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Turbulentes Raumfahrtjahr 2011 - jetzt Mars im Visier

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Turbulentes Raumfahrtjahr 2011 - jetzt Mars im Visier

04.12.2011, 14:08 Uhr

Künstlerische Darstellung des neuen, supermodernen Marsrovers der NASA "Curiosity" (Neugier). Dieser ist bereits auf dem Weg zum Mars, wo er im August 2012 ankommen und den Roten Planeten erkunden soll. (Quelle: dpa)

Künstlerische Darstellung des neuen, supermodernen Marsrovers der NASA "Curiosity" (Neugier). Dieser ist bereits auf dem Weg zum Mars, wo er im August 2012 ankommen und den Roten Planeten erkunden soll. (Quelle: dpa)

Aus für die US-Space-Shuttles, Licht und Schatten für Russland, China als neuer "Stern" am Himmel: Zweifellos war 2011 für die drei großen Raumfahrtnationen ein historisches Jahr. Auch die Europäer durften mitmischen: Bei der spektakulären Simulation "Mars500" in Moskau kamen zwei der sechs Männer von der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA.

Diese waren von Februar bis November 520 Tage in Moskau in einem Komplex eingeschlossen, um die Auswirkungen eines bemannten Flugs zum Mars auf Körper und Psyche der Astronauten zu testen.

Der Rote Planet rückt gut 42 Jahre nach der ersten Mondlandung immer mehr ins Zentrum der Raumfahrt. Es gebe Hoffnung, Mitte der 2030er Jahre einen ersten Flug zum Roten Planeten umzusetzen, meint Johann-Dietrich Wörner, Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln. Eine solch ehrgeizige Reise sei aber nur als Gemeinschaftsprojekt denkbar, betont Wörner.

Große ESA-Projekte: "Kepler" und "Galileo"

Doch das ist Zukunftsmusik. Nicht ganz so spektakulär, dennoch bedeutend sind die Projekte, die die ESA im auslaufenden Jahr über die Bühne gebracht hat: Im Februar schickte die Raumfahrtbehörde das europäische Versorgungsfahrzeug "Johannes Kepler" von Kourou in Französisch-Guayana aus zur Internationalen Raumstation (ISS) - beladen mit insgesamt 20 Tonnen Lebensmitteln, Treibstoff und wissenschaftlichen Geräten. Eine Rakete von Typ Ariane 5 brachte das ATV-2 (Automated Transfer Vehicle) ins All, eine etwa 450 Millionen Euro teure Mission.

Der Weltraumtransporter war so konstruiert, dass er selbständig navigieren und andocken konnte. Trotz des großen Gewichts und einer Geschwindigkeit von 28.000 Kilometern pro Stunde steuerte sich das ATV-2 der ESA zufolge bis auf wenige Zentimeter genau. Auf seinem Weg zurück zur Erde verglühte der Frachter kontrolliert über dem Südpazifik.

Und im Oktober feierten ESA und Russland eine Doppelpremiere: Europas erste Galileo-Satelliten starteten auf der russischen Trägerrakete Sojus-ST vom amerikanischen Kontinent aus ins All - wenn auch im zweiten Anlauf. Damit besitzt Europa nun ein unabhängiges Satellitennavigationssystem. Bis 2014 soll das Netz auf 14 Satelliten anwachsen.

Der neue ESA-Direktor, Thomas Reiter, aber plant weiter: Deutschlands berühmtester Astronaut will eine bemannte Mission zum Mond starten. ESA-Astronauten würden nicht nur auf Flüge zur ISS vorbereitet, sondern auch für zukünftige Missionen zu anderen Himmelskörpern. Dabei rücken der Mars und vor allem der Mond in den Fokus. "Der Mond ist da und er wird auch genutzt werden, " sagt der 53-Jährige. Die einzige Frage sei der richtige Zeitpunkt. Noch gebe es allerdings keine konkreten Pläne für eine derartige Mission.

Russland sucht Erfolge nach pannenreichem Jahr

Auch die anderen Raumfahrtnationen blicken in die Zukunft. Für 2012 sind weitere Meilensteine geplant: Im August soll eine US-Raumsonde auf dem Mars landen, China wird mit Macht den Bau einer eigenen Raumstation vorantreiben.

Und Russland will sich mit seinen Sojus-Kapseln als zuverlässiger Transporteur zur Internationalen Raumstation ISS erweisen. Moskau nimmt eine Schlüsselstellung ein: Seit dem Einmotten der US-Space-Shuttles ist die Sojus das einzige Transportmittel zur Versorgung der ISS.

2011 begann für Moskau mit den Feiern zum 50. Jahrestag von Juri Gagarins Pionier-Flug 1961 - und entwickelte sich zum Horror-Jahr: Satelliten gingen verloren, Trägerraketen stürzten ab und schließlich folgte der Kampf der Weltraumbehörde Roskosmos um ihre Marsmond-Sonde "Phobos-Grunt". Der 120 Millionen Euro teure Apparat, mit dem Russland 15 Jahre nach seiner letzten interplanetaren Mission eine neue Ära einläuten wollte, geriet außer Kontrolle.

USA mit großen Plänen

Seit die "Atlantis" im Juli ein letztes Mal zur Erde zurückkehrte, stehen ausgerechnet die USA ohne eigene bemannte Raumschiffe da. Um den Ruf des Landes als Vorreiter im All zu wahren, zieht der Chef der Raumfahrtbehörde NASA, Charles Bolden, mit der Botschaft durch die Welt, der Behörde stehe eine große Zukunft bevor. "Entgegen der landläufigen Meinung war dies ein unfassbares Jahr", sagte Bolden jüngst dem US-Kongress.

Neben der Fertigstellung der ISS sei es gelungen, die Weichen für weltverändernde Missionen zu stellen. Er meint die von Präsident Barack Obama eingeforderten Flüge zu einem Asteroiden bis 2025 und zum Mars rund zehn Jahre später.

Tatsächlich wirken die Ankündigungen beeindruckend. Die größte Trägerrakete in der NASA-Geschichte nahm ebenso Gestalt an wie eine neue Kapsel für bis zu sechs Astronauten. 2014 schon könnten die unbemannten Testflüge starten. Doch ist ungewiss, ob die NASA die drei Milliarden Dollar Entwicklungskosten pro Jahr schultern kann.

Und die Missionen sind nicht unumstritten. Niemand in der Behörde wisse, wie man es in nur 14 Jahren schaffen solle, die komplizierte Technik für einen Flug zu einem Asteroiden zu entwickeln, schrieb die "Washington Post" jüngst. Zudem sei unklar, zu welchem Himmelskörper die Reise gehen solle. Auf die NASA wartet 2012 viel Arbeit.

China schließt auf

China hat 2011 mit dem Raummodul "Tiangong 1" (Himmelspalast) und seinem ersten Andockmanöver entscheidende Schritte auf dem Weg zum Bau einer Raumstation gemacht, die um 2020 fertig sein soll. Das unbemannte Raumschiff "Shenzhou 8" (Magisches Schiff) koppelte im November zweimal am "Himmelspalast" an. Dabei kooperierte China auch mit Deutschland im All. "Shenzhou 8" hatte mit der "Simbox" eine deutsche Versuchsanlage an Bord, mit der die Folgen der Schwerelosigkeit auf Organismen erforscht wurden.

Mit dem Ankoppeln schloss China zu den großen Raumfahrtnationen USA und Russland auf, die diese Technologie seit vier Jahrzehnten beherrschen. Experten sahen einen weiteren Beweis, wie schnell China in der bemannten Raumfahrt aufholt. Die zweitgrößte Wirtschaftsnation verfolgt ehrgeizige Pläne: Sollte der Bau der Raumstation wie geplant fortgesetzt werden, wäre China 2020 die einzige Nation mit einem ständigen Außenposten im All.

Darüber hinaus baut die junge Raumfahrtnation mit Satelliten ein eigenes globales Navigationssystem im All, will Raumschiffe auf den Mond und in die Tiefen des Alls schicken. Für die großen Pläne werden leistungsstärkere Raketen entwickelt. China kann nach Ansicht von Experten auch politisch Kapital schlagen. Daheim könne sich die kommunistische Führung im Licht der Erfolge im All sonnen, während außenpolitisch die strategische Position Chinas gestärkt werde.


Quelle: dpa , t-online.de

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