der US-Besetzung wurden. Dieses Verhalten sei völlig unangemessen und reflektiere nicht die Standards oder Werte der US-Streitkräfte, betont Verteidigungsminister Panetta.
Die im Video gezeigten Handlungen stünden "im Widerspruch zu unseren Kernwerten und spiegeln nicht den Charakter der Marines in unserem Korps wider", bekräftigt eine Sprecherin der Marineinfanterie. Wenn das Video echt sei, dann handele es sich um den Fehltritt einer einzelnen kleinen Soldatengruppe, betonen auch andere Militärvertreter.
So sieht es auch der pensionierte US-General James Marks. Aber er hofft zugleich, dass sich die Ermittlungen nicht nur auf die mutmaßlich urinierenden Soldaten erstrecken werden. Marks warf in einem Interview des Senders CNN die Frage auf, wie ausgerechnet Marines derartige unglaubliche "Verirrungen" an den Tag legen könnten.
Sie gehörten zur Elite der Streitkräfte, seien dazu ausgebildet, notfalls zu töten - aber in jeder Phase ihres Einsatzes Disziplin zu zeigen. "Wo waren ihre unmittelbaren Vorgesetzten?" wundert sich der Ex-General. "Welche Rolle haben sie dabei gespielt, dass sich diese Männer so außerhalb der Norm verhalten haben?"
Marks erinnert sich wohl an die Vorwürfe, die nach Abu Ghraib aufkamen: Den "Kleinen" sei es an den Kragen gegangen, die "Großen" habe man laufen lassen. Tatsächlich erhielten jene Militärpolizisten, die Gefangene misshandelten, teilweise längere Haftstrafen. Vorgesetzte, die nach dem Urteil vieler Experten ein Klima schufen, das diese Übergriffe erst möglich machte, seien ungeschoren davon gekommen. Tatsächlich wurde nur ein Offizier bestraft - mit einem Verweis.
Quelle: AFP , dpa , dapd
Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

Damenmode in den schönsten Sommerfarben - online bestellen und sparen. bei KLiNGEL.de
Höchste Qualität zum sagenhaft günstigen Preis: Hemden, Jacken u.v.m. von Daniel Hechter. mehr
Modische Multitalente für Business und Freizeit - für Frauen mit jedem Figur-Typ. zum XXL-Special
Entdecken Sie jetzt die modischen Hosen der Saison – in exzellenter Passform! von AtelierGS