06.03.2010, 16:53 Uhr | Von Sabine Ränsch, dpa
Lachmöwen sind am Rhein derzeit einer tödlichen und rätselhaften Gefahr ausgeliefert (Foto: imago)
Tenside rätselhafter Herkunft bringen Lachmöwen am Rhein den Tod. "Hunderte von Tieren gehen ein", klagt Matthias Werner von der Staatlichen Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland in Frankfurt. Seit drei Jahren beobachtet er das mysteriöse Phänomen zwischen Wiesbaden und Mainz - und bisher weiß niemand, was zu tun wäre.
"Die Vögel sehen nass und struppig aus", beschreibt Tierschützer Werner seine Beobachtungen. Ihr Gefieder könne sie nicht mehr vor der Kälte schützen, weil die Substanzen die schützende Fettschicht auflösen. Die Möwen sterben schließlich an Unterkühlung. Bei strengem Frost frieren die Federn gar zu Eisklumpen - in diesem strengen Winter ist das besonders fatal: "Das können die Tiere nicht überleben."
Sogar das hessische Landeskriminalamt hat sich bereits eingeschaltet und Proben untersuchen lassen. Darin wurden die Emulgatoren Glycerin-Monooleat und Oleamin gefunden. Solche auch Tenside genannten Stoffe werden zum Beispiel dazu genutzt, zwei eigentlich nicht miteinander mischbare Flüssigkeiten wie Öl und Wasser zu vermengen. Verwendet werden sie unter anderem für Kosmetikprodukte und Lebensmittel. Unklar ist aber nach wie vor, woher diese Tenside stammen, sagt Werner. Auch eine Anzeige bei der Wasserschutzpolizei habe auf der Suche nach der Quelle nicht weitergeholfen.
Bislang sind einzig Lachmöwen von dem Problem betroffen, haben die Naturschützer beobachtet. Diese Tiere sind äußerst mobil und auch flexibel bei der Futtersuche, erklärt Matthias Werner. Tagsüber suchen sie sich in der weiten Umgebung ihr Futter. Werner vermutet daher, dass sie die Emulgatoren in Klärbecken aufsammeln, in denen möglicherweise Reste von Reinigungsmitteln aus einer Industrieproduktion landen. Heuser tippt auf einen Ort nahe der Mündung des Mains in den Rhein.
Solange die Quelle der Tenside nicht gefunden wird, lässt sich das Problem aber nicht aus der Welt schaffen. Für Laien sei das Leiden nur schwer zu erkennen, sagt Werner. Die meisten toten Tiere würden gar nicht gefunden, sie würden abgetrieben und am Ufer rasch von Krähen oder Füchsen gefressen.
Tragisch für die Möwen: Sobald sie sich putzen, verteilen sie die Substanzen immer stärker im Gefieder. Auch Baden hilft ihnen nicht. "Es ist grauselig, was hier passiert", findet Vogelliebhaber Witiko Heuser, der das Gebiet gut kennt. Seit 16 Jahren beobachtet er dort Lachmöwen und kontrolliert ihre Ringe. Deshalb weiß er, dass sie vor allem aus Litauen, Polen oder Finnland an den Rhein kommen, um hier den Winter zu verbringen. Im Frühjahr fliegen sie wieder in ihre Brutgebiete.
Auf dem Rhein schlafen die Möwen auch: Große Gruppen von einigen hundert Vögeln lassen sich im Wasser ein paar Kilometer flussabwärts treiben, fliegen dann zurück und lassen sich wieder treiben. Naturschützer beschreiben das nächtliche Schauspiel als "Schlafwalze". Mit den todbringenden Emulgatoren im Gefieder erfrieren die Vögel dann mitunter sogar im Schlaf.
Quelle: dpa
denkfix schrieb:
am 17. November 2010 um 12:32:45
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Mövensterben
es war schon länger bekannt und das auf jeden Fall schon 2009, jetzt so tun das dies neue Schlagzeilen wären, passiert ist
darauf nichts, morgen haben wir es verdrängt, da gibt es neue Alte Geschichten!
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1944 schrieb:
am 6. März 2010 um 19:26:09
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Lachmöwen
Es ist erschreckend, wie verantwortungs- u. gefühllos,wie rücksichtslos Menschen um des schnöden Mammons willen die Natur mit
Füßen treten, Leben, das uns sozusagen anvertraut ist. Die "Retourkutsche" wird kommen, und unsere Kinder und Kindeskinder werden es ausbaden müssen.
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joergschrieb schrieb:
am 6. März 2010 um 18:29:55
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Tenside
Die wirklichen Verursacher sind die auf "Geiz-ist-geil"-getrimmten Verbraucher! Die Möwen sind nur einer der natürlichen
Detektoren, die uns zeigen, dass hier etwas aus dem Ruder läuft, solange wir unseren Kindern nicht beibringen können (oder wollen), dass z. B. die Erdbeere aus dem Garten das richtige Erdbeeraroma hat und nicht das Aroma der damit befassten Industrie; und auch die Pflanze wird noch manipuliert, weil wir alles makellos wollen! Billigkonsumenten aller Länder, rottet Euch au
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