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Türke mahnt Türken: "Lernt Deutsch! Passt Euch an"

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"Lernt Deutsch! Passt Euch an"

12.10.2010, 08:36 Uhr

Ankaras Europaminister Egemen Bagis fordert seine Landsleute in Deutschland zur Integration auf. (Foto: Imago)

Ankaras Europaminister Egemen Bagis fordert seine Landsleute in Deutschland zur Integration auf. (Foto: Imago)

"Lernt Deutsch! Passt euch den Sitten und Gebräuchen eures Gastlandes an!" Das hat nicht ein weiterer Unionspolitiker von Ausländern und Deutschen mit Migrationshintergrund gefordert. Vielmehr hat der amtierende türkische Europaminister Egemen Bagis seine Landsleute und alle Deutschen türkischer Herkunft zu einer besseren Integration - und das in der "Bild"-Zeitung.

Zudem sagte er: "Schickt eure Kinder auf die besten Schulen, damit sie eine Zukunft haben." Der Minister forderte die Türken auch auf, die Gesetze zu achten , "denn wenn Ali oder Achmed Schlimmes tun, werden die Menschen nicht nach Namen suchen. Sie werden sagen: Der Türke war's!" Das klingt ganz anders als der Auftritt des türkischen Regierungschefs Recep Tayyip Erdogan vor zwei Jahren in Köln, als dieser vor 16.000 Türken vor einer Assimilation gewarnt und damit deutschlandweit Verärgerung ausgelöst hatte

Die türkische Regierung stehe deshalb voll und ganz hinter der Idee der Integration, "so wie wir für die Integration der Türkei in die EU sind". Der Minister: "Ihr müsst das Geschenk eurer Identität und eurer Kultur nicht aufgeben, sondern euch als Botschafter der Türkei verstehen."

Weiter Kritik an Seehofer

Unterdessen hat CSU-Chef Horst Seehofer mit seiner Forderung nach Zuzugsbeschränkungen für Türken und Araber weiterhin Kritik geerntet - auch aus den Reihen von Union und FDP. Deutschland solle aktiv um qualifizierte Zuwanderer werben, forderte etwa Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann. Sie sicherten Innovationen und Arbeitsplätze, sagte der CDU-Politiker der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse". Seehofer warf er Populismus vor. "Man darf es eben nicht an der Herkunft festmachen", so der niedersächsische CDU-Politiker. "Wir brauchen die Zuwanderung von Qualifizierten und Hochqualifizierten es ist unerheblich, aus welchem Kulturkreis sie kommen."

Seehofer hatte in einem Interview gesagt, Zuwanderer aus anderen Kulturkreisen wie aus der Türkei und arabischen Ländern täten sich schwerer bei der Integration. Daraus ziehe er den Schluss, "dass wir keine zusätzliche Zuwanderung aus anderen Kulturkreisen brauchen".

Künast: Völlig vergaloppiert

Nach Auffassung der Grünen hat sich Seehofer beim Thema Islam völlig vergaloppiert. Fraktionschefin Renate Künast warf dem CSU-Chef in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vor, er gehe mit billigem Populismus auf Stimmenfang und dränge angesichts des Umfragetiefs seiner Partei darauf, die Zuwanderung aus anderen Kulturkreisen einzuschränken.

Der Berliner Integrationsbeauftragte Günter Piening sprach von "verheerenden Signalen" des CSU-Chefs, die die positiven Signale der Rede von Bundespräsident Christian Wulff, der den Islam als zu Deutschland gehörig bezeichnet hatte, zunichte machten. "Die Seehofers und Sarrazins simplifizieren, polarisieren, grenzen aus", sagte Piening der "Frankfurter Rundschau". Bei solchen Debatten bestehe die Gefahr, "dass sich die Einwanderer angewidert abwenden und zu dem Ergebnis kommen, dieses Deutschland wird es niemals kapieren".

FDP: Wir brauchen Fachkräfte

Eine "sehr viel stärkere Willkommensstruktur" forderte der arbeitsmarktpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Johannes Vogel. "Wir benötigen nicht weniger, sondern erheblich mehr gesteuerte Zuwanderung. Der Wettbewerb um die klügsten Köpfe muss endlich ernst genommen werden", sagte Vogel der "Passauer Neuen Presse".

Rückendeckung erhielt Seehofer dagegen vom Integrationsbeauftragten der Unionsfraktion im Bundestag, Stefan Müller. "In der Tat sind relativ gesehen Muslime, vor allem türkische Muslime, schlechter integriert als andere", sagte der Geschäftsführer der CSU im Bundestag. Eine Änderung des Zuwanderungsrechts lehnte Müller deswegen trotz des Fachkräftemangels ab. "Unkontrollierte und massenhafte Zuwanderung hilft niemandem", sagte Müller.

Studie: Türken mögen deutsche Nachbarn

Laut einer Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen wünschen sich junge Türken Kontakt zu Deutschen. Dagegen seien Türken bei deutschen Jugendlichen ausgesprochen unbeliebt, heißt es in der Studie, aus der die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. 40,9 Prozent der Türken sagten der Umfrage zufolge, sie fänden deutsche Nachbarn sehr angenehm. Deutsche Jugendliche fänden dagegen nur zu 9,2 Prozent türkische Nachbarn sehr angenehm, mehr als 38 Prozent würden türkische Nachbarn nicht mögen. Für die Untersuchung habe das Institut knapp 1600 türkischstämmige und mehr als 20.000 deutsche Jugendliche befragt.


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Quelle: AFP , dpa , je

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