21.03.2011, 15:55 Uhr | Verena Schmitt-Roschmann, AP
Die Wälder in Deutschland sind durch den immer weiter steigenden Holzverbrauch stark strapaziert (Foto: Imago)
Umweltschützer sehen den deutschen Wald zunehmend in Gefahr, weil immer mehr Holz verfeuert wird. Die Verbände NABU und BUND kritisierten unter anderem die Subventionen für Biomasse und die zunehmend kommerzielle Nutzung der Wälder. Vor allem Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) griffen sie heftig an. Aigners Ministerium wies die Kritik zurück.
Hintergrund ist der Entwurf einer "Waldstrategie 2020" aus Aigners Haus vom Oktober. Darin wird der Wald unter anderem als "bedeutendste Rohstoffquelle für Biomasse" bezeichnet. Zudem heißt es: "Die zuverlässige und ortsnahe Rohstoffversorgung ist die wichtigste Grundlage für eine leistungsfähige und weltweit wettbewerbsfähige Holz- und Papierwirtschaft."
Doch erklärte Aigners Sprecher Holger Eichele, das Papier sei überholt. Entscheidungen stünden nicht an. Vielmehr handele es sich bei der Waldstrategie um einen "fortlaufenden Diskussionsprozess".
Die Umweltschützer verbuchten dies als ersten Erfolg ihrer Proteste, sehen aber in jedem Fall große Probleme. "Der Wald gerät immer mehr unter Druck", sagte BUND-Chef Hubert Weiger. "Einseitig auf die Steigerung der Holzproduktion zu setzen, ist ein Irrweg."
Nach Daten der Umweltschützer ist der Holzverbrauch in Deutschland seit 2002 um mehr als 40 Prozent gestiegen. 2001 seien 40 Millionen Kubikmeter Holz eingeschlagen worden, 2008 seien es 70 Millionen Kubikmeter gewesen. Die "energetische Verwertung" von Holz - zum Beispiel das Verbrennen in Kaminen oder Holzpellet-Heizungen - habe sich seit 2002 mehr als verdoppelt, zumal sie über das Erneuerbare Energien Gesetz gefördert wird.
Erstmals überhaupt werde für Brennholz mehr gezahlt als für Stammholz, sagte Weiger. Die Wälder würden geradezu leer geräumt und auch alte Bäume gefällt. Und Experten rechnen nach Darstellung der Verbände mit weiter steigendem Bedarf: Bis 2020 könnte eine "Holz-Versorgungslücke" von 30 Millionen Kubikmetern pro Jahr allein in Deutschland aufreißen.
NABU-Präsident Olaf Tschimpke erklärte, die wichtige Klimaschutzfunktion, Kohlendioxid zu binden, könne der deutsche Wald immer weniger erfüllen. Noch vor 20 Jahren habe er 17 Millionen Tonnen Kohlenstoff pro Jahr gespeichert. Heute seien es nur noch 4,7 Millionen Tonnen.
Hintergrund sei eine intensive Bewirtschaftung mit immer mehr schnell wachsenden Bäumen. Der ebenfalls als Kohlendioxid-Speicher dienende Boden werde durch Kahlschlag freigelegt und durch Maschinen geschädigt, meinte Weiger. "Damit mehr CO2 im Wald gebunden werden kann, müssen mehr Bäume und Holz im Wald verbleiben", heißt es in einem Fünf-Punkte-Papier der Umweltverbände zum besseren Schutz des Waldes.
Gefordert wird darin auch, mindestens fünf Prozent aller Waldflächen ohne Nutzung der Natur zu überlassen, die Bewirtschaftung auf den übrigen Flächen ökologisch auszurichten und vor allem den Wald in öffentlicher Hand unter ökologischen Gesichtspunkten zu zertifizieren und zu schützen. Die Politik müsse umsteuern - weg von der Ankurbelung des Holzverbrauchs hin zu einem sparsamen Umgang.
Aigners Ministerium betonte, man setze sich für "eine nachhaltige Nutzung" der Wälder ein und wolle Ressourcen besser schützen. "Dabei ist klar: Es soll nicht mehr Holz genutzt werden, als der Wald nachhaltig liefert", erklärte Eichele.
Klar sei aber auch, dass es Nutzungs- und Zielkonflikte gebe. Die Besitzer des Waldes wollten ihn nutzen, sagte Eichele. Beim Klimaschutz gebe es unterschiedliche Auffassungen. Aus Sicht des Agrarministeriums hilft der Trend zu jüngeren Bäumen sogar: "Ganz alte Bäume binden kaum noch zusätzlichen Kohlenstoff, sie sterben schließlich ab - und setzen dann das CO2 wieder frei", erklärte Eichele. Eine nachhaltige Bewirtschaftung mit Verjüngung der Bestände sei insgesamt klimaschonender als "die Konservierung des Status quo in einem Altbestand".
Quelle: dapd
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