26.01.2011, 13:24 Uhr | Von Winfried Zimmermann
Die Deutschen werden ihrem positiven Image beim Thema Umweltbewusstsein im Alltag nicht gerecht (Foto: Tim Bartel)
Deutschland ist das Land der Mülltrennung und Umweltplaketten. Deutschland ist führend in Umwelttechnologien. Der Ausbau der erneuerbaren Energien wird seit Jahren intensiv gefördert. Wir Deutsche sind was den Umweltschutz angeht Vorbilder. Könnte man meinen.
Tatsächlich stehen wir im internationalen Vergleich nicht schlecht da. An vielen Stellen sind die Erfolge von Umwelterziehung und –gesetzgebung mit Händen greifbar. Wer hätte etwa in den 60er Jahren gedacht, dass man eines Tages wieder guten Gewissens im Rhein schwimmen könnte?
Genau diese Entwicklungen sind allerdings auch eine reale Gefahr für die Zukunft. Wenn nämlich diese Erkenntnisse, gemeinsam mit den Debatten etwa darüber, ob der Mensch wirklich für den Klimawandel verantwortlich ist und welche Rolle überhaupt der Ressourcenverbrauch eines 80-Millionen-Volkes auf einer Erde mit sieben Milliarden Menschen spielt, dazu führen, dass man sich zurücklehnt und das Gelernte in Teilen wieder vergisst, ist niemandem geholfen.
Das Argument, das ökologisches Denken dabei zwangsläufig im Widerspruch zu ökonomischem Erfolg steht, und damit die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes beeinträchtigt, springt dabei deutlich zu kurz. Deutschland konnte seine führende Rolle in Umwelttechnologien und auch einen Teil seines Produktivitätsvorsprungs durch ressourcensparende Produktionsverfahren nur erreichen, weil das Thema Ressourceneffizienz dem Staat und seinen Bürgern, den Chefs und den einfachen Mitarbeitern gemeinsam ein Anliegen war. Darüber hinaus ist die Suche nach ressourcenschonenden Alternativen durch leistungsfähigere Prozesse oftmals auch ökonomisch sinnvoll – man denke nur an den Trade-Off zwischen See- und Luftfracht in der Beschaffung. Vorausschauendes, verantwortliches Denken – von Politik und Unternehmensführern gleichermaßen – ist gefragt!
Der Mentalitätswechsel in den 70er und 80er Jahren wurde über einen klassischen Change-Prozess herbeigeführt. Zunächst wurde dafür gesorgt, dass die Notwendigkeit für ein Umdenken erkannt wurde. Diese Aufgabe nahmen zunächst die Umweltbewegungen wahr; mit dem Einzug der Grünen in die Parlamente wurde die Erkenntnis nach und nach zum Allgemeingut und findet sich als „Nachhaltigkeit“ inzwischen in allen Parteiprogrammen wieder. Auch die Wirtschaft griff das Thema auf. Es wurden Aktionspläne entwickelt, die über Bildungsinstitutionen und Medien dafür sorgten, dass jeder Einzelne wusste, wie er oder sie selbst, privat oder am Arbeitsplatz, seinen Teil zum Schutz der Umwelt beitragen konnte. Egal ob die flächendeckende Einführung von Wasserspartasten an Toiletten oder die Nutzung von Recycling-Papier, die Beweislast wurde spätestens in den 80er Jahren umgedreht. Plötzlich musste sich nicht mehr rechtfertigen, wer es hatte und nutzte, sondern wer sich verweigerte. Doch wie konsequent werden diese Themen heute noch im Tagesgeschäft beachtet? Erst dann wäre der Change-Prozess nämlich erfolgreich abgeschlossen.
Inzwischen ist Umwelterziehung fester Bestandteil der schulischen Bildung. Allerdings ist das Thema ansonsten weitgehend aus dem Alltag der Menschen verschwunden. Man hat sich auf hohem Niveau gemütlich eingerichtet, die nicht eingetretenen Horrorprognosen von damals erreichen heute das Gegenteil ihres eigentlichen Zweckes. Die Wahrnehmung ist: Nur keine Unruhe, es kommt ja nie so schlimm wie vorausgesagt. Um zu vermeiden, dass die Stimmung eines Tages kippt, muss der gesamte Change-Prozess noch einmal durchlaufen werden, nur diesmal bis zum Ende. Das Ziel muss diesmal lauten: Make it stick!
Der 1957 geborene Autor Dr. Winfried Zimmermann ist Konzernvorstand Personal und Controlling der Otto Group in Hamburg. Er leitet im „Goinger Kreis – Zukunft Personal und Beschäftigung“ (www.goinger-kreis.de) den Arbeitskreis Umwelt. Dr. Zimmermann studierte Volkswirtschaftslehre und promovierte am Forschungsinstitut für Wirtschaftspolitik an der Universität Mainz.
Von Winfried Zimmermann
Helga schrieb:
am 26. Januar 2011 um 18:15:48
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Ach die Grünen...
Das einzige was ich getrennt in die Tonne kloppen würde, wären die Grünen. Die Damen und Herren Grüne, allen voran
diese Frau Höhn und diese Frau Künast.
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kolkrabe schrieb:
am 26. Januar 2011 um 17:37:28
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Scharfmacher
Das eine bedingt das andere. Während das Umweltbewußtsein von gewissen angegrünten Kreise in den religiös-esotherischen
Himmel gehoben wurde, in dem man sich sogar den Hintern mit grünem Öko-Tüll putzt, hat sich auf realer Volksebene ein ebenso irrationales Scharfmachertum gegen alles formiert, was auch nur im Ansatz nach Öko klingt. Inzwischen tobt der Kampf der Religionen. Mit Vernunft, Überlegung und Augenmaß haben beide Seiten schon lange nichts mehr am Hut.
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Heike schrieb:
am 26. Januar 2011 um 17:21:54
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Umweltbewußtsein
Wenn unsere Regierung aus Geldgier auf Kosten der zukünftigen Generationen die Atommeiler fördert und die radioaktive
Verseuchung über uns allen schwebt, wie soll man dann Menschen sensibilisieren Ihren Müll zu trennen. Dann kommt es für viele Bürger darauf auch nicht mehr an. Eigentlich müsste die Politik mit gutem Beispiel vorangehen, aber da werden uns wohl bald andere Länder überholen, die es besser machen als wir.
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