01.03.2010, 20:48 Uhr
Tutanchamun war der Spross einer Geschwisterbeziehung (Foto: AP)
Der legendäre ägyptische Pharao Tutanchamun ist ein Kind aus einer Inzestbeziehung. Wie aus einer am Mittwoch in Kairo vorgestellten Genuntersuchung hervorgeht, war der Pharao Echnaton der Vater von Tutanchamun. Nofretete, die für ihre Schönheit berühmte Hauptfrau von Echnaton, komme als Mutter aber nicht in Frage, sagte der Chef der ägyptischen Altertumsverwaltung, Sahi Hawass.
Als Mutter identifizierten die Forscher stattdessen eine bisher unbekannte Frau, die Echnatons Schwester war. Es handelt sich um die sogenannte "Jüngere Dame", deren Überreste ebenfalls im Tal der Könige entdeckt worden waren. Wer sich genau hinter der Mumie mit der Bezeichnung KV35YL verbirgt, ist unbekannt.
Es gebe noch eine zweite - theoretisch mögliche - Erklärung für die große genetische Ähnlichkeit von Tutanchamuns Vater und Mutter, so der Mumienforscher Albert Zink von der Europäischen Akademie in Bozen (EURAC): Echnaton könnte Tutanchamun auch mit einer seiner Töchter gezeugt haben. Er konnte sie heiraten, "weil er ein Gott war", erläuterte Hawass. "Auch Tutanchamun hat seine Schwester beziehungsweise Halbschwester Anchesenamun geheiratet", sagte Zink. "Solche Verbindungen innerhalb der königlichen Familie waren nicht unüblich." Der jugendliche Pharao zeugte mit seiner Frau zwei Kinder, die jedoch tot geboren wurden. Die beiden Föten wurden ebenfalls in seinem Grab gefunden. Mit dem Tod Tutanchamuns ging die mächtigste Herrscherdynastie des Neuen Reichs zu Ende, der wohl bekanntesten Epoche der Pharaonenzeit.
Tutanchamun, dessen goldene Totenmaske weltbekannt ist, lebte vor rund 3300 Jahren. Er bestieg den ägyptischen Thron mit nur neun Jahren und starb zehn Jahre später. Schon bisher ging der Großteil der Altertumsforscher davon aus, dass sein Vater der berühmte "Ketzer"-Pharao Echnaton war. "Ketzer" deshalb, weil er versucht hatte, in Ägypten den Monotheismus einzuführen: Sonnengott Aton sollte - zu Verbitterung der Priesterschaft - über alle anderen Götter herrschen.
Hawass und sein Team, darunter auch der Tübinger Humangenetiker Carsten Pusch, untersuchten mehr als zwei Jahre lang insgesamt 16 Mumien, darunter die von Tutanchamun und zehn weiteren Mitgliedern der königlichen Familie. Sie erstellten genetische Profile der Verwandten und einen Stammbaum über fünf Generationen. Die bestätigten offenbar, dass Echnaton Kind von Amenophis III. und dessen Frau Teje war. Tutanchamuns Mutter ist aber gleichfalls ein Kind aus dieser Beziehung, der Kindpharao entsprang damit aus einer Bruder-Schwester-Beziehung. Wer die Mutter war, bleibt ein Geheimnis. "Wir kennen ihren Namen nicht", sagte Altertümer-Chef Hawass.
Neben der Abstammung Tutanchamuns klärte die Studie auch die wahrscheinliche Todesursache des Kindpharaos. Die genetischen und radiologischen Untersuchungen ergaben, dass Tutanchamun wahrscheinlich an einer schweren Form von Malaria erkrankte, als sein Körper schon durch eine Knochenkrankheit geschwächt war. "Er war krank, schwach und ging an einem Stock", sagte Hawass. Im Alter von 19 Jahren sei er dann gestürzt und kurze Zeit später gestorben.
Ein kleines Kalksteinrelief im Ägyptischen Museum in Berlin untermauert die neuen Forschungsergebnisse zum schlechten Gesundheitszustand Tutanchamuns: Es stellt ein Königspaar beim Spaziergang im Garten dar. Auf diesem Bild werde der jugendliche König mit Krückstock gezeigt und eines seiner Beine sei sehr dünn und kraftlos dargestellt. "Die Kunstgeschichte liefert den Bildbeleg, liefert die Illustration zu der naturwissenschaftlichen Analyse."
Der renommierte Berliner Ägyptologe Dietrich Wildung stellte derweil eine Aussage des Kairoer Forscherteams in Frage: Ob die Mumie, die jetzt als Vater des Pharaos identifiziert worden sei, tatsächlich Pharao Echnaton sei, bleibe weiter offen. "Auf den Mumien steht nicht drauf, wer sie sind", sagte der frühere Direktor des Ägyptischen Museums in Berlin am Mittwoch dem Sender MDR Info. Die beiden Mumien seien ganz offensichtlich umgebettet worden. Damit erlaubten die Fundumstände auch keine verlässliche Aussage über deren Identität. Allerdings gebe es eine Wahrscheinlichkeit, dass Echnaton der Vater von Tutanchamun gewesen sei.
Der Tübinger Wissenschaftler Carsten Pusch war ebenfalls an den Untersuchungen in dem fünf Millionen Dollar teuren DNA-Labor in Kairo beteiligt. "Tutanchamun hat an der schwersten Form von Malaria, der Malaria tropica, gelitten", erklärte er. "Dies könnte zusammen mit der Knochennekrose zum Tod geführt haben." Im Grab wurden auch verschiedene Pflanzenreste gefunden, die diese Diagnose stützen. Sie hatten eine fiebersenkende und schmerzlindernde Wirkung. "Er war ein wirklich armer Kerl", so Pusch.
Quelle: dpa , AFP
Michel schrieb:
am 9. Juli 2010 um 14:43:07
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Tutanchamun
Wenn schon DNS Untersuchungen durchgeführt wurden, dann wissen diese Leute mehr mehr als sie veröffentlichen dürfen. Denn die
Abstammung, ob Hebräer oder Ägypter, ist nicht nur für seine Person, sondern auch für die seines Vaters Echnaton hoch brisant. Die Wissenschaftler dürfen auf Druck - der Regierung in Ägypten sowie auch Israel - das Geheimniss nicht an die Öffentlichkeit bringen. Es steckt mehr dahinter, als sich jeder Christ,Moslem oder Jude sich vorstellen kann.
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Sir Rüdiger schrieb:
am 30. März 2010 um 10:55:14
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Tut-Anch-Amun
Zunächst trug er den Namen Tut-Ach-Aton... Somit ist offensichtlich, dass er der Sohn des "Ketzers" war. - Wie mein
Vorkommentator "dusan" schon bemerkte: europäischer Hochadel strotzt nur so von Inzest. Gemäß der Bibel gab es ja nur Adam und Eva (feste daran glauben...)...
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Kairoblue schrieb:
am 30. März 2010 um 10:30:19
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Tutanchamun
guter Artikel aber paar Bilder wären okay
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