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Umfragen: Jein zum Bundeskanzler aus einer Einwandererfamilie

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Deutsche für Modell "Obama" noch nicht reif

18.11.2008, 11:07 Uhr

Von Christian Kreutzer

Wenn sie erwachsen sind, dürfte sich einiges geändert haben: Mädchen aus der muslimischen Reformgemeinde der Ahmadiyya bei einer Veranstaltung in Mannheim (Foto: dpa) Wenn sie erwachsen sind, dürfte sich einiges geändert haben: Mädchen aus der muslimischen Reformgemeinde der Ahmadiyya bei einer Veranstaltung in Mannheim (Foto: dpa)Die US-Amerikaner haben mit Barack Obama einen Präsidenten mit Migrationshintergrund gewählt. Wäre das auch in Deutschland möglich, hat Forsa im Auftrag des Fernsehsenders RTL kurz nach der Wahl gefragt? Die Antwort ist ein deutliches Nein: 58 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, Deutschland sei noch nicht soweit. 39 Prozent halten dagegen einen Bundeskanzler – oder eine Kanzlerin – aus einer Einwandererfamilie für möglich.

Unter den Letzteren ist ein hoher Anteil jüngerer Leute: 47 Prozent der 18- bis 29-Jährigen und immerhin noch 42 Prozent der 30- bis 44-Jährigen, halten einen Kanzler aus einer Einwandererfamilie für denkbar.

GrafikDeutschland bereit für Kanzler aus Einwandererfamilie?
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Kein Politiker von Obamas Qualitäten

"Es wäre schon ein Wunder, wenn ein Bayer Kanzler würde“, spottet Forsa-Chef Manfred Güllner im Gespräch mit t-online.de. Er sieht das Umfrageergebnis als Zeichen einer Gesellschaft deren Zusammenhalt insgesamt in Gefahr ist. Zudem gebe es in Deutschland keinen Politiker mit Obamas Qualitäten, so Güllner.

Jüngere optimistischer

Konzentriert man die Analyse allerdings auf das Meinungsbild unter den jüngeren Befragten, so wird - Güllners Einschätzung zum Trotz - aus dem Nein zum Kanzler aus der Einwandererfamilie möglicherweise bald ein Jein: Thomas Petersen vom Institut für Demoskopie in Allensbach untersucht seit Langem die Einstellung der Deutschen gegenüber Einwanderern - mit recht eindeutigen Ergebnissen.

Deutsche gewöhnen sich an Ausländer

"Es gibt Vorurteile und Ängste“, sagt Petersen. "Aber unter dem Strich merkt man, dass sich die deutsche Bevölkerung an die Anwesenheit von Ausländern gewöhnt.“ Auf die Frage "Leben heute zu viele Ausländer in Deutschland?“ hätten 1984 79 Prozent der Befragten mit Ja geantwortet, acht Prozent mit Nein. Heute antworteten nur noch 53 Prozent mit Ja, 24 Prozent mit Nein. Dabei, so Pertersen, lebten heute rund doppelt so viele Ausländer beziehungsweise Menschen mit ausländischem Familienhintergrund hier, als damals.

"Erstaunliche Fortschritte"

Die Vorurteile, hat Petersen beobachtet, nähmen da besonders stark ab, wo viele Ausländer lebten und die Deutschen sich an ihre Anwesenheit gewöhnt hätten. Dies sei vor allem in den Ballungsgebieten Süddeutschlands, wie Frankfurt am Main, Stuttgart oder München der Fall. Insgesamt gebe es "erstaunliche Fortschritte“ in Sachen Integration.

"Leitkultur“ kein Schimpfwort mehr

Dabei stellten die Deutschen heute viel klarere Anforderungen in punkto Anpassung an die Einwanderer und ihre Kinder. "Der Begriff 'deutsche Leitkultur’“, sagt Petersen, "ist kein Schimpfwort mehr.“

Nicht-grüner Özdemir hätte Chancen

Auf dieser Basis sei die Durchdringung der Politik mit Bürgern aus Einwandererfamilien jedoch kein Problem, ist Petersen überzeugt. Er verweist auf den neuen Grünen-Vorsitzenden Cem Özdemir - einen Schwaben mit türkischem Familienhintergrund. Sei der nicht gerade bei den Grünen sondern in einer Partei mit mehr Stimmenanteilen, so sei er für fast jedes Amt denkbar - eine Einschätzung, der auch Forsa-Chef Güllner zustimmt.

In zehn Jahren "oder auch erst in 100"

Mit anderen Worten: Die Meinung, Deutschland sei noch nicht reif für einen Bundeskanzler aus einer Einwandererfamilie dürfte wohl auf biologischem Wege abnehmen. Irgendwann, womöglich schon in näherer Zukunft, sei ein Bundeskanzler – oder eine Kanzlerin – mit beispielsweise türkischer Abstammung denkbar, glaubt Petersen. "Das kann in zehn Jahren sein, oder auch erst in 100 Jahren.“



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