Seit dem Start der Umweltzonen in Großstädten vor einem Jahr steigt der Anteil schadstoffarmer Autos. Dies geht aus einer Erhebung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) hervor. Auch die Luft sei bereits sauberer geworden - zumindest nach Modellrechnungen. Für 2009 seien weitere Fortschritte zu erwarten, zumal es ab 2010 vielerorts mit Fahrverboten ernst wird.
Mit dem Jahreswechsel waren acht neue Umweltzonen eingeführt worden: in Augsburg, Bremen, Pforzheim, Karlsruhe, Ulm, Heilbronn, Mühlacker und Herrenberg. Bundesweit gibt es damit 32 Umweltzonen. Ziel ist es, die Belastung mit gefährlichem Feinstaub zu drücken, der schwere Atemwegserkrankungen und Krebs auslösen kann.
Zunächst müssen Autos mit Plaketten gekennzeichnet werden - je nach Schadstoffausstoß mit rot, gelb oder grün. Nur damit dürfen sie in die Umweltzone einfahren. Im nächsten Schritt sollen für Autos mit roten oder gelben Plaketten die Innenstädte tabu sein.
Strafen vielerorts erst ab 2010
Die "Scharfstellung" sei in vielen Städten für 2010 angekündigt, sagte DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch. "Derzeit sind die Umweltzonen nur im Spielbetrieb." Einzige Ausnahme sei Hannover, wo für rote Plaketten seit Jahresbeginn Fahrverbot herrsche. Da nun aber auch in anderen Städten das Ende der Schonfrist absehbar sei, würden immer mehr Autofahrer reagieren.
Hintergründe zum Klimawandel (Montage: T-Online)
"Jahr der Nachrüstung"
"Wir gehen davon aus, dass 2009 zum Jahr der Nachrüstung wird", sagte Resch. Nur in diesem Jahr gebe es für PKW auch noch den Steuernachlass von 330 Euro für die Nachrüstung eines Partikelfilters. Dieser hält den schädlichen Staub zum Großteil zurück, so dass nachgerüstete Autos meistens eine grüne Plakette erhalten.
Sprunghafter Anstieg von Autos mit grünen Plaketten
Schon im vergangenen Jahr stieg der Anteil der grünen Plaketten in den Städten, die mit Fahrverboten drohen. So waren nach einer Stichprobe der Umwelthilfe in Stuttgart am 1. März rund 70 Prozent der Fahrzeuge damit ausgestattet, im Dezember dann aber bereits gut 80 Prozent. In Ludwigsburg wuchs der Anteil in derselben Zeit von 69 auf 90 Prozent, in Köln von 61 auf 77 Prozent. Der Anstieg sei größer, als nach normalen Verschrottungszyklen zu erwarten sei, sagte Axel Friedrich, ehemaliger Verkehrsexperte des Umweltbundesamts. "Die Belastung der Menschen hat abgenommen."
Unterschiedlich scharfe Kontrollen
Entscheidend für die Wirkung der Umweltzonen seien Kontrollen, meinte Resch. Nach einer Überprüfung der Umwelthilfe sind in der neuen Zone in Herrenberg bereits jetzt, unmittelbar nach dem Start, 93,7 Prozent der Autos mit Plaketten ausgestattet. Denn dort seien Polizeikontrollen von geparkten und fahrenden Autos zu fürchten. In Augsburg hätten hingegen nur 67,4 Prozent der Wagen eine Plakette. Denn der Freistaat Bayern vertrete die Auffassung, geparkte Autos dürfe man nicht kontrollieren.
Resch räumte ein, dass es für einige Modelle - vor allem für Kleinlaster oder Pritschenwagen - noch keine Nachrüstsätze gebe. Ausnahmen in diesen Fällen seien akzeptabel, sagte er. In Berlin, wo vor einem Jahr eine der ersten Umweltzonen startete, laufen vor allem Gewerbetreibende mit älteren Fahrzeugen Sturm gegen die geplanten Beschränkungen. Immer wieder wird die Forderung erhoben, die Fahrverbote zu verschieben.