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Prozess gegen 20-jährige Deutsche in der Türkei vertagt
25.03.2008, 08:23 Uhr
Sabrina A. kurz nach ihrer Festnahme im Juli 2007 (Quelle: dpa)Die 20-jährige Sabrina A. und ihr kleiner Sohn Jason müssen vorerst in einem türkischen Gefängnis bleiben. Das Schwurgericht im westtürkischen Izmir entschied zum Auftakt des Rauschgiftprozesses gegen die junge Deutsche am Dienstag, die Angeklagte weiter in Untersuchungshaft zu behalten, wie einer der Richter nach der mehrstündigen Verhandlung mitteilte. Das Verfahren soll am 21. Mai fortgesetzt werden. Bis dahin sollten einige noch fehlende Unterlagen beschafft werden.
Angeklagte bestreitet die Vorwürfe
Die in der Türkei wegen Drogenschmuggels und Bandenkriminalität verhaftete Deutsche ließ die Vorwürfe erneut bestreiten. Die junge Frau wusste nichts von dem Rauschgift in ihrem Gepäck, sagt ihr türkischer Anwalts Haluk Tardu.
Fünf Kilo Heroin im Gepäck
Die Deutsche war im Juli 2007 im Alter von 19 Jahren auf dem Weg zum Flughafen in Antalya festgenommen worden. Polizisten hatten in einem Koffer in dem Taxi, das sie zum Flughafen bringen sollte, fünf Kilogramm Heroin gefunden. Zusammen mit ihr wurden zwei türkische Männer festgenommen. Einer der Männer hatte in seinem Hotelzimmer weitere 15 Kilogramm Heroin.
Anwalt fordert Freilassung
Tardu sagte, er werde zu Prozessauftakt beantragen, dass seine Mandantin auf freien Fuß gesetzt werde. Sollte das Gericht zustimmen, werde Sabrina A. sofort nach Deutschland zurückkehren. Da der deutschen Frau und zwei ebenfalls beschuldigten Türken organisierte Kriminalität vorgeworfen wird, findet das Verfahren vor dem dafür zuständigen Gericht im westtürkischen Izmir statt.
Kind in der Haft behalten
Sabrina A. war zur Zeit ihrer Festnahme im zweiten Monat schwanger. Den Sohn, den sie im Februar zur Welt brachte, behielt sie in der Haft bei sich. An der Verhandlung gegen seine Mutter am Dienstag werde der kleine Jason aber nicht teilnehmen, sagte Tardu. Der Junge werde am Prozesstag im Gefängnis von Bergama bei Izmir betreut, wo seine Mutter seit der Verlegung aus Antalya einsitzt.
Auslieferung nach Prozess gut möglich
Der deutsche Anwalt der 20-Jährigen, Hans Reinhardt, sieht gute Chancen, dass seine Mandantin nach dem Prozess nach Deutschland ausgeliefert wird. Die türkische Justiz sei nicht interessiert, eine Frau mit einem Kleinkind im Rahmen einer langen Haftstrafe zu betreuen, meint er. Der Ausgang des Prozesses hängt nach Einschätzung des Anwalts sehr vom Aussageverhalten der Mitangeklagten ab. Auch ihr Freund könne als Entlastungszeuge aussagen. Er befinde sich zur Zeit in Deutschland, warte aber auf freies Geleit.
Wichtige Fragen ungeklärt
Reinhardt kritisierte am Dienstag, dass nie die Frage geklärt worden sei, woher das Rauschgift kam und wohin es genau hingehen sollte. "Denn wenn in Deutschland 20 Kilo Heroin erwartet werden, dann ist das kein Pappenstiel", sagte Reinhardt. "Wenn Sabrina sagt 'Ich bin unschuldig', dann hätte man der Spur in Deutschland ja nur weiter nachgehen müssen. Dann hätte man sicher herausbekommen, was sie damit zu tun hat." Letzten Endes sei das wohl ein Problem der Zusammenarbeit der Behörden.
Quelle: dpa
, AFP