Joseph Biden und Sarah Palin gaben sich im TV-Duell keine Blöße (Foto: Reuters)Die 90-minütige Fernsehdebatte der beiden US-Vizepräsidentschafts- kandidaten ist ohne Eklat über die Bühne gegangen. Die Republikanerin Sarah Palin konnte sich als politischer Neuling nach Ansicht von Analysten gut gegen den demokratischen Politveteranen Joe Biden behaupten. Sie vermied frühere Fehler in ihrer außenpolitischen Argumentation, während sich Biden mit bissigen Bemerkungen zurückhielt, für die er allgemein bekannt ist. Beobachter sprachen denn auch von einer ausgeglichenen Debatte.
Beide versuchten die Zuschauer davon zu überzeugen, dass ihr jeweiliger Präsidentschaftskandidat, der Demokrat Barack Obama und der Republikaner John McCain, am besten geeignet sei, das Land in den gegenwärtigen turbulenten Zeiten zu führen.
Den ersten Teil der Debatte beherrschten die Wirtschaftspolitik und die aktuelle Finanzkrise. Palin verwies auf die Sorgen der Bürger und versicherte, sie und McCain seien in der Lage, das krisengeschüttelte Finanzsystem zu reformieren. Wiederholt charakterisierte sie sich und McCain als Team, das dem Land den erforderlichen Wandel bringen werde.
Biden kritisierte dagegen den Wirtschaftskurs der Republikaner während der achtjährigen Amtszeit von Präsident George W. Bush und sagte, McCain werde genau diese Politik fortführen. Palin entgegnete, Biden solle den Blick nicht nach hinten, sondern nach vorn richten.
Streitpunkt Irak
Zur größten Kontroverse zwischen den beiden Kandidaten kam es in der Einschätzung der Irak-Politik. Palin warf den Demokraten vor, sie wollten "die weiße Fahne der Kapitulation" aufziehen. Sie kritisierte Obama für seinen Widerstand gegen eine Aufstockung der US-Truppen im Irak, obwohl doch gerade dieser Schritt zur Eindämmung der Gewalt geführt habe. Biden entgegnete, die Republikaner lägen mit ihrer Politik absolut falsch, und dies gelte auch für McCain. Dieser habe bislang nicht nachweisen können, dass sich seine Pläne für den Nahen und Mittleren Osten auch nur im geringsten von denen des unpopulären Präsidenten Bush unterschieden.
Keine Einigkeit über Erderwärmung
Zum Klimaschutz erklärte Palin, die Erderwärmung sei nicht ausschließlich auf die wirtschaftlichen Aktivitäten des Menschen zurückzuführen. Es habe in der Erdgeschichte schon immer zyklische Temperaturschwankungen gegeben. Biden wies dies zurück. Für die jetzige Situation sei eindeutig der Mensch verantwortlich, und wer diese Ursache nicht verstehe, könne auch keine Lösungen anbieten.
Nur ein Viertel der Wähler hält Palin für erfahren genug
Für Palin ging es in der Debatte in erster Linie darum, ihre Eignung für das angestrebte Staatsamt unter Beweis zu stellen. Laut einer am Tag vor dem Fernsehduell veröffentlichten Umfrage hielten zu diesem Zeitpunkt nur noch 25 Prozent der Wähler die 44-jährige Gouverneurin von Alaska für erfahren genug. Kurz nach ihrer umjubelten Nominierung Ende August waren es 41 Prozent. Der 65-jährige Biden dagegen hat mit 35 Jahren Senatserfahrung den Ruf eines sachkundigen Politprofis.