31.10.2010, 18:35 Uhr
Die Urahnen der Menschen könnten aus Asien stammen (Foto: AP)
Der Mensch stammt möglicherweise doch nicht aus Afrika: Laut einem internationalen Forscherteam stellen neu entdeckte Fossilien von menschenähnlichen Primaten die gängige Out-of-Africa-Hypothese infrage, nach der sich die Vorfahren des Menschen in Afrika entwickelten und sich dann von dort aus über andere Kontinente verteilten.
Die jetzt gefundenen Überreste von vier Primatenarten, die vor 39 Millionen Jahren im heutigen Libyen lebten, sind die ältesten bisher bekannten Primatenfunde in Afrika. Fossile Hinweise darauf, wie ihre Entwicklung bis zu diesem Zeitpunkt verlief, fehlen jedoch vollständig.
Daher vermuten die Forscher, dass die Primaten aus einem anderen Kontinent nach Afrika eingewandert sein könnten. Hier hätte dann die weitere Entwicklung zum modernen Menschen stattgefunden. Über ihre Ergebnisse berichten die Wissenschaftler um Jean-Jacques Jaeger von der französischen Université de Poitiers in der Fachzeitschrift "Nature".
Der Ursprung der höheren Primaten, zu denen die Affen, Menschenaffen und der Mensch selbst zählen, sorgt unter Paläontologen seit langem für Diskussionen. Bisher gilt die Out-of-Africa-Theorie als gängiger Erklärungsansatz: Der Mensch ist demnach in Afrika entstanden und hat sich von dort aus über die ganze Welt verbreitet.
Doch einige sehr alte Fossilien-Funde von Primaten in Asien widersprechen dieser Theorie und legen einen asiatischen Ursprung der menschlichen Vorfahren nahe.
Die neuen Funde aus Libyen erstaunen die Forscher vor allem durch ihre Artenvielfalt: Sie gehören zu drei verschiedenen Primatenfamilien, die zur gleichen Zeit in Nordafrika lebten. Dieser Artenreichtum müsste sich vor mehr als 39 Millionen Jahren durch Evolution entwickelt haben. Doch für diese Entstehungslinie gibt es bisher keine fossilen Beweise. Die Primatenarten tauchen ganz plötzlich in Afrika auf, sagen die Forscher.
Dafür gäbe es zwei mögliche Erklärungen: Entweder existiere eine auffallende Lücke in der afrikanischen Fossilien-Geschichte oder die Primaten entwickelten sich auf einem anderen Kontinent und wanderten erst anschließend nach Afrika ein. Ersteres halten die Paläontologen jedoch für unwahrscheinlich, da die Ausgrabungsstätten Nordafrikas aus der entsprechenden Zeit gut dokumentiert sind und keine Fossilien enthalten, die auf eine solche Evolution der Primaten hindeuten. Deshalb ziehen die Forscher die Annahme vor, dass die Wurzeln der Menschheitsentwicklung in Asien zu finden sind.
Quelle: dapd
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