23.06.2010, 20:38 Uhr
Seit Jahrzehnten rätseln Wissenschaftler über die Todesursache von Tutanchamun (Foto: dpa)
Hamburger Forscher haben Zweifel an der von einer ägyptischen Wissenschaftlergruppe ermittelten Todesursache des legendären Pharaos Tutanchamun angemeldet. Dieser sei möglicherweise doch nicht an Malaria in Kombination mit einem seltenen Knochendefekt, sondern an der Sichelzellenkrankheit gestorben, erklärten die Mediziner Christian Timmann und Christian Meyer vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI).
"Malaria in Kombination mit der Köhler-Krankheit als Grund für den frühen Tod Tutanchamuns erscheint uns eher unwahrscheinlich", erklärten die Forscher. Sie vermuten vielmehr eine Erbkrankheit als Todesursache, die Sichelzellkrankheit.
Ein Forscherteam um den Ägyptologen Zahi Hawass hatte seine Ergebnisse im Februar im "Journal of the American Medical Association" veröffentlicht. Grund für den plötzlichen Tod des Regenten im Alter von 19 Jahren war demnach eine schwere Malaria in Kombination mit einer Knochenerkrankung, der extrem seltenen Köhler-Krankheit. Das hätten genetische, forensische und radiologische Untersuchungen ergeben, schrieb die Hawass-Gruppe.
Die Hamburger Forscher haben ihre Zweifel an dieser Theorie in einem Leserbrief an die Zeitschrift geäußert. Sie schlagen vor, den Pharao mit weiteren DNA-Tests auf eine Sichelzellkrankheit zu untersuchen. "Tropenmedizinern ist bekannt, dass in Malariagebieten Todesfälle aufgrund von Malaria meist im Kindesalter auftreten", erklärte Timmann. Tutanchamun sei jedoch erst im jungen Erwachsenenalter gestorben, womit eine tödlich verlaufende Malariainfektion wenig plausibel scheine.
Die von Hawass entdeckten Knochenschäden seien außerdem auch für die Sichelzellkrankheit typisch, die oft in Malariagebieten umgehe. Bei der Sichelzellkrankheit nehmen die roten Blutzellen unter bestimmten Bedingungen eine Sichelform an, verschließen Blutgefäße und können dadurch Organe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgen. Sind Knochen betroffen, können Knochenschäden die Folge sein.
"Aufgrund der Erfahrung als Tropenmediziner erscheint uns eine Kombination von Malaria und Sichelzellenkrankheit als viel wahrscheinlicher", so Timmann. Mit modernen Geräten könne innerhalb einer Stunde eine DNA-Analyse erstellt werden, die Sichelzellen bestätigen oder ausschließen würde. Timmann erklärte, die Hawass-Forschergruppe habe sich inzwischen für den Hinweis aus Hamburg bedankt. Die Sichelzellen-Prüfung werde nachgeholt. Die Ägypter lehnten allerdings das Angebot des Hamburger Instituts ab, die Analyse dort vorzunehmen, wie Timmann sagte.
Tutanchamun ist der wohl bekannteste ägyptische Pharao. Das liegt weniger an seinem politischen Wirken als vielmehr an dem Umstand, dass sein im Tal der Könige gelegenes Grab 1922 weitgehend unberührt gefunden wurde. Der Herrscher, der den Thron schon als Kind bestiegen hatte, starb nach nur neunjähriger Regentschaft um 1324 vor Christus. Er ist der Sohn des berühmten Pharaos Echnaton, wie die Hawass-Forschungen auch ergeben hatten. Über die Todesursache Tutanchamuns im Alter von nur 19 Jahren wurde viel spekuliert, auch Mord wurde lange für möglich gehalten.
Vor den Hawass-Ergebnissen hatten ein internationales Forscherteam per Computertomographie eine möglicherweise schon vor dem Tod vorhandene Fraktur des Oberschenkelknochens festgestellt. Dabei könnte es sich um eine offene Wunde gehandelt haben, die sich infiziert und damit zum Tod des Königs geführt habe, sagte der Radiologe Ashraf Selim von der Universität Kairo 2006 auf einer Fachtagung in Chicago.
Eine ältere Hypothese, wonach Tutenchamun nach einem Schlag auf den Kopf gestorben war, erwies sich schon damals als nicht haltbar. Die am Kopf gefundenen Knochensplitter, die zu dieser Annahme geführt hatten, stammten laut Selim vom ersten Halswirbel. Dort seien sie vermutlich abgebrochen, als die Expedition um Howard Carter 1922 das Grab im Tal der Könige gefunden und versucht habe, eine Goldmaske zu lösen.
Quelle: dapd , AFP
Historiker schrieb:
am 24. Juni 2010 um 15:33:42
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Sensationsgier
wen interessiert das, der Bursche ist seit 3500Jahren tot, kümmert euch lieber um die Lebenden
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Peter schrieb:
am 24. Juni 2010 um 13:43:20
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@ H. Schiemann
Vielleicht haben Sie recht. Nofretete und Pergamonaltar sind eigentlich nur insoweit Teil unserer deutschen Geschichte, als
sie von Deutschen ausgegraben worden sind. Ich hätte deshalb kein Problem damit, wenn ich in den Berliner Mussen nur die Kopien anschauen würde.
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H. Schiemann schrieb:
am 24. Juni 2010 um 13:20:33
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dinge von Wichtigkeit
nach einer Ägyptenausstellung in Bonn gingen wir durch den Souverniershop, als mein Sohn (damals 8) anmerkte, die
Sachen hier sind aber viel schöner. Eine Kiste ist genauso schäbig, wenn ich weiß, dass sie 3000 Jahre alt ist und woran der Knabe starb ist so wichtig wie der Sack Reis in China. Nur das Forschungsgeld, das ist weg. Da gibt es wahrlich wichtigeres. Lasst doch die Ägypte ihre Geschichte erforschen und gebt den ganzen Krempel zurück. Und dann kümmern wir uns um Umwelt, Bildung usw.
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