22.03.2010, 12:01 Uhr | dpa
Der spektakuläre Überfall auf das Poker-Turnier in Berlin ist weitgehend aufgeklärt. Ein 21-Jähriger hatte sich bereits am Montag den Behörden gestellt und die Tat gestanden. Am späten Mittwochnachmittag konnte die Polizei dann noch einen weiteren mutmaßlichen Täter in Berlin festnehmen.
Der Mann habe bei einer Routine-Kontrolle am U-Bahnhof Rosenthaler Platz in Berlin-Mitte ausgesagt, dass nach ihm gefahndet werde und sei daraufhin festgenommen worden, sagte ein Polizeisprecher.
Die Bande der vier jungen Männer aus Kreuzberg und Neukölln erbeutete am 6. März bei dem Raubüberfall im Luxushotel Grand Hyatt am Potsdamer Platz im Zentrum Berlins 242.000 Euro. Eine bereits mit weiteren rund 600.000 Euro gefüllte Tasche konnte von einem Sicherheitsmann und einem Hotelmitarbeiter sichergestellt werden. Die Täter wurden von Videokameras gefilmt und hinterließen zahlreiche Spuren.
Der Fahndungsdruck sei so groß gewesen, dass sich schließlich der erste mutmaßliche Täter gestellt habe, sagte Oberstaatsanwalt Sjors Kamstra auf einer Presskonferenz am Nachmittag. Der 21-Jährige habe detaillierte Angaben zum Überfall gemacht und nach "intensiver Befragung" auch seine Komplizen verraten. Der Fernsehsender RBB berichtete, der Versuch, die noch flüchtigen Männer in ihren Wohnungen festzunehmen, sei allerdings gescheitert. Die Männer hatten die Wohnungen bereits verlassen.
Der zuerst festgenommene Räuber war bei dem Überfall von einem Wachmann zeitweise in den Schwitzkasten genommen worden. Ein Komplize konnte ihn zwar wieder befreien, aber ein Foto des Maskierten mit deutlich sichtbaren Augen ging durch die Presse. Vor diesem Hintergrund hatte die Polizei eine schnelle Aufklärung in Aussicht gestellt. Der Täter sei jetzt lediglich seiner Festnahme zuvorgekommen, sagte der Oberstaatsanwalt. Ob eine Kronzeugenregelung infrage komme, müsse das Gericht entscheiden. Seinen Teil der Beute wolle der Mann wohl über seinen Rechtsanwalt zurückgeben.
Alle vier jungen Männer im Alter zwischen 19 und 21 Jahren waren der Polizei schon durch Diebstähle oder Raubüberfälle bekannt und saßen auch teilweise schon im Gefängnis. Einer von ihnen gilt als vielfacher Wiederholungstäter. Zwei Beschuldigte sind türkische Staatsbürger, einer ist Deutscher mit türkischen oder arabischen Wurzeln und einer staatenlos.
Auf die Spur der Räuber kam die Polizei über einen Zeugen. Dieser notierte sich das Kennzeichen des Wagens, mit dem die Bande nach dem Überfall flüchtete. Das Kennzeichen habe direkt zu einem der Täter geführt, sagte der Leiter des Raubdezernats der Kriminalpolizei, Stefan Teller. In den nächsten Tagen habe die Polizei weiter Spuren ausgewertet und Beweise gegen den Verdächtigen gesammelt, bis am 12. März ein Haftbefehl ausgestellt wurde.
Von Hintermännern der Bande sei zur Zeit nichts bekannt, sagte Staatsanwalt Frank M. Heller. Der festgenommene Mann habe gesagt, er habe das Hyatt-Hotel und das Turnier ausgekundschaftet. "Als er gesehen hat, dass das Wachpersonal keine Schusswaffen hat, haben sie den Entschluss zum Überfall gefasst."
Unklar ist noch, welcher Zusammenhang zwischen der Bande und dem Mann besteht, der am vergangenen Freitag festgenommen und einen Tag später wieder freigelassen wurde, weil er ein Alibi hatte. Laut Heller fand die Polizei bei dem Mann einen Zettel mit sechs Namen, von denen drei zu der jetzt bekannten Bande gehören.
Quelle: dpa
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