"Ahnung": die in Überlingen entdeckte Notenhandschrift von Robert Schumann (Foto: ddp)
Musikalischer Sensationsfund: Eine bisher unbekannte Notenhandschrift des Komponisten Robert Schumann (1810 - 1856) ist in Überlingen am Bodensee entdeckt worden. Bei dem Autograph handele es sich um ein Klavierstück mit dem Titel "Ahnung", teilte die Stadt mit.
Die undatierte Komposition stammt nach Expertenmeinung aus dem Jahr 1838, als Schumann das 13-teilige Pianowerk "Kinderszenen" komponierte. Das haben Wissenschaftler der Arbeitsstelle München des "Internationalen Quellenlexikons der Musik" und der Robert-Schumann-Forschungsstelle Düsseldorf herausgefunden.
Der Düsseldorfer Wissenschaftler Michael Beiche sprach von einer "Sensation" für die Schumann-Forschung. Mehr als ein Dutzend ähnlicher kleiner Stücke seien verschollen. Das Notenblatt, das in der Überlinger Leopold-Sophien-Bibliothek gefunden wurde, gebe einen wichtigen Einblick in Schumanns Schaffenszeit Ende der 1830er Jahre und seinen kompositorischen Schaffensprozess allgemein.
Widmung stammt von Clara Schumann
Das Blatt im Format 21,5 mal 34 Zentimeter trägt eine Widmung der Frau des Komponisten, Clara Schumann, an den befreundeten Lithographen und Fotografen Julius Allgeyer (1829 - 1900). Allgeyer, dessen Familie aus Überlingen stammte, und das Ehepaar Schumann kannten sich aus Düsseldorf, wo der Komponist städtischer Musikdirektor gewesen war. Von Clara Schumann ist unter anderem handschriftlich die Tempoangabe des Stücks "Langsam" vermerkt.
Aufführung im September
Der in Überlingen lebende Bruder des Beschenkten, der Kunstsammler und Autor Leo Allgeyer (1827 - 1891), hatte der wissenschaftlichen Bibliothek 1888 eine Mappe übergeben, in dem die Schumann-Komposition lag. Bei Erfassung und neuer Katalogisierung dieses Nachlasses war die Leiterin Roswitha Lambertz 2006 auf die Notenhandschrift gestoßen. Im September soll das Schumann-Werk in Überlingen im Rahmen eines Konzerts erstmals erklingen.
Vertreter der Romantik
Schumann gilt als herausragender Vertreter der musikalischen Romantik. Im Mittelpunkt seines Schaffens standen Klavierwerke und Lieder. Berühmt sind besonders seine Vertonungen von Gedichten von Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich Heine oder Joseph von Eichendorff. Der in Zwickau geborene Schumann war mit Clara Wieck (1819 - 1896) verheiratet, selbst eine große Pianistin und Komponistin. Bei deren Vater hatte der junge Schumann in Leipzig Klavierunterricht genommen - neben seinem Jurastudium. Ab einem Alter von 20 Jahren widmete er sich aber ganz der Musik.
Endstation Psychiatrie
Eine Profi-Karriere als Pianist blieb ihm wegen einer Fingerlähmung versagt. Deshalb verlegte er sich zunächst aufs Komponieren und Schreiben über Musik. 1834 gründete er die "Neue Zeitschrift für Musik". Später lehrte er Komposition am Leipziger Konservatorium und leitete Orchestervereinigungen in Dresden. 1850 wurde Schumann städtischer Musikdirektor in Düsseldorf. Doch schon drei Jahre später musste er die Position wegen einer Erkrankung aufgeben. Nach einem Selbstmordversuch verbrachte er seine letzten Lebensjahre in der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Endenich bei Bonn.