Die Luft ist raus: Die SPD erholt sich in Umfragen nicht von ihrem Tief (Foto: imago)Jedes dritte SPD-Mitglied spielt mit dem Gedanken aus der Partei auszutreten. Das ergab eine Forsa-Umfrage für das Magazin "Stern". 36 Prozent der Befragten bejahten die Frage, ob sie angesichts der Turbulenzen der Partei in jüngster Zeit über einen solchen Schritt nachgedacht hätten. Immerhin sechs Prozent wollen demnach tatsächlich auch in Kürze austreten. Derzeit hat die SPD noch annähernd 532.000 Mitglieder. Auch bei der Wählergunst verharrt die SPD weiter im Rekordtief.
Die SPD bezeichnete die Ergebnisse als "völlig unbrauchbar", da Forsa-Chef Manfred Güllner keine Daten über SPD-Mitglieder für eine repräsentative Umfrage habe. "Statt Meinungsforschung betreibt Güllner durchschaubar Stimmungsmache", sagte Bundesgeschäftsführer Martin Gorholt. "Güllner führt einen Privatkrieg gegen die SPD. Seine Zahlen sind hochgradig unseriös", fügte er hinzu. Forsa gab an, 801 "repräsentativ ausgewählte Mitglieder" befragt zu haben.
Beck: Kaffeesatzlesen ergiebiger als Umfragen
Parteichef Kurt Beck wollte die Umfrageergebnisse nicht bewerten. "Was Herr Güllner aus seiner Glaskugel liest, das habe ich noch nie kommentiert. Das werde ich auch weiter nicht tun", sagte Beck. "Meine Großmutter hat aus dem Kaffeesatz viel klügere Sachen erfahren als das."
Mehrzahl lehnt Zusammenarbeit mit der Linken ab
Der Umfrage zufolge ist die Basis der SPD in wichtigen Fragen gegensätzlicher Auffassung. Dazu gehört die Kandidatur der Professorin Gesine Schwan bei der Bundespräsidentenwahl gegen Amtsinhaber Horst Köhler: 52 Prozent der SPD-Mitglieder begrüßen dies, 48 Prozent nicht. Eine Zusammenarbeit mit den Linken wird von 59 Prozent abgelehnt, 37 Prozent sind dafür.
Beck steht schlecht da
Die Arbeit von Parteichef Kurt Beck bewerteten 40 Prozent der befragten SPD-Mitglieder gut, 60 Prozent dagegen schlecht. Einen stärkeren Einfluss von Vize-Parteichefin Andrea Nahles vom linken Flügel wünschen 43 Prozent, 57 Prozent sind dagegen.
Linke hält Höchstwert
Wie schon in der vergangenen Woche landete die Partei in der Wählergunst nur bei 20 Prozent - dem bisher niedrigsten Wert. Auch die in Steuerfragen zerstrittene Union muss im Vergleich zur Vorwoche einen Punkt abgeben: Sie sinkt auf 35 Prozent. Die FDP klettert dagegen um einen Punkt auf ein neues Jahreshoch von 14 Prozent. Die Linke hält ihren Höchstwert von 15 und die Grünen verschlechtern sich um einen Punkt auf elf Prozent. Mit zusammen 49 Prozent liegen Union und FDP nur drei Punkte vor der SPD, Grünen und Linkspartei.
Nur noch 55 Prozent unterstützen Koalition
Die Zustimmung zur Großen Koalition ist so gering wie nie seit der vergangenen Bundestagswahl. Zusammen erhalten Union und SPD nur noch 55 Prozent. Bei der Wahl im September 2005 hatten sie gemeinsam 69,4 Prozent der Stimmen bekommen.