Aus der Luft wird das Ausmaß der Schäden besonders deutlich (Foto: dpa)
Der Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln und zweier Nachbarhäuser in der Kölner Südstadt steht nach ersten Erkenntnissen im Zusammenhang mit dem Bau der U-Bahn. Feuerwehr-Direktor Stefan Neuhoff sagte, in einer unmittelbar benachbarten 28 Meter tiefen Baugrube sei wohl eine Öffnung entstanden. In diese Öffnung sei Erde nachgerutscht, und dadurch sei dem Historischen Archiv möglicherweise der Boden entzogen worden. Die Zahl der Vermissten hat sich derweil auf drei reduziert.
Zunächst war in den Trümmern nach neun Menschen gesucht worden, später stellte sich heraus, dass sechs Vermisste gar nicht am Unglücksort waren.
Sollten tatsächlich Menschen verschüttet worden sein, sind ihre Überlebenschancen gering. "Eine schnelle Rettung ist nicht möglich", sagte Neuhoff. Es sei unwahrscheinlich, dass sich in dem Schutt Hohlräume befänden.
Unglücksstelle muss gesichert werden
Wegen Einsturzgefahr müsse nun zunächst die Unglücksstelle gesichert werden, wozu 1000 Kubikmeter Beton nötig seien. Mit den Bergungsarbeiten könne nicht vor Mittwoch begonnen werden.
Aushubarbeiten für eine Weichenkonstruktion
Der Projektleiter der Kölner Verkehrsbetriebe für die U-Bahn-Erweiterung, Rolf Papst, sagte, es könne sein, dass die Absackung mit Aushubarbeiten in der Baugrube zu tun habe. Dort entsteht zurzeit eine Weichenkonstruktion.
(Foto: dpa)
Auch ein Altenheim evakuiert
Nach Angaben der Stadt mussten die Menschen in einem Umkreis von 150 Metern um die Unglückstelle ihre Häuser verlassen. Auch ein benachbartes Altenheim wurde evakuiert. Keine Hinweise hatten die Helfer darauf, dass Schüler von zwei benachbarten Schulen von dem Unglück betroffen sein könnten. Auch die Mitarbeiter und Besucher des Stadtarchivs hätten sich nach ersten Erkenntnissen allesamt rechtzeitig in Sicherheit bringen können - ebenso wie zwei Dachdecker.
Risse angeblich unbedenklich
Nach Angaben von Gutachtern dürften früher festgestellte Risse am Gebäude nicht für das Unglück verantwortlich sein. Die im Zuge des U-Bahn-Baus entstandenen Risse an dem Gebäude seien mit Blick auf die Statik unbedenklich gewesen, hieß es.
Ehemaliger Abteilungsleiter erhebt Vorwürfe
Eberhard Illner, ein langjähriger Abteilungsleiter des Stadtarchivs, hatte zuvor von einer "absehbaren Katastrophe" gesprochen. Er selbst habe im Sommer letzten Jahres Senkungsrisse im Keller festgestellt und dies auch an die Archivleitung weitergegeben, sagte Illner im Deutschlandradio Kultur. Noch am Dienstag sei ihm von der Stadt bestätigt worden, dass seine Hinweise eingegangen seien: "Man wird also jetzt danach forschen müssen, wer dafür verantwortlich ist", sagte Illner.
Nachlässe bedeutender Persönlichkeiten im Gebäude
Bei dem eingestürzten Gebäude handelt es sich um das alte Stadtarchiv in der Severinstraße in der Südstadt. In dem Archiv lagerten unter anderem auch die Nachlässe bedeutender Persönlichkeiten wie des Komponisten Jacques Offenbach oder des Literatur-Nobelpreisträgers Heinrich Böll. Der Notar Konrad Adenauer, Enkel des ersten Bundeskanzlers gleichen Namens, befürchtet, dass beim Einsturz auch zahlreiche Archivalien seines Großvaters zerstört worden sein könnten.
Das Gebäude des Historischen Stadtarchivs in der Kölner Südstadt (Foto: dpa)
Risse in der Zimmerdecke
Ein Anwohner, der zwei Häuser neben dem Unglücksort wohnt, berichtete, gegen 14 Uhr sei ein Knarren und Poltern zu hören gewesen. Dann hätten sich plötzlich Risse in der Zimmerdecke aufgetan und er sei so schnell er konnte aus dem Haus gerannt. Augenzeugen berichteten auch davon, dass Bauarbeiter gerufen hätten, man solle sich schleunigst in Sicherheit bringen.
"Wie nach einem Erdbeben"
"Es sieht aus wie nach einem Erdbeben", hatte ein Polizeisprecher kurz nach dem Unglück gesagt. Die Trümmer bedeckten nach seinen Worten eine Strecke von 50 bis 70 Metern. Die Feuerwehr war mit rund 180 Einsatzkräften im Großeinsatz. Das Gelände rund um den Kölner Waidmarkt wurde weiträumig abgesperrt.
Mehrere Stockwerke hohe Staubwolke
Der Rentner Peter Steinkamp berichtete, er sei gerade die Straße hochgegangen, als es einen "Riesenkrach" gegeben habe und eine mehrere Stockwerke hohe Staubwolke aufgestiegen sei.
"Wie am 11. September"
Die Kioskbesitzerin Paraskevi Oustampasiadi sagte, sie habe eine riesige Staubwolke gesehen. "Die komplette Kreuzung war in dunklem Nebel. Das sieht hier aus wie am 11. September."
"Schiefer Turm" ganz in der Nähe
Unweit der Einsturzstelle hatte im September 2004 schon einmal ein Beinahe-Einsturz für Aufsehen gesorgt. Der Turm der Kirche St. Johann Baptist kippte damals um 75 Zentimeter zur Seite und wurde als "schiefer Turm von Köln" bekannt. Auch damals waren unterirdische Bauarbeiten im Vorfeld eines U-Bahn-Baus die Ursache gewesen. Der Turm wurde rund ein Jahr später wieder aufgerichtet.