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Todeszahl in der Südsee steigt auf über 150
01.10.2009, 13:10 Uhr
Die Zerstörungen durch den Tsunami auf Samoa aus der Luft (Foto: dpa)
Nach dem verheerenden Tsunami auf den Samoa-Inseln in der Südsee ist die Zahl der Opfer am Donnerstag auf mehr als 150 gestiegen. Zahlreiche Menschen wurden verletzt, darunter vier Deutsche, und noch immer werden Dutzende vermisst, die von den Tsunami-Wellen - manchmal vor den Augen ihrer Angehörigen - auf das Meer hinaus gerissen worden waren. Die ersten Leichen wurden am Strand angespült und geborgen.
Durch den Tsunami wurden auf den Samoa-Inseln mehr Deutsche verletzt als bisher bekannt. Außer einem Paar aus Berlin, das bereits aus dem Krankenhaus entlassen wurde, seien auch eine Frau aus Bayern und ein Mann aus Bremen zu Schaden gekommen, teilte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts mit. Beide befänden sich noch in Behandlung, seien aber nicht in Lebensgefahr.
Plünderer unterwegs
Weil die Wucht des Wassers an der Südküste der Hauptinsel von West-Samoa mehrere Dutzend Dörfer und einige Ferienanlagen zerstört und zum Teil fortgerissen hatte, wurden tausende Menschen obdachlos. In einigen Regionen ziehen Plünderer durch die Gegend, um sich auf Kosten der Geflüchteten zu bereichern, berichten lokale Medien. Sie rissen die Reifen von verlassenen Autos und durchsuchten die Koffer geflohener Touristen nach Brauchbarem.
Kinder suchen Eltern
In der ehemaligen deutschen Kolonie West-Samoa wurden offiziell 110 Tote bestätigt, darunter nach neuseeländischen Angaben sieben Touristen aus Neuseeland und Australien. Mindestens 3000 Menschen verloren dort ihre Bleibe. Das Fernsehen zeigte Kinder, die ihre Eltern suchten und Eltern, die hofften, ihre Kinder in Krankenhäuser zu finden.
Kinder ins Meer gerissen
Der Einheimische Ala Vena Ale berichtete der Zeitung "New Zealand Herald", seine Tochter habe zusehen müssen, wie ihre drei Kinder im Alter von drei, vier und sieben Jahren am Strand in Lalomanu ins Meer gerissen wurden. Eine Tochter wurde gerettet und liegt schwer verletzt im Krankenhaus. Im selben Dorf verlor Nachbar Faletolu Senara Tiatia allein 30 Familienmitglieder, berichtete er der Zeitung "The Press".
Weit ins Land geschnappt
Auf der Nachbarinsel Amerikanisch-Samoa starben mehr als 30 Menschen, 1700 wurden obdachlos. Neun Menschen kamen auf der zu Tonga gehörenden Insel Niuatoputapu hunderte Kilometer südlich von Samoa um. Dort waren sechs Meter hohe Wellen hunderte Meter weit ins Land geschwappt.
Krankenhaus überlastet
Das Krankenhaus in der Hauptstadt von West-Samoa, Apia, ist mit dem Ansturm durch Verletzte überfordert. Den Ärzten gingen nach Medienberichten die Blutkonserven aus. Das Land brauche dringend Nahrungsmittel, Trinkwasser, Zelte und Plastikplanen, erklärte Regierungschef Tuilaepa Sailele Malielegaoi. Auf dem Flughafen trafen die ersten Maschinen mit Medikamenten und Nahrungsmitteln von Hilfsorganisationen ein. 32.000 Menschen bräuchten Hilfe, hieß es.
Ansteckende Krankheiten
Auf Amerikanisch-Samoa warnten die Behörden vor dem Ausbruch ansteckender Krankheiten, weil auch die Abwasserkanäle beschädigt worden waren. Auch hier kamen erste Hilfslieferungen an.
Eigenständig und US-Territorium
West-Samoa ist ein eigenständiger Staat mit knapp 200.000 Einwohnern. Er besteht aus zwei relativ großen und zwei kleinen bewohnten sowie sechs unbewohnten Inseln. Amerikanisch-Samoa gehört dagegen den USA und liegt südöstlich des eigenständigen Samoa. Knapp 60.000 Einwohner zählt das US-Territorium.